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Büromaterial mitnehmen Schon ein einziger eingesteckter Kuli ist Diebstahl

Jeder vierte Mitarbeiter hat schon Sachen aus dem Büro eingesteckt. Schreibgeräte, Papier und Heftklammern sind besonders beliebt. Auch wird gern privat gedruckt und kopiert. Dabei sollte man sich aber nicht erwischen lassen.

30.06.2016 14:44
Ist ein Stift Eigentum des Arbeitgebers, bleibt er besser im Büro. Sonst droht eine fristlose Kündigung. Anders sieht es nur aus, wenn der Chef die Mitnahme nachweislich duldet. Foto: dpa

Die einen drucken seitenweise private Dokumente am Arbeitsplatz aus, die anderen stecken Kugelschreiber, Papier oder Büroklammern ein: Jeder vierte Arbeitnehmer hat schon Büromaterial mitgehen lassen, zeigt eine Studie. Was passiert, wenn man erwischt wird? Rechtsexperten haben Antworten.

Fest steht: Wer seine privaten Unterlagen im Büro druckt oder kopiert, muss mit Konsequenzen rechnen – denn auch Tinte und Papier zahlt der Arbeitgeber. „Wenn nichts anderes vereinbart wurde, ist jede private Nutzung betrieblicher Ressourcen verboten“, erklärt Rechtsanwältin Nathalie Oberthür von der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht des Deutschen Anwaltvereins.

Das Vertrauensverhältnis zum Arbeitgeber wird gestört

So entschied das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, dass die Kündigung einer Bürokraft rechtens war: Sie hatte am Arbeitsplatz insgesamt 138 mal privat ausgedruckt (Az.: 3 Sa 61/09). In ihrem Verhalten sah das Gericht eine nachhaltige Störung des Vertrauensverhältnisses – somit sei eine sofortige Kündigung gerechtfertigt.

Im schlimmsten Fall könne man schon mit einem einmaligen Fehlgriff seinen Arbeitsplatz verlieren, sagte Rechtsexpertin Oberthür dem Portal Anwaltauskunft.de. Denn der Mitarbeiter entwendet absichtlich das Eigentum des Arbeitgebers. Nicht in jedem Fall droht hier allerdings eine fristlose Kündigung. Hat der Chef bislang Privatkopien im gewissen Umfang toleriert, kann er nicht plötzlich fristlos kündigen.

Jeder Vierte hat schon Kulis, Umschläge oder Papier geklaut

Keine Briefumschläge oder Textmarker mehr zu Hause? Wie gut, dass es welche im Büro gibt. Das denken sich offenbar viele Angestellte: Immerhin jeder Vierte gibt in einer repräsentativen GfK-Umfrage zu, schon einmal etwas am Arbeitsplatz geklaut zu haben.

Ganz oben in der Liste stehen Schreibgeräte wie Kugelschreiber und Stifte: 51 Prozent der Bürodiebe haben schon mal ein Schreibgerät eingesteckt. Papier belegt mit 27 Prozent knapp Platz 2 vor Büro- und Heftklammern. Bei größeren und teureren Objekten wie Aktenordnern (6 Prozent) oder Tonern (1 Prozent) sind Langfinger am Arbeitsplatz deutlich zurückhaltender. Die Umfrage wurde im Auftrag des Büroartikel-Onlineshops Papersmart.de durchgeführt.

Für die meisten Arbeitnehmer ist das illegale „Mitgehen lassen“ von Büromaterial ein Kavaliersdelikt – laut Umfrage haben 47 Prozent der Geständigen kein schlechtes Gewissen. Die häufigste Entschuldigung lautet: „Das ich etwas mitgehen lasse, kommt so selten vor, dass es nicht darauf ankommt.“ Tatsächlich geben aber 9 Prozent der Befragten an, drei- bis zehnmal etwas mitgehen lassen zu haben.

Diese Gedankenlosigkeit ist erstaunlich, denn schon der Diebstahl eines Radiergummis kann ein Grund für die fristlose Kündigung sein. Selbst das Toilettenpapier in der Firma ist tabu – wer nur eine Rolle mit nach Hause nimmt, riskiert seinen Job. 

Auch wenn es kleinlich erscheint: „Der Wert des Gegenstands hat bei der Frage eines Diebstahls keinen Einfluss“, sagt Nadine Flöter-Kühne von der Kanzlei Dr. Schubert & Kollegen. „Auch das ‚Mitgehenlassen‘ von Kleinigkeiten kann zu einer Abmahnung oder sogar zur Kündigung führen.“ Denn man riskiert das Vertrauen des Arbeitgebers.

Zwar kann zusätzlich ins Gewicht fallen, wenn der Arbeitnehmer Aufgaben im Betrieb erfüllt, die ein besonderes Vertrauen des Arbeitgebers erfordert. Grundsätzlich gilt aber: Diebstahl ist Diebstahl, unabhängig von der Position kann er immer Grundlage für eine Kündigung ohne vorherige Abmahnung sein.

Wenn Mitarbeiter aus der Firma ausscheiden, müssen sie grundsätzlich alles da lassen, was nicht privat ist. Das gilt nicht nur für alle Daten, die das Unternehmen betreffen: Auch Schmierzettel beispielsweise, auf denen jemand Notizen zu dienstlichen Besprechungen gemacht hat, und angekaute Bleistiftstummel müssen im Büro bleiben. Der Terminkalender mit dienstlichen Verabredungen gehört ebenfalls nicht dem Mitarbeiter, selbst wenn darauf ein paar private Termine notiert sind. (gs/dpa)

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