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Trend zu Einzigartigkeit Messe IMM: Authentischer leben in bewusster Einrichtung

Bewusster Essen, bewusster Kleiden - viele Menschen achten darauf. Auch die Möbelbranche erlebt zunehmend Verbraucher, die überlegter ihr Haus gestalten. Die Persönlichkeit soll darin dargestellt sein. Und so bleibt Individualität das Thema auf der Möbelmesse IMM.

15.01.2018 09:54
Von Simone Andrea Mayer, dpa
Möbelmesse IMM Cologne
Welche Trends es beim Wohnen 2018 gibt, wird auf der Möbelmesse IMM Cologne in Köln im Januar zu sehen sein. Foto: far.design/Koelnmesse/dpa-tmn

„Slow food“ ist eine Bewegung, die genussvolleres, bewussteres und authentisches Essen praktiziert - und weg will vom Fast Food. Wenn es nach dem Einrichtungsexperten Markus Majerus geht, gibt es nun auch das „Slow living“.

Design wird mit Emotionen verbunden, und jeder einzelne Mensch richtet sich bewusst und authentisch in einer individuellen Mischung ein. Majerus ist Sprecher der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne (bis 21. Januar). Hier trifft sich gerade die Einrichtungsbranche und zeigt ihre Neuheiten.

Individualität ist schon seit Jahren ein wichtiger Trend der Messe - und bleibt 2018 erhalten. Nach dem Motto: „Jeder soll sich so einrichten, wie er will.“ Denn die Zeiten haben sich geändert: „Früher haben die meisten Menschen nun mal so gewohnt, wie es die Zeitschriften vorgemacht haben“, erläutert Majerus. Es gab eindeutige Strömungen für Formen und Farben, denen mehr oder weniger alle folgten. Und heute? „Heute definiere ich mich über mich selbst.“

Der Fortschritt von Produktionstechniken hat eine Vielzahl an Möglichkeiten hervorgebracht - zum Beispiel ist sogar ein normales Sofa aus einer Serie heute längst ein einzigartiges, auf die individuellen Bedürfnisse des Käufers abgestimmtes Produkt. Dabei hat er eine Vielzahl von Optionen zu Sitztiefen und -anzahl, Rückenhöhe und Stoffen, Reihung und Accessoires. Kein Stück ist wie das andere.

Ergänzt wird das von einem Trend zu Einzigartigkeit, den viele zu Hause ausleben. Dazu gehört, dass man selbst Möbel baut. Dazu gehört, dass man neben neue Möbel auch Erbstücke stellt. Das kann ein Sessel sein, in dem der Vater immer saß. Oder Omas Schaukelstuhl. „Diese alte Möbel sind wie alte Bekannte, auf die man sich immerzu verlassen kann“, sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie.

Das Rezept der perfekten Einrichtung scheint also zu lauten: Tradition, viel Wärme und eine große Portion Ich. Und was ist mit den Komplettangeboten - etwa einer ganzen Schlafzimmer-Ausstattung? Geht das verloren? „Nein, auf gar keinen Fall“, lautet die Prognose von Gabriela Kaiser. „Die Individualität hat uns vor ein Problem gestellt“, sagt die Trendanalystin. „Es gibt Menschen, die können viele verschiedene Einzelstücke ganz toll und stilvoll zusammenstellen. Aber viele haben auch kein Händchen dafür. Sie sind überfordert damit, dass im Grunde zwar dank der Individualität alles möglich ist, aber das dann bitte auch gekonnt aussehen muss.“

Dafür haben die Einrichter eine Lösung: Sie bieten Einrichtungen für ganze Zimmer aus verschiedenen Materialien und Stilen an. Scheinbare Einzelstücke sind von Profis perfekt kombiniert worden.

Verbraucher haben heutzutage so viele Entscheidungen zu treffen. „Schauen Sie doch mal, wie viele Wahlmöglichkeiten es beim Kaffee gibt“, nennt Kaiser ein Beispiel. „Dazu fehlt den meisten Menschen grundsätzlich die Vorstellungskraft, wie ein Möbelstück zum anderen passt.“ Aber einfach mal zu machen, trauen sich die wenigsten. „Es will ja auch kaum einer als ein Paradiesvogel gelten.“ Ein Dilemma.

Diese Entwicklung, dass die ureigenen Vorstellungen in den Wohnräumen umgesetzt werden sollen, treibt die Branche an. Die Bandbreite der Variationsmöglichkeiten eines Produktes nimmt zu. Und die Firmen werfen von bestehenden Möbelserien Erweiterungen auf den Markt. Die Losung scheint zu sein: Dem Kunden ganz viel Auswahl bieten.

Es gibt aber einen besonderen Twist für 2018, sagen Experten: Zwar bleibt alles möglich, und damit gibt es auch alle erdenklichen Stile auf dem Markt. Es gebe aber einen Trend zu schlichteren Möbeln.

(Von Simone Andrea Mayer, dpa)
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