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Gunnar Garfors Mit 40 einmal um die ganze Welt gereist

Von Aserbaidschan bis Zentralafrika: Es gibt kein Land, in dem der Norweger Gunnar Garfors noch nicht war. Ein Gespräch über die Faszination Reisen, verrückte Rekorde und die Mitternachtssonne in seinem Heimatland.

14.08.2015 15:41
Von Katharina Klöber
Atemberaubende Kulisse: Gunnar Garfors am Machu Picchu in Peru. Foto: Gunnar Garfors

Gunnar Garfors aus Norwegen liebt das Reisen. So sehr, dass er sich vornahm, alle Länder der Erde zu besuchen. Im Interview erzählt der 40-Jährige, wie es zu dem ehrgeizigen Plan kam und wo er nicht unbedingt wieder hinfahren würde.

Was fasziniert Sie am Reisen?

Gunnar Garfors: Als ich drei Jahre alt war, arbeitete mein Vater als Arzt auf einem Kreuzfahrtschiff im Pazifik. Weil mein jüngerer Bruder Øystein  und ich damals noch nicht lesen konnten, schickte er uns regelmäßig Audio-Kassetten und erzählte uns von seinen aufregenden Erlebnissen in China, auf den Philippinen, Kanada und Alaska. Unsere Mutter erklärte uns, dass sich das Schiff am anderen Ende der Welt befindet, da die Erde eine Kugel ist. Für einen Dreijährigen nicht leicht zu verstehen, aber trotzdem bestanden mein Bruder und ich darauf, unserem Vater in gleicher Weise zu antworten. Unsere Geschichten vom örtlichen Spielplatz unseres kleinen Dorfs Naustdal an der norwegischen Westküste waren natürlich nicht ganz so spannend. Trotzdem haben sie mich schon in jungen Jahren sehr inspiriert.

Wann haben Sie später zum ersten Mal alleine eine Reise unternommen?

Garfors: Mit 17. Ein Freund und ich sind damals, 1992, mit Interrail durch Europa gereist und haben 13 Länder besucht. Von dem Moment an war ich gefangen. Einige Jahre später bin ich zum ersten Mal in Länder außerhalb von Westeuropa gereist. Damals habe ich beschlossen, mehr zu reisen, um die Welt besser zu verstehen.

Wie sind Sie dann zu dem Plan gekommen, alle 198 Länder der Erde zu bereisen?

Das war 2008. Zu dem Zeitpunkt hatte ich alle sieben Länder bereist, die auf –stan enden. Insgesamt hatte ich damals schon 85 Länder bereist. Ich brauchte also ein neues Ziel. Und leicht ist langweilig. Aus dem Vorsatz entwickelte sich sogar eine Wette mit einem Kumpel – er hat dann leider verloren. Als Wetteinsatz brachte er mir 197 Flaschen Bier und eine Flasche Rum mit.

Wie oft mussten Sie ein Flugzeug besteigen, um diese Wette zu gewinnen?

Bestimmt 3000 bis 4000 Mal, weil es hunderte einzelne Trips waren.

Nicht wenig. Wie finanzieren Sie diese Reisen denn?

Ich arbeite Vollzeit bei der norwegischen Rundfunkanstalt NRK und alles, was ich verdiene, investiere ich in meine Reisen. Das ist es mir zu hundert Prozent wert. Ich brauche keinen schicken roten Flitzer, Designerklamotten oder ein Penthouse. Auf die Geschichten, die ich auf meinen Reisen erlebe, würde ich dagegen niemals verzichten wollen. Nicht zu Reisen würde meinen Geist beleidigen.

Alle 198 Länder der Erde unter 40 bereist zu haben – wie fühlt sich so ein Rekord an?

Ich habe viel positives Feedback über E-Mails und soziale Netzwerke bekommen. Viele Menschen, die es sich nicht leisten können, ihren Job zu kündigen, um auf Reisen zu gehen, schreiben mir, dass sie meine Geschichte inspiriert. Ich denke, mein Beispiel zeigt, dass man nicht alle Zelte abbrechen und Blogger werden muss, um die Welt zu sehen. Man muss einfach ein bisschen planen und sich trauen, impulsiv zu sein. Auch wenn das widersprüchlich scheint. Jedenfalls fühlt es sich großartig an, wenn ich andere Menschen inspirieren kann, ihren Träumen folgen.

2014 haben Sie 19 Länder in 24 Stunden besucht. Ein weiterer Rekord…

Ja, das war so eine impulsive Aktion, die ich mit zwei Freunden zusammen unternommen habe. Das ist aber nicht meine favorisierte Art zu Reisen. Man sieht viel aus dem Flugzeugfenster, aber ansonsten erlebt man nicht so viel.

Haben Sie je ein Land zweimal besucht?

Ja, es gibt sogar elf Länder, die ich mehr als zehnmal besucht habe und 79 Länder, in denen ich zwischen zwei- und zehnmal war. In 108 Ländern war ich bislang nur einmal. Drei oder vier Länder habe ich im Rahmen eines Tagesausflugs besucht. Dazu gehört zum Beispiel der Vatikan. Alles andere wäre schwierig geworden. 

In welchem Land hat es Ihnen am besten gefallen?

Diese Frage höre ich ständig. Aber es ist unmöglich, sie zu beantworten. Es gibt auf dieser Welt so viele spektakuläre, atemberaubende Orte und überall unglaublich gastfreundliche Menschen.

Gibt es denn ein Land, das Sie nicht begeistert hat?

Es gibt keine Länder, in die ich nicht zurückkehren würde. Auf der anderen Seite bin ich aber kein großer Fan von Ländern, die Religion benutzen, um Menschen zu unterdrücken oder zu diskriminieren, oft Minderheiten oder Frauen. Leider kommt es vielerorts noch vor, dass Religion in sehr konservativer, aus meiner Sicht veralteter Weise interpretiert wird.

Wenn Sie alle Reisen in der Rückschau betrachten: Welches Erlebnis werden Sie nie vergessen?

Zu viele um sie alle aufzuzählen. Was mich trotz der vielen Reisen immer wieder bewegt, ist, wenn ich im Sommer in Norwegen auf einem Berggipfel stehe – mitten in der Nacht, wenn die Sonne scheint. Die Mitternachtssonne wird total unterschätzt. Ich habe dort oben eine kleine Hütte, zu der man nur per Boot gelangt. Nirgends ist es so friedvoll und ruhig wie da.

Machen Sie dann ab jetzt nur noch Urlaub in Norwegen?

Ich habe vielleicht jedes Land der Erde bereist, aber ich war noch lange nicht überall. Bei erneuten Besuchen kann ich die Länder besser kennenlernen, alte Freunde wiedertreffen und neue finden. Ich finde es auch total spannend zu gucken, was sich in der Zwischenzeit verändert hat. Außerdem promote ich mein Buch „198: How I Ran Out of Countries“ – und wer weiß, vielleicht versuche ich irgendwann doch noch mal, einen Rekord aufzustellen. 

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