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Professor, Doktor, Graf Kann man eine bestimmte Anrede einklagen?

Manche Professoren und Doktoren legen viel Wert auf ihren Titel. Aber kann man eine korrekte Anrede eigentlich einfordern? Muss man einen Grafen immer mit „Herr Graf“ anreden? Wir haben Antworten.

10.11.2015 13:05
Eine akademische Anrede, zum Beispiel als „Herr Dr. Meier“, kann man nicht verlangen bzw. einklagen. Foto: dpa

Nennen wir die Dinge doch beim Namen: Wer nach jahrelanger Arbeit und „endlosen“ Prüfungen endlich seinen akademischen Grad in der Tasche hat, möchte generell auch entsprechend benannt werden. Daneben wollen auch viele Angehörige des alten Adels nicht auf ihren Titel, zum Beispiel „Graf“ oder „Freifrau von“, verzichten.

Doch kann man eine bestimmte Anrede tatsächlich vor Gerichten einklagen, seinen Namen einfach in „Doktor“ umändern bzw. jeden akademischen Grad oder Titel in Personalausweis und Co. eintragen lassen?

Akademische Grade

Grundsätzlich gilt, dass ein Name nach § 12 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) der Identifizierung einer Person dient und vom allgemeinen Persönlichkeitsrecht geschützt ist. Wird demnach ein Name beispielsweise unbefugt genutzt oder wird man nicht korrekt angesprochen, kann hiergegen rechtlich vorgegangen werden.

Aber: Akademische Grade sind kein Teil des bürgerlichen Namens – sie sind daher auch nicht nach § 12 BGB geschützt (Az.: IV ZB 282/62). Das bedeutet, der Inhaber eines akademischen Grads ist zwar berechtigt, diesen zu führen – er kann eine entsprechende Anrede, zum Beispiel als „Herr Dr. Meier“, jedoch nicht verlangen bzw. einklagen. Das gilt übrigens erst recht für den „Professor“, der in aller Regel kein akademischer Grad, sondern nur eine Dienstbezeichnung ist.

Es entspricht jedoch den Regeln der Höflichkeit, jemanden mit seinem akademischen Grad bzw. seiner Dienstbezeichnung anzureden – ist er der Inhaber mehrerer akademischer Titel, so zählt zumindest bei der mündlichen Anrede der höchste.

Übrigens: Im Geschäftsverkehr nach außen kann der Arbeitnehmer grundsätzlich verlangen, dass sein akademischer Grad gemäß dem Eintrag auf der Verleihungsurkunde verwendet wird, etwa in der Signatur, auf einer Visitenkarte oder auch im Arbeitszeugnis (BAG, Urteil v. 08.02.1984, Az.: 5 AZR 501/81).

Außerdem können akademische Grade in Personenstandsbüchern und Personenstandsurkunden – wie etwa in einer Heirats- oder Geburtsurkunde – eingetragen werden. Ferner dürfen Doktortitel nach Passgesetz sowie Gesetz über Personalausweise und den elektronischen Identitätsnachweis neben dem Vor- und Nachnamen des Akademikers in die Ausweispapiere aufgenommen werden.

Adelstitel

Nach Art. 109 III 2 der Weimarer Reichsverfassung in Verbindung mit dem Grundgesetz sind Adelsprädikate ein Teil des Familiennamens. Sie sind in der Regel vererblich und gemäß § 12 BGB geschützt. Ein Freiherr kann also verlangen, „Herr Freiherr von XY“ genannt zu werden, eine Freifrau wird entsprechend als „Frau Freifrau von XY“ bezeichnet. Als Teil des Namens ist der Adelstitel auch in sämtliche offizielle Dokumente aufzunehmen.

Willkürliche Namensnutzung ist nicht möglich

Zunächst einmal darf ein Name nach Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen nur bei Vorliegen eines wichtigen Grundes geändert werden. Das bedeutet, man kann seinen Namen nicht einfach aus einer Laune heraus in „Doktor“ oder „Baron“ ändern lassen. Als wichtiger Grund wurde etwa ein schwer aussprechbarer oder anstößiger Name angesehen.

Wer jedoch unbefugt zum Beispiel einen Adelstitel oder einen akademischen Grad nutzt, macht sich unter Umständen laut Strafgesetzbuch wegen Missbrauchs von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen strafbar: Er muss mit einer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe rechnen. Dagegen kann eine unbefugte Verwendung bzw. nicht korrekte Aussprache eines fremden Namens, wie oben bereits erläutert, zu einem Anspruch auf Unterlassung bzw. Beseitigung führen.

Gastautorin Sandra Voigt ist Assessorin und Redakteurin bei anwalt.de.

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