Lade Inhalte...

Kreditwürdig oder nicht? Richter: Schufa muss Methoden nicht preisgeben

Sie wollte ein Auto auf Kredit kaufen - und scheiterte an der falschen Schufa-Auskunft. Also zog die Frau bis vor den Bundesgerichtshof und forderte mehr Transparenz. Doch laut aktuellem Urteil macht die Schufa in Sachen Datenschutz alles richtig.

28.01.2014 15:18
Die genauen Formeln zur Berechnung der Schufa-Scores sind bislang geheim. Foto: dpa

Die Schufa muss nach einem heutigen Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) Verbrauchern keine umfassende Auskunft zur Berechnung ihrer Kreditwürdigkeit geben. Zuvor hatte schon das Landgericht Gießen im März 2013 entschieden, dass die bisherige Auskunftspraxis der Schufa den Anforderungen des Bundesdatenschutzgesetzes genügt. Das Unternehmen gibt auf Anfrage Auskunft über die gespeicherten Daten, nicht aber über seine Rechenmethode.

Eine Frau aus Mittelhessen war bis in die oberste Instanz gezogen, um für mehr Transparenz bei der Schufa-Auskunft zu kämpfen. Im heute behandelten Fall ging es um das „Scoring“: So wird in der Branche das Verfahren genannt, aus persönlichen Daten vom Alter über die Anzahl der Umzüge bis zu geplatzten Krediten eine Bonitätsbewertung zu erstellen. Entfernt sich der Basis-Score zu weit von 100 Prozent, wird es schwierig mit dem Kredit.

Falsche Schufa-Auskunft wegen Verwechslung

Diese Erfahrung machte die Angestellte aus dem Landkreis Gießen, als sie sich im Oktober 2011 einen BMW Mini Cooper zulegen wollte - kreditfinanziert oder mit einem Leasing-Vertrag, wie sie das schon immer gemacht hatte. Aber diesmal kam das Geschäft nicht zustande - wegen einer Namensverwechslung gab es eine falsche Schufa-Auskunft.

Erst im zweiten Anlauf klappte der Leasing-Vertrag - allerdings wunderte sich die Käuferin über die schlechte Einstufung ihrer Bonität: Die Schufa stufte sie mit 92,9 Prozent gegenüber Banken und 81,1 Prozent gegenüber Telekommunikationsunternehmen ein.

Bei einer anderen Auskunftei habe seine Mandantin eine hervorragende Bonität erhalten, erklärt Rechtsanwalt Michael Diehl: „Wie kommen da die unterdurchschnittlichen bis schlechten Werte der Schufa zustande?“ Die Standardauskunft der Schufa stellte die Angestellte nicht zufrieden. Sie wollte wissen: „Welche Daten wurden zugrundegelegt, um zu diesem Ergebnis zu kommen?“ Genauere Auskunft darüber wird es laut aktuellem Urteil aber auch künftig nicht geben. Die genauen Formeln zur Berechnung der Schufa-Scores gehören nach wie vor zum Geschäftsgeheimnis des Unternehmens.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter im Bundeskriminalamt zeigte sich angesichts des Urteils fassungslos: „Die Privatinstitution Schufa sammelt über Jahrzehnte gewaltige Datenmengen zu jedem einzelnen Bürger, entscheidet völlig transparenzfrei über Einzelschicksale, und das halten alle für in Ordnung“, sagte der Vorsitzende Andy Neumann. „Aber die Sicherheitsbehörden müssen sich täglich dafür rechtfertigen, dass sie in konkreten Verdachtsfällen endlich wieder auf bestimmte Daten von Providern zugreifen wollen. Der Logik erschließt sich das jedenfalls nicht.“ (dpa/gs)

Oft sind die Daten, die Auskunftdateien über uns speichern, unvollständig oder sogar fehlerhaft, wie ein Test der Zeitschrift „Finanztest“ 2010 ergab. Eine eigene Überprüfung der Daten ist also ratsam - wie das geht, verrät die Textgalerie:

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum