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Work-Life-Balance Flexible Arbeitszeit für jede Lebensphase

Ob Elternzeit, (Familien-)Pflegezeit, (Alters-)Teilzeit oder Auszeit – Zeit ist die Währung moderner Arbeitnehmer. Work-Life-Balance heißt das neudeutsche Zauberwort. Die dafür notwendigen Arbeitszeitmodelle beruhen auf teilweise neu geschaffenen Gesetzen. Welche Rechte haben Mitarbeiter und Arbeitgeber und wie nutzen sie diese?

12.04.2012 16:42
Stechuhr: Zeit ist die Währung moderner Arbeitnehmer. Foto: dpa

Mehr Zeit für sich, für den Partner oder die Familie – das wünschen sich viele Arbeitnehmer. „Eine ausgeglichene Work-Life-Balance oder die Möglichkeit, ein so genanntes Sabbatical zu nehmen, sind Beschäftigten heute oft genauso wichtig wie ihr Gehalt“, meint Stefanie Kirschner, Redakteurin der Zeitschrift „Arbeit und Arbeitsrecht“. Attraktive Arbeitszeitmodelle seien nicht nur ein Anreiz für die Mitarbeiter, ihrem Unternehmen treu zu bleiben, sondern könnten auch bei der Suche nach neuen Fachkräften Vorteile bringen.

Der Gesetzgeber hat in puncto Arbeitszeit verschiedene flexible Ansätze vorgesehen. Neben (Alters-)Teilzeit und Elternzeit gibt es einige neue rechtliche Regelungen wie etwa das Pflegezeit- und das Familienpflegezeitgesetz. Bei der Familienpflegezeit können Mitarbeiter für bis zu 24 Monate ihre wöchentliche Arbeitszeit verringern, um Angehörige zu pflegen. Bei der Pflegezeit dürfen sich Beschäftigte für maximal zehn Arbeitstage freistellen lassen, um eine bedarfsgerechte Pflege zu organisieren. Wer einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen in häuslicher Umgebung pflegt, kann sich darüber hinaus in Betrieben mit mindestens 15 Mitarbeitern für bis zu sechs Monate vollständig oder teilweise von der Arbeit befreien lassen. Auch Zeitwertkonten dienen dazu, die Lebensarbeitszeit zu flexibilisieren: Auf einem Zeitwertkonto spart der Arbeitnehmer einen Teil seiner Vergütung an – mit dem Ziel, später eine Auszeit zu nehmen.


So flexibel müssen Arbeitgeber sein

Doch gesetzlich verpflichtet ist der Arbeitgeber zu diesem Angebot an flexibler Arbeitszeit nur bedingt. So haben Mitarbeiter etwa ein Recht auf Teilzeit, aber nur, wenn betriebliche Belange nicht dagegen sprechen. Die Pflegezeit muss der Arbeitgeber seinen Beschäftigten gewähren, die Familienpflegezeit steht und fällt jedoch mit der Zustimmung des Unternehmens. Auch ein Anspruch auf Altersteilzeit oder ein Zeitwertkonto besteht nicht.

Was bislang also den Paragraphen zufolge oftmals freiwillig war, wird für die Unternehmen aus anderen Gründen zwingender: „Mit lebensphasenorientierter Gestaltung der Arbeitszeit können Arbeitgeber Herausforderungen der Zukunft begegnen“, ist  Oliver Schmitz, Auditor der berufundfamilie Service GmbH überzeugt. So seien schon heute die Erwerbsbiographien nicht mehr so gleichförmig wie in der Vergangenheit. Um sich an die dynamische Arbeitswelt anzupassen, gehörten Brüche in der Karriere inzwischen dazu.

Deshalb könnten Arbeitgeber mit flexiblen Arbeitszeitmodellen Pluspunkte beim modernen Arbeitnehmer sammeln. „Der Beschäftigte wird es dem Unternehmen danken, wenn er sich entsprechend seiner Interessen und Fähigkeiten umorientieren kann“, so Schmitz. Angesichts des demografischen Wandels und der Erhöhung des Rentenalters sei dies besonders wichtig: In Zukunft könnten sich Unternehmen darauf einstellen, dass sie länger mit Beschäftigten zusammenarbeiten. Um die Arbeitsfähigkeit aufrechtzuerhalten, seien entsprechende Arbeitszeitmodelle das A und O.


Lebensphasen von Arbeitnehmern unterstützen

Inwiefern sich die Einstellung der Unternehmen in Bezug auf lebensphasenorientierte, flexible Arbeitszeitmodelle wandelt, zeigt zum Beispiel das Thema Elternzeit. Gemäß dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) haben alle Arbeitnehmer mit einem entsprechenden familienrechtlichen Verhältnis zum Kind unabhängig von der Art ihres Arbeitsverhältnisses Anspruch auf Elternzeit. Unternehmen können die Elternzeit nicht vertraglich ausschließen – auch nicht für Männer. Allerdings nutzen Väter ihr Recht kaum, wenn ihr Arbeitgeber sie nicht aktiv dabei unterstützt oder sie gar Nachteile für ihre Karriere fürchten müssen.

„Derzeit findet in unserer Gesellschaft ein Wertewandel statt: Die Erwartungen an Väter, sich aktiver an der ‚Familie‘ zu beteiligen, führt dazu, dass sie zunehmend vom Arbeitgeber eine bessere Work-Life-Balance einfordern“, hat Oliver Schmitz von berufundfamilie beobachtet. Das bestätigen auch die Unternehmen: „Immer mehr junge Männer fragen in Bewerbungsgesprächen nach Möglichkeiten, Beruf und Familie vereinbaren zu können“, erklärt Diana Baumhauer, Personalleiterin Holding der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Für Frauen seien entsprechende Instrumente jedoch nicht weniger wichtig. „Vielfältige Arbeitszeitmodelle für qualifizierte junge Frauen, die ihre Karriere nicht aufgeben müssen, wenn die Familienplanung beginnt, werden in naher Zukunft aus dem Repertoire moderner Unternehmensangebote nicht mehr wegzudenken sein“, prognostiziert die Personalerin.


Die Verlagsgruppe bietet in ihrer