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Ciclovia Alpe Adria Radweg Mit dem Rad über die Alpen ans Meer

Auf 410 Kilometern verbindet der Alpe-Adria-Radweg Salzburg mit dem oberitalienischen Fischerstädtchen und Badeort Grado. Vor allem Italien hat viel in den Ausbau der Route investiert, die teilweise auf stillgelegten Bahnlinien verläuft. Die Region erhofft sich eine Belebung der Wirtschaft.

30.09.2015 14:45
Daniel Kortschak
Der Alpe-Adria-Radweg verläuft zwischen Tarvis und Moggio Udinese auf der Trasse der ehemaligen Pontebbana-Bahn und passiert dabei zahlreiche Tunnels und Brücken. Foto: Daniel Kortschak

Rund 410 Kilometer trennen Salzburg von Grado, dem historischen Fischerstädtchen und pulsierenden Badeort an der oberen Adria. Zehntausende Urlauber legen diese Strecke jedes Jahr mit dem Auto zurück, einige nehmen die Bahn oder fahren mit dem Bus. Immer beliebter wird es indes, die Route mit dem Fahrrad zu absolvieren.

Seit 2007 haben Österreich, Italien sowie die Bundesländer Salzburg und Kärnten gemeinsam mit der Region Friaul-Julisch-Venetien im Rahmen eines EU-Projektes am Ausbau des alpenquerenden Fernradweges gearbeitet. Der erste Abschnitt der zweisprachig als "Ciclovia Alpe Adria Radweg" vermarkteten Route wurde 2010 an der österreichisch-italienischen Grenze eröffnet.

In Österreich führt der Alpe-Adria-Radweg weitgehend entlang bestehender Routen, zunächst im Salzach-, dann im Gasteiner Tal. Bis auf einen 17 Kilometer langen Abschnitt zwischen Golling und Werfen, wo zwischen Bahnline, Fluss und Felswänden kein Platz für einen eigenen Fahrradweg ist, verläuft die Route vom Verkehr getrennt oder auf schwach befahrenen Nebenstraßen. Auch im 1600 Meter langen Klammtunnel, der die Verbindung ins Gasteiner Tal herstellt, gibt es einen eigenen Fahrradweg. Dieser ist allerdings ziemlich schmal ausgefallen, Lärm und Abgase erschweren die Durchfahrt für Radfahrer zusätzlich.

Am Ende des Gasteiner Tals wird der Alpenhauptkamm mit Hilfe der stündlich verkehrenden Tauernschleuse-Züge der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) gequert, die neben Autos und Fußgängern auch Radfahrer befördern. Im Tauern-Bahntunnel liegt nicht nur die Landesgrenze zwischen Salzburg und Kärnten, sondern mit 1226 Metern auch der höchste Punkt des Alpe-Adria-Radweges; entsprechend kräftig fällt auf den Kilometern davor der Anstieg zwischen Bad Hofgastein und dem historischen Kurort Bad Gastein an.

Direkt nach dem Tunnel verläuft die Radroute zunächst auf der Bundesstraße, in zahlreichen Serpentinen verliert sie gleich einige Hundert Meter an Höhe. Anschließend führt die durchgehend gut ausgeschilderte Strecke dann weiter auf Nebenstraßen und Radwegen durch das Möll- und das Drautal über Spittal nach Villach, von dort geht es dann durch das Gailtal an die italienische Grenze.

Während in Österreich für den Alpe-Adria-Radweg nur einzelne Abschnitte im Radwegenetz ergänzt wurden, waren auf italienischer Seite größere Investitionen nötig. Bereits kurz nach der Staatsgrenze schwenkt die "Ciclovia Alpe Adria" auf die ehemalige Trasse der Pontebbana-Bahn, die durch das Kanal- und das Eisental von Kärnten Richtung Udine führte. Ende 2000 durch eine zu großen Teilen in Tunnels geführte Neubaustrecke ersetzt, lag der 1879 von den Staatsbahnen Österreichs und Italiens eröffnete historische Schienenstrang brach.

