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Ratenkauf Null-Prozent-Finanzierung kann teuer werden

Es klingt nach einem günstigen Kredit: „Null Prozent Zinsen auf alle Produkte“ - mit solchen Offerten werben Händler wie Media Markt oder Karstadt inzwischen massenweise. Doch beim Kauf auf Pump sollten Verbraucher die Augen offen halten: Viele Kosten sind gut versteckt.

02.04.2013 17:15
Günstige Null-Prozent-Finanzierung? - Käufer sollten unbedingt den Preis mit anderen Marktangeboten vergleichen. Foto: dpa

Ob moderne Einbauküche, neuer Computer oder ein schickes Auto - teure Neuanschaffungen schlagen schnell ein tiefes Loch in die Haushaltskasse. Viele Einzelhändler bieten daher eine Ratenzahlung des Kaufpreises mit null Prozent Zinsen an.

Das funktioniert so: Die Kunden schließen einen Ratenvertrag ab - und zwar mit einer Bank, die der Händler ausgewählt hat. Es gibt eine feste Laufzeit für den Kredit. „In der Regel sind das sechs bis zwölf Monate“, berichtet die Verbraucherzentrale NRW. Üblich sei auch eine Mindestkaufsumme, ab der eine Finanzierung möglich ist.

Zinsen fallen für die Ratenzahlung zwar nicht an. „Das heißt aber nicht automatisch, dass keine Kosten entstehen“, sagt Max Herbst von der unabhängigen Finanzberatung FMH in Frankfurt. Null-Prozent-Angebote seien schlichtweg ein Marketinginstrument, um den Umsatz zu steigern, warnt auch die Verbraucherzentrale NRW: „Da auch die Bank bei zinsfreien Darlehen etwas verdienen will, wird sie Absprachen mit dem Händler treffen.“

Worauf Verbraucher unbedingt achten sollten:

Bearbeitungsgebühr kann anfallen: Den Kreditvertrag schließt der Kunde mit einer Bank ab. „Manche Geldinstitute verlangen aber eine Bearbeitungsgebühr von ihren Kunden“, erklärt Max Herbst. Liegt die Gebühr beispielsweise bei 2 Prozent der Kreditsumme, muss ein Verbraucher bei einem Darlehen von 5000 Euro allein 100 Euro an Gebühren bezahlen. „Das macht einen Null-Prozent-Kredit gleich teurer.“

Auch einmalige Kontoführungsgebühren werden zwar in der Null-Prozent-Werbung erwähnt, aber bei der Angabe des effektiven Jahreszins, der die tatsächlichen Kreditkosten beziffert, gerne unterschlagen.

Nebenkosten für Versicherungen: Viele Geldinstitute bieten Finanzierungen mit einer Restschuldversicherung an. Allerdings ist eine solche Police meist recht teuer. Bei einem Kredit von 5000 Euro müssen Verbraucher mitunter 150 Euro zusätzlich für die Versicherung zahlen. Kunden können daher darauf verzichten: „Sie sind nicht verpflichtet, eine solche Versicherung abzuschließen“, sagt Herbst.

Preise der Anbieter vergleichen: Manche Händler bieten zwar viele Null-Prozent-Finanzierungen an. Allerdings kalkulieren sie dies auch mit ein. So kann derselbe Fernseher bei einem anderen Händler deutlich billiger sein. „Sie sollten daher immer die Preise vergleichen“, sagt Herbst. „Es kann durchaus sein, dass Sie dadurch am Ende mehr sparen als durch eine günstige Finanzierung.“

Nicht zu viele Kredite gleichzeitig: Wenn mehrere Finanzierungen - etwa für Auto, Küche und Fernseher - bei verschiedenen Firmen laufen, können Verbraucher schnell die Übersicht verlieren. Die Verbraucherzentrale NRW rät vor allem davon ab, einen Dispo-Kredit zur Tilgung einzusetzen: Hier fallen nämlich sehr hohe Zinsen an.

Übrigens: Werden die Raten nicht bezahlt, kann die Bank auch beim Null-Prozent-Kredit den Vertrag kündigen und den Gesamtbetrag auf einen Schlag einfordern. „Zusätzlich drohen Mahn- und Verzugskosten sowie Negativeinträge bei der Schufa“, warnen die Verbraucherschützer. (gs/dpa)

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