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„Aktien rechnen sich langfristig“ Zehn Spar-Irrtümer, die man kennen sollte

„Eine Immobilie ist die beste Altersvorsorge.“ – „Mein Sparbuch ist auf jeden Fall sicher.“ – Bei solchen absoluten Aussagen sollten Anleger skeptisch sein. Ein Finanzprofi erklärt, welche Weisheiten rund ums Sparen falsch sind.

11.01.2017 15:18
In Zeiten niedriger Zinsen sollten Sparer flexibel bleiben. Wenn sie fürs Alter vorsorgen wollen, setzen sie am besten auf unterschiedliche Sparprodukte – so streuen sie das Risiko und können besser reagieren, wenn die Zinsen wieder steigen. Foto: dpa

Stefan Krämer verfügt über 17 Jahre Branchenerfahrung im Bereich Finanzen und Edelmetalle. Er nennt die zehn häufigsten Anleger-Irrtümer und erklärt, wie Sparer sie umgehen können:

1. Aktien rechnen sich langfristig immer

Vergleicht man die durchschnittliche Rendite der DAX-Aktien nach zehn Jahren, so kommt man auf sehr unterschiedliche Ergebnisse. 1980 gekaufte Aktien ergaben nach zehn Jahren im Schnitt ein Plus von 13 Prozent. In den zehn Jahren nach 1998 ergab sich jedoch ein Verlust von durchschnittlich 0,4 Prozent im Jahr.

„Die Aussage, man müsse nur lang genug abwarten, ist also schlichtweg falsch“, erklärt Stefan Krämer, der CEO der CelticGold AG ist. „An der Börse ist es wichtig, den richtigen Zeitpunkt für den Ein- und den Ausstieg zu finden.“ Gelingt das nicht, ist die Dauer der Anlage kein Garant für Gewinne. Gerade jetzt in der Nähe der Allzeithochs muss man sich gut aufstellen, um mit Aktien Gewinne zu erzielen.

2. Risiko zahlt sich für mich aus

In der Regel lohnt sich Risiko nicht unbedingt, denn „Gier ist kein guter Anlageberater“, so Krämer. Zwar steigt mit dem Risiko auch die Chance auf mehr Gewinn, aber auch der mögliche Verlust steigt. Die Mathematik lehrt uns: Ein Kurs, der beispielsweise um 50 Prozent sinkt, muss erst wieder um 100 Prozent steigen, damit Anleger ihren Ausgangswert erreichen. „Risiko ist eben einfach nicht plan- oder kalkulierbar.“

Wer es sich nicht leisten könne das angelegte Geld zu verlieren und keine Spielernatur sei, sollte darauf verzichten.

3. Immobilien werfen immer gute Renditen ab

Der Großteil der Deutschen hält eine vermietete Immobilie für eine sichere Form der Vermögensanlage, die gute Erträge abwirft. Das stimmt so pauschal jedoch nicht. Für den Erfolg einer Immobilienanlage gibt es viele Faktoren: Zinssätze, Eigenkapital Quote, Tilgung, Zinsbindung und Mietertrag. Denn der Wert eines Hauses oder einer Wohnung muss standortbezogen ermittelt werden. Die Rechnung geht nur dann auf, wenn die Immobilie in einem Markt steht, in dem die Nachfrage langfristig steigt.

Wollen Verbraucher die Immobilie zeitlebens selbst bewohnen, so müssen immer noch die Kosten für Instandhaltung berücksichtigt werden. Für alle Immobilienbesitzer gilt: Zinsen auf diesem tiefen Niveau möglichst lange festschreiben.

4. Gold kaufen bringt mir nichts

Es ist richtig, dass Gold keine Rendite bringt. Aber: „Besonders im Umfeld von sehr niedrigen Zinsen und einem günstigen Preis glänzt des gelbe Metall gerade. Und zur Bildung verfüg- und vererbbaren Eigentums ist Gold bestens geeignet“, sagt Krämer. Allen Auf- und Abschwüngen der Wirtschaft zum Trotz büße es langfristig nichts von seinem Wert ein. Der Preis schwanke zwar, die Kaufkraft bleibe im Mittel jedoch nahezu konstant.

5. Versicherungen und Bausparverträge eignen sich gut zum Sparen

Dieser Irrglaube entstand vermutlich, weil diese Produkte Bankkunden häufig angeboten werden. Die klassische Kapitallebensversicherung kann geradezu als Lieblingsfinanzprodukt der Deutschen bezeichnet werden. Aber: „Sparen und Versichern sollten lieber nicht kombiniert werden“, rät Krämer, „denn Versicherungen haben meist hohe Kosten und Vertriebsprovisionen, die oft in den ersten fünf Jahren gezahlt werden.“

Außerdem laufen die Verträge sehr lange und Studien zufolge kündigen über 70 Prozent der Verbraucher die Lebensversicherung vor Ablauf. Wer früher an sein Geld wolle, müsse mit Abschlägen und Steuerzahlungen rechnen. Auch bei Bausparverträgen sollte man genauer hinschauen, häufig lohnen sich diese tatsächlich nur bei einem konkreten Bauvorhaben oder der Planung eines Hauskaufs.

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6. Zu viel sparen geht doch gar nicht

Man könnte meinen, zu viel sparen sei gar nicht möglich, doch auch das ist ein Irrtum: Wenn Sparer zwar monatlich Geld zur Seite legen, dafür aber regelmäßig in den Dispo rutschen, dann lohnt sich das Sparen nicht. Denn die Dispozinsen sind in der Regel weitaus höher als die Guthabenzinsen von Sparverträgen. Alternativ könnte überschüssiges Geld eventuell besser auf ein Tagesgeldkonto gelegt oder zur Tilgung eines Kredites genutzt werden.

7. Bei der Hausbank erhalte ich maßgeschneiderte Angebote

Banken und Sparkassen bieten eine erstaunliche Fülle von Sparprodukten an. „Was Verbraucher oft nicht bedenken ist, dass sie sich beim Geldinstitut weniger in einem Beratungs- als viel mehr in einem Verkaufsgespräch befinden“, so Krämer.

Je nach verkauftem Sparprodukt gehen Provision und Gebühren an die Bank. Das bedeute nicht, dass Bankangebote grundsätzlich schlecht seien: Sparer sollten sich das lediglich klar machen, Angebote skeptisch betrachten und im Zweifel eine zweite Meinung einholen.

8. Unabhängige Finanzvermittler sind tatsächlich unabhängig

„Von echter Unabhängigkeit kann auch hier keine Rede sein“, so Stefan Krämer. Die Finanzberater haben zwar Spar- und Finanzprodukte verschiedener Anbieter im Portfolio, doch sie leben in der Regel von der Provision. Und auch hier findet häufig eher ein Verkaufs- als ein Beratungsgespräch statt.

Verbraucher, denen das bewusst ist, haben schon viel gewonnen. Sie sollten mehrere Angebote einholen und vergleichen. Man kann diese gegen eine Gebühr von der Verbraucherzentrale oder einem Honorarberater prüfen lassen – eine Investition, die sich mitunter lohnt.

9. Banksparpläne lohnen sich nicht für mich

Auch Banksparpläne stecken im allgemeinen Zinstief. Es gibt jedoch noch Angebote mit um die drei Prozent Zinsen. Dies kann eine sichere und lohnende Geldanlage sein, allerdings nur, wenn Verbraucher auch tatsächlich zehn Jahre durchhalten. Wer früher an sein Geld will, muss Abschläge in Kauf nehmen. Legen Sparer aber eine kleinere Summe, beispielsweise 100 Euro monatlich, zur Seite und bleiben dabei, werden sie immerhin mit geringen Kosten bzw. Gebühren belohnt.

10. Mein Sparbuch ist auf jeden Fall sicher

Zwar heißt es von Regierungsseite, die Spareinlagen der Deutschen seien sicher. Doch das ist nicht unbedingt so. Es gibt keinen Rechtsanspruch an den Staat, dass das Geld der Bürger bei einer Bankenpleite garantiert ist. Außerdem ist das Ersparte der Inflation ausgesetzt. (gs, mit dpa-Material)

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