Dank des grenzüberschreitenden EU-Projektes mit einer Gesamtinvestition von 1,2 Millionen Euro ist nun wieder Leben auf der alten Bahnstrecke eingekehrt: Tunnels wurden gesichert, Brücken saniert und statt der Schienen verläuft auf der Trasse nun ein glattes Asphaltband, bestens markiert und beschildert. Eine Investition, die sich lohnt: 22 000 Radfahrer und 11 000 Fußgänger haben von April bis August 2015 die Zählstelle Resiutta an der Alpe-Adria-Route passiert. Bereits Anfang 2015 war die Ciclovia Alpe Adria auf einer internationalen Fachmesse in Amsterdam zur Radroute des Jahres gekürt worden.

"Die Region ist in Sachen Radverkehr sehr aktiv: Wir stellen den lokalen Behörden die Mittel zur Verfügung, um die Radwege entlang der regionalen Hauptachsen auszubauen, unterstützen konkrete Projekt finanziell, verbessern die Beschilderung und fördern die Werbung über unsere Tourismusagentur", sagt Mariagrazia Santoro, die für Mobilitätsfragen zuständige Referentin in der Regionalregierung von Friaul-Julisch-Venetien. Projekte, die gerade in der strukturschwachen, seit Jahrzehnten von Abwanderung geprägten Gebirgsregion zwischen Tarvis und Carnia für eine mehr als willkommene Belebung der lokalen Wirtschaft sorgen.

Dass die Bemühungen und Investitionen der Region etwas bewirken, zeigt sich an der schrittweisen Verbesserung der touristischen Infrastruktur: In vielen Orten entlang der Route entstehen Privatquartiere, in den früheren Bahnhöfen von Ugovizza und Chiusaforte haben eine Trattoria und eine Kaffeebar ihre neue Heimat gefunden, an der alten Station Tarvisio Città (Tarvis-Stadt) hat die Stadtverwaltung einen Park mit Rastplatz eingerichtet. Viele der früheren Bahnhöfe liegen allerdings noch brach, Vandalen und der Zahn der Zeit haben deutliche Spuren hinterlassen. Hier steckt noch einiges an Potenzial.

Auch an der Ciclovia Alpe Adria selbst gibt es noch einiges zu tun. Zwar ist schon der Großteil der rund 50 Kilometer langen alten Bahnstrecke zwischen Tarvis und Carnia zum Radweg umgebaut, einige Brücken und Tunnels warten allerdings noch auf die Sanierung. Doch die Region Friaul-Julisch-Veneitien ist entschlossen, auch nach dem Auslaufen des EU-Förderprojektes weiter in den Ausbau des Radweges zu investieren. Zwei Abschnitte bei Ugovizza sowie zwischen Venzone und Gemona del Friuli wurden in diesem Jahr eröffnet. Intensiv gearbeitet wird nun am Lückenschluss zwischen Resiutta und Moggio Udinese, wo die Radfahrer bis jetzt auf die Staatsstraße ausweichen müssen. "Um diesen kritischen Punkt zu entschärfen, stellt der zuständige Gemeindeverband gerade das endgültige Projekt fertig. Die Bauarbeiten sollen Anfang 2016 beginnen. Genutzt wird für diesen Abschnitt die frühere Bahnlinie", sagt Verkehrsreferentin Santoro.

Auch auf der anschließenden Strecke von Moggio nach Venzone soll die Radroute auf die ehemalige Bahntrasse verlegt werden. "Wir haben die Kosten für die Sicherung der Felswände noch einmal exakt berechnet und sind auf weit geringere Ausgaben gekommen, als ursprünglich angenommen", erläutert Mariagrazia Santoro. Noch fehlt aber ein konkretes Projekt zur Errichtung des Radweges, hier seien nun die lokalen Behörden am Zug, heißt es von Seiten der Region Friaul-Julisch-Venezien.

