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Wanderlust-Gen Welche Faktoren unsere Reiselust bestimmen

Manche Menschen lieben es, im Urlaub die Welt zu erkunden, andere bleiben lieber zuhause. Forscher machen dafür ein Gen verantwortlich. Diese Faktoren machen uns zu Abenteurern oder Reisemuffeln.

17.03.2015 17:00
Katharina Klöber
Fernwehgeplagte wollen ständig raus und Neues entdecken. Foto: dpa

Jeder kennt sie: Die Menschen, die ständig von Fernweh geplagt sind, gefühlt ständig unterwegs, und die anderen, die Couch-Potatos, die am liebsten immer zuhause bleiben würden. Während der Reiselustige stets dabei ist, den nächsten Urlaub oder wenigstens den nächsten Wochenendausflug zu planen, treibt der Gedanke ans Kofferpacken dem Reisemuffel Schweißperlen auf die Stirn.

Reiselustige gelten als rastlos, neugierig und immer auf der Suche nach neuen Erlebnissen. Das Größte für sie: Im Urlaub neue Länder und Kulturen entdecken, wenigstens für ein paar Wochen im Jahr etwas Neues sehen und dem Alltag entfliehen. Reisemuffeln dagegen gefällt es in den eigenen vier Wänden am besten. Die vertraute Umgebung verlassen – das finden sie anstrengend. Viel lieber bleiben sie im Urlaub zuhause und nutzen die freie Zeit, um den Gartenzaun neu zu streichen.

Dass wir entweder zur einen oder zur anderen Kategorie gehören, könnte an unseren Genen liegen, vermuten Wissenschaftler. Genauer gesagt am Gen DRD4-7R, das auch als Wanderlust-Gen bezeichnet wird. Wie David Dobbs im National Geographic Magazine schreibt, handelt es sich bei DRD4-7R um eine Mutation des Gens DRD4, das bei der Regulierung von Dopamin mitwirkt. Dieser chemische Botenstoff spielt im Gehirn bei Lern-und Belohnungsprozessen eine Rolle. Menschen, die das Gen in sich tragen, sollen nach Angaben verschiedener Forscher besonders neugierig und rastlos sein. Außerdem seien sie risikofreudiger und stärker als andere Menschen daran interessiert, Neues auszuprobieren. Rund 20 Prozent der Bevölkerung sollen das Gen DRD4-7R besitzen.

Doch woher haben es diese 20 Prozent? Verschiedenen Untersuchungen zufolge steht das Gen in Zusammenhang mit menschlichen Wanderungsbewegungen. Dobbs bezieht sich auf eine Studie der Universität von Kalifornien, bei der bereits 1999 nachgewiesen werden konnte, dass das mutierte Gen in Kulturen mit Migrationsgeschichte häufiger vorkommt als anderswo. Das betrifft Bevölkerungen, deren Vorfahren aus Afrika stammen und sich über die Jahrtausende auf verschiedenen Kontinenten ausgebreitet haben.

Das Abenteurer-Gen DRD4-7R nun als einzigen Faktor für Entdeckerlust anzusehen, findet Genetiker Kenneth Kidd von der Yale Universität laut Dobbs zu einfach. Neben Eigenschaften, wie Neugier und Rastlosigkeit, sei vor allem die physische Fähigkeit dazu entscheidend.

Und diese Fähigkeit hängt laut Yale-Genetiker James Noonan entscheidend von unseren Gliedmaßen und unserem Gehirn ab. Anders als andere Spezies auf dieser Erde verfüge der Mensch über Beine, mit denen er lange Strecken zu Fuß zurücklegen kann sowie über vielfältig einsetzbare Hände. Das menschliche Gehirn sei beispielsweise viel größer als das von Menschenaffen.

Die große Mobilität, außerordentliche Geschicklichkeit und die Vorstellungskraft des Gehirns seien die besten Voraussetzungen, um Reiselust und Forscherdrang zu entwickeln. Die meisten Abenteurer und Entdecker treiben dabei Fragen an, wie „Gibt es einen kürzeren Weg nach Indien?“ oder „Kann ein Mensch auf dem Mond landen?“. Die Fähigkeit, solche Fragen zu stellen, entwickeln Menschen im Gegensatz zu Tieren in der Kindheit.

Gorillas und Schimpansen erreichen mit drei bis fünf Jahren die Pubertät, Menschenkinder haben dagegen zehn Jahre länger Zeit, bis sie erwachsen werden. Zeit, die Kinder fürs Spielen nutzen können. Dobbs verweist dabei auf die Psychologin Alison Gopnik von der Universität von Kalifornien. Kinder würden beim Spielen hypothetische Szenarien kreieren: „Kann ich aus den Holzklötzen einen Turm bauen, der so groß ist wie ich?“, „Was passiert, wenn ich die Sprungschanze für mein Fahrrad höher mache?“

Während das Spielen Kinder zu kleinen Entdeckern macht, verbringen Erwachsene ihre Zeit mit Arbeit und ernsten Dingen des Lebens. Das führt laut Gopnik dazu, dass sie häufig weniger gewillt sind, unbekannte Alternativen auszuprobieren und stattdessen lieber auf Gewohntes setzen.

Was bedeutet diese Erkenntnis nun in punkto Reisefreudigkeit? Einfach formuliert könnte man sagen: Wer als Kind zu wenig gespielt hat, streicht als Erwachsener im Urlaub lieber den heimischen Gartenzaun als dass er sich in einem fremden Land auf unbekanntes Terrain begibt. Und nur wer als Erwachsener eine kindlich-spielerische Einstellung behält und offen für andere Optionen abseits der ausgetretenen Pfade bleibt, hat letztlich das Zeug zum Entdecker. Vielleicht sollten Reisemuffel ganz einfach mal wieder die Carrera-Bahn oder die Playmobil-Figuren aus dem Keller holen.

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