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Abendmahlsfeier Christi Leib im Plastikdöschen

In der Regel wird bei Abendmahlsfeiern Brot geteilt und Wein aus einem gemeinsamen Kelch getrunken. Nicht so in vielen modernen Mega-Kirchen: Hier feiern Christen mit kleinen Abendmahl-Kapseln die Gemeinschaft mit Christus und den Mitchristen.

04.09.2018 12:02
Communion Cups
Prefilled Communion Cups: Die "Cups" enthalten in einem winzigen Plastikbecher einen Schluck Traubensaft und darüber in einer zweiten Schicht eine kleine eingeschweißte Oblate. Foto: epd-bild/Norbert Neetz

Sie sehen aus wie kleine Kaffeesahnekapseln, enthalten aber Leib und Blut Christi. „Prefilled Communion Cups“ werden seit kurzem von einigen Gemeinden in Deutschland zur Abendmahlsfeier genutzt. „So ermöglichen wir jedem, zum Tisch des Herrn zu gehen“, erklärt Peter Wenz, leitender Pastor des Gospel Forum in Stuttgart dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die „Cups“ enthalten in einem winzigen Plastikbecher einen Schluck Traubensaft und darüber in einer zweiten Schicht eine kleine eingeschweißte Oblate. Zur Abendmahlsfeier werden sie entweder in großen Körben durch die Reihen gegeben oder zu Beginn des Gottesdienstes am Eingang ausgeteilt.

Die freie evangelisch-charismatische Gemeinde von Pastor Wenz, zu der sich über 8.000 Menschen zählen, nutzt seit eineinhalb Jahren die Sets. Die Mitglieder hätten es sich gewünscht, sonntags wieder gemeinsam Abendmahl zu feiern, und nicht nur - wie vorher üblich - in über 600 Kleingruppen unter der Woche. „Da haben wir uns für die 'Cups' entschieden, weil wir es von anderen Kirchen weltweit kannten und weil es uns die Möglichkeit eröffnet hat, das Abendmahl zeitlich gut im großen Gottesdienst unterzubringen.“ Einen anderen Weg habe es bei so vielen Gottesdienstbesuchern aus zeitlichen Gründen gar nicht gegeben.

Auch aus hygienischer Sicht seien die Abendmahl-Sets positiv zu bewerten: „Mit dem Becher, den jeder für sich hat, haben wir das Problem der Ansteckungsgefahr ausgeschaltet“, sagt der Gemeindeleiter. Die Rückmeldung sei positiv gewesen: „Wenn wir das Abendmahl in dieser Form im großen Gottesdienst nehmen, ist das ein sehr starkes Erlebnis.“

Abgepacktes Abendmahl

Sucht man nach den „Cups“ im Internet, wird man schnell fündig: Dort kann man die kleinen Kapseln von verschiedenen Unternehmen kaufen, zum Beispiel 500 Stück für umgerechnet 70 Euro. Angeboten werden zum Beispiel „Kingdom Prefilled Communion Cups“ oder „Fellowship Cups“. Wie viele andere Gemeinden bestellt auch das Gospel Forum Stuttgart die kleinen Abendmahl-Sets in den USA. Dort wurde das abgepackte Abendmahl in den 90er-Jahren von einer Gemeinde in Oregon erfunden.

Anselm Schubert, Professor für Neuere Kirchengeschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg, hat sich intensiv mit dem Abendmahl beschäftigt. Historisch knüpfe das abgepackte Abendmahl an die ältere Tradition des Einzelkelchs an, erklärt Schubert. Als man im späten 19. Jahrhundert Bakterien entdeckte, sei eine Angst vor Ansteckung entstanden, so dass sich viele Kirchen in den USA dazu entschieden hätten, jedem Kirchgänger einen eigenen Kelch zu reichen. Da sei es eine naheliegende Idee gewesen, den Einzelkelch schon vorher abzufüllen.

„Das ist nichts, was die Amerikaner erfunden haben, um viel Geld zu verdienen“, betont Schubert. Er sieht die „Prefilled Cups“ vielmehr als „pragmatische Lösung für ein praktisches Problem in riesigen Gemeinden“.

Aus ästhetischer Sicht seien die Sets „natürlich ganz schrecklich“ und das damit entstehende Müllproblem dürfe man auch nicht vernachlässigen, sagt der Kirchenhistoriker. Außerdem gibt er zu bedenken, dass bei dieser Form des Abendmahls der Gemeinschaftscharakter verloren gehe, wenn jeder sein eigenes Päckchen nutze.

Einzelkelche nicht erlaubt

Pastor Wenz weist diesen Vorwurf zurück: „Eine Gemeinschaft kommt nicht zustande, wenn man aus dem gleichen Becher trinkt. Sie entsteht in den Herzen.“ Das bringe seine Gemeinde im gemeinsamen Teilen des Brotes zum Ausdruck.

Ein Hersteller aus den USA bewirbt die Päckchen in einem Kurzfilm mit Attributen wie „super leicht zu öffnen“, „eine Art, die Kommunion auf eine frische und gesunde Weise zu feiern“ oder „servierbereit und einfach zu lagern“. Auch die „signifikant reduzierte Zeit zur Austeilung des Abendmahls“ wird hier als Pluspunkt hervorgehoben.

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