Im weiteren Verlauf des Alpe-Adria-Radwegs von Gemona Richtung Udine ist ebenfalls noch Raum für Verbesserungen: Hier führt die Route vorwiegend über wenig befahrene Nebenstraßen, Feldwege oder Radwege entlang von Hauptstraßen. Allerdings lässt die Beschilderung abschnittsweise sehr zu wünschen übrig, das Risiko, sich zu verfahren, ist groß. An einigen Stellen haben bereits Anwohner Hand angelegt und selbstgebastelte Wegweiser angebracht oder Richtungspfeile auf den Asphalt gesprüht.

Auch die Einfahrt nach Udine erweist sich als kompliziert, findet man die Radroute nicht, landet man schnell auf verkehrsreichen Hauptstraßen. In der Stadt selbst gibt es zwar einige auch baulich vom übrigen Verkehr getrennte Radspuren, die sind allerdings häufig durch parkende Autos oder Mülltonnen blockiert, eine große Brückenbaustelle im Zentrum verschärft die Verkehrssituation zusätzlich.

Bestens beschildert und bis auf wenige Teilstücke sehr gut ausgebaut präsentiert sich hingegen der letzte, rund 55 Kilometer lange Abschnitt von Udine nach Grado. Die Route führt abermals über ruhige Nebenstraßen und Feldwege sowie eigene Radwege. Um die sternförmig angelegte und höchst sehenswerte Festungsstadt Palmanova zu durchqueren, muss man allerdings kurz auf die Straße wechseln. Die Stadttore aus dem 16. und 17. Jahrhundert bieten gerade genug Platz für ein Auto, Ampeln regeln den Verkehr. Auch die enge Ortsdurchfahrt von Cervignano del Friuli müssen sich die Radfahrer mit dem übrigen Verkehr teilen. Da dort die Autoschlangen aber den ganzen Sommer über ohnehin regelmäßig ins Stocken geraten, droht dabei keine große Gefahr.

Von Cervignano bis zur Unesco-Weltkulturerbestätte Aquileia mit ihren römischen Ausgrabungen und der frühchristlichen Basilika verläuft der Alpe-Adria-Radweg erneut auf einer ehemaligen Bahnlinie: Die Stichstrecke vom Bahnhof Cervignano nach Grado war nur 27 Jahre lang in Betrieb und wurde bereits im Jahr 1937 mangels Bedarfs wieder stillgelegt. Nach der Eröffnung der Straßenbrücke über die Lagune, die Grado mit dem Festland verbindet, war die Konkurrenz durch den Straßenverkehr schnell zu groß geworden.

Über diese knapp fünf Kilometer lange Brücke erreichen auch die Radfahrer, durch ein Holzgeländer vom Straßenverkehr getrennt, ihr Ziel am historischen Hafen des 8500-Einwohner-Städtchens. Dort, rund 410 Kilometer südlich von Salzburg, endet der Alpe-Adria-Radweg. Grado ist von Ostern bis Oktober ein belebter Touristenort mit unzähligen Hotels, langen Sandstränden sowie vielen Bars und Restaurants im historischen Stadtkern. Im Gegensatz zu den meisten anderen Badeorten an der oberen Adria bietet Grado auch bei Schlechtwetter und außerhalb der touristischen Hauptsaison einige Attraktionen, unter anderem ein Thermalbad.

Rückreise per Bus oder Bahn

Für die Rückfahrt aus Grado gibt es verschiedene Möglichkeiten: Die Linienbusse nach Udine transportieren nach Voranmeldung einige Fahrräder, in der Hochsaison von Mai bis Ende August führen einzelne Verbindungen zusätzlich einen Fahrradanhänger. Der nächstgelegene Bahnhof ist im etwa 25 Kilometer entfernten Cervignano, das Zugsangebot ist dort allerdings überschaubar. An den Wochenenden gibt es überhaupt keine Direktverbindung nach Udine, man muss in Monfalcone umsteigen.

