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Ocean Cleanup Kampf gegen den Plastikmüll im Meer

In den Ozeanen treibt tonnenweise Plastik und bildet ganze Müllteppiche auf dem Meer. Boyan Slat will diesen Dreck einsammeln. Doch Experten sehen das kritisch.

Plastiktüte im Wasser
Weltweit sollen in den Ozeanen rund 150 Millionen Tonnen Plastikmüll schwimmen (Symbolbild). Foto: imago

Acht Millionen Plastikmüll landen jedes Jahr im Meer. Riesige Inseln aus schwimmendem Abfall treiben auf den Ozeanen. Weil Plastik äußerst langsam abgebaut wird, wachsen die Müllteppiche ständig weiter an. Darunter sind auch viele gerissene Netze aus den Fischerei. Delfine und Schildkröten verfangen sich darin und können zum Atmen nicht mehr an die Wasseroberfläche gelangen. Fische verschlucken Plastik, das sie nicht verdauen können. Sie verletzen sich an den kleinen Müllteilen. Oder das Plastik kann nicht ausgeschieden werden und verursacht ein trügerisches Sättigungsgefühl – die Tiere verhungern. Die winzig kleinen Plastikteilchen gelangen anschließend in die Nahrungskette, mit gravierenden Folgen für das Ökosystem.  

Durch die Meeresströmungen sammeln sich gigantische Plastikmengen zu riesigen Müllteppichen. Allein zwischen Kalifornien und Hawaii schwimmt eine gigantische Ansammlung, das „Great Pacific Garbage Patch“, in der Fläche fast viermal so groß wie Deutschland. Rund 80 Millionen Tonnen Plastik – Experten sprechen von 1.800.000.000.000 (1,8 Billionen) kleinen Plastikpartikeln. 

Müllsammeln, um Meere zu retten 

Der 24-jährige Niederländer Boyan Slat will die Meere säubern. Dazu hat er das Projekt „The Ocean Cleanup” ins Leben gerufen und sich eine Art Müllsammler ausgedacht. Es handelt sich um einen 600 Meter langen und rund ein Meter dicken Schlauch, an dessen Unterseite drei Meter tiefe Netze befestigt sind. Der Schlauch treibt durch den Ozean, das Netz fischt die Plastikteilchen auf. Er soll dann regelmäßig von Schiffen angefahren werden, die den Müll aufnehmen und zur Entsorgung an Land bringen. Ein wartungsarmes, passives System, das ohne eigenen Antrieb durchs Meer treibt und dabei Müll einsammelt. Mit dieser Idee hat der Niederländer viele Menschen überzeugen können: Rund 30 Millionen Euro an Spendengeldern sind bislang eingegangen.   

Am vergangenen Samstag war es soweit: In der Bucht von San Francisco nahm ein Schiff den Schlauch ins Schlepptau und machte sich mit viel Publicity auf den Weg zum „Great Pacific Garbage Patch“, rund 450 Kilometer vor der Küste Kaliforniens. Und es soll nicht bei diesem einen Müllsammler bleiben: Mit 60 dieser Säuberungssysteme ließen sich in fünf Jahren 50 Prozent des Mülls vor der Kalifornischen Küste einsammeln, glaubt Slat.  

Experten sind skeptisch

Doch das idealistische Konzept sorgt bei Fachleute für sehr viel Skepsis. Das System funktioniert nur bei Plastikteilchen, die mindestens einen Zentimeter groß sind und die an der Meeresoberfläche treiben. Es schwimmen jedoch maximal zehn Prozent des Plastikmülls an der Wasseroberfläche – viele Experten gehen sogar davon aus, dass es sich lediglich um ein Prozent des gesamten Plastikabfalls handelt.  

Unklar ist auch, wie viele Tiere sich in den Müllsammlern verheddern und dadurch verenden. Slat glaubt, dass Tiere unter den drei Meter tiefen Müllnetzen hindurchtauchen können und so jeglicher Gefahr entgehen. Kritiker entgegnen, dass dies vielleicht Säugetieren wie einer Robbe gelingen könne, Fischen dagegen eher nicht. Und einfachen Lebewesen wie Quallen oder Plankton schon gar nicht. Sie würden wohl einfach weggefischt und aus dem Ökosystem verschwinden. Wenn die Netze von „Ocean Cleanup“ permanent durch die Ozean treiben, würde dem Meer ständig wertvolle Biomasse entzogen.  

Die Meeresbiologin Melanie Bergmann vom Alfred-Wegener-Institut hält wenig von dem Projekt: Es geht dabei nicht um Ursachenbekämpfung, sondern lediglich um eine kosmetische Schadensbegrenzung, die zahlreiche Tierarten mitwegfischt. Viel besser sei es, den Plastikverbrauch massiv zu drosseln und dort, wo Plastik unersetzbar sind, recyclingfähige Kunststoffmaterialien zu verwenden. Man müsse dafür sorgen, dass der Müll gar nicht erst ins Meer gelangt.  

Von solchen Einwänden lässt sich Boyan Slat nicht irritieren. „Angesichts der Größe des Plastikmüllproblems ist ein Scheitern einfach keine Alternative", sagt der junge Niederländer. 

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