Die Hafen- und Industriestadt am Golf von Triest ist allerdings auch direkt von Grado aus mit dem Fahrrad erreichbar: Der Küstenradweg FVG 2 führt erst durch das Neubaugebiet Grado-Pineta, dann ein Stück entlang der Regionalstraße und schließlich durch ein Vogelschutzgebiet und entlang der Küste bis zum Isonzo-Kanal. Dort endet bis jetzt der Fahrradweg, der Kanal und der Isonzo-Hauptstrom müssen auf der stark befahrenen Regionalstraße gequert werden. Anschließend führt die Route über Feldwege und Nebenstraßen nach Monfalcone.

Auch hier ist ein Lückschluss im Radwegenetz schon länger geplant, fehlende finanzielle Mittel haben das Projekt allerdings verzögert. Im Mai dieses Jahres wurde nun eine erste Tranche der geschätzten Gesamtkosten von rund zwei Millionen Euro freigegeben, die Region und die beteiligten Lokalverwaltungen hoffen, die Route Grado - Monfalcone noch vor dem nächsten Sommer eröffnen zu können.

Monfalcone selbst verfügt schon über breite und gut markierte Radwege, auf denen man bequem quer durchs Zentrum zum Bahnhof gelangt. Züge nach Udine fahren alle ein bis zwei Stunden, die Fahrzeit beträgt zwischen 40 Minuten und einer Stunde. Der Radtransport ist einfach: Die Region Friaul-Julisch-Venetien hat in diesem Sommer moderne Regionalzüge mit Niederflureinstiegen in Betrieb genommen, die bis zu 16 Fahrräder fassen. In Zukunft soll die Transportkapazität auf bis zu 30 Räder pro Zug ausgeweitet werden.

Auch für die Rückfahrt von Udine Richtung Österreich ist der Zug das ideale Transportmittel: Zweimal pro Tag und Richtung verbindet der Micotra, ein von Regionen Friaul-Julisch-Venetien und Kärnten mit Unterstützung der EU finanzierter grenzüberschreitender Regionalzug, Villach und Udine miteinander. Der Zug ist extra auf die Bedürfnisse der Radfahrer eingerichtet und führt einen speziellen Transportwaggon für Fahrräder mit.

Auf dem italienischen Streckenabschnitt Udine - Tarvis gibt es weitere Zugverbindungen mit Fahrradtransport: "Die Intermodalität Zug-Fahrrad, das heißt die Kombination aus einer gut bedienten Bahnstrecke und einem Fahrradweg von hoher touristischer Attraktivität, funktioniert. Schon nach kürzester Zeit sehen wir die positiven Effekte", erläutert Verkehrsreferentin Santoro. Alleine die Zahl der von Januar bis August 2015 in den Micotra-Zügen transportierten Fahrräder ist nach Angaben der zuständigen Bahngesellschaft Ferrovie Udine - Cividale (FUC) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als die Hälfte gestiegen. Ein Zuwachs, der in den grenzüberschreitenden Zügen auch deutlich zu spüren ist: Mitunter hat das Bahnpersonal große Mühe, alle Fahrräder zu verstauen und auch die Sitzplätze werden an Spitzentagen knapp.

Abhilfe schaffen könnten die von der Region Friaul-Julisch-Venetien bestellten zusätzlichen Niederflurzüge, die die technischen Vorrausetzungen für einen Einsatz nach Österreich erfüllen. Ein Ausbau des grenzüberschreitenden Regionalverkehrs scheitert zurzeit aber an der Finanzierung: Das Land Kärnten muss nach dem Skandal um die Hypo-Alpe-Adria-Bank einen harten Sparkurs fahren, auch der grüne Verkehrslandesrat kommt deshalb nicht umhin, für das kommende Jahr landesweit Einschnitte beim öffentlichen Nahverkehr zu verkünden.

Eine weitere Möglichkeit zur Rückreise vom Alpe-Adria-Radweg bietet der Eurocity Venedig-Wien, der am frühen Abend auch in Udine hält. Dort ist die Transportkapazität für Fahrräder allerdings stark eingeschränkt. Einige Plätze für Fahrräder bietet auch der Nachtzug Venedig - München. Zusätzlich bieten verschiedene Reiseveranstalter Transferleistungen für Radfahrer, ihre Fahrräder und das Gepäck an.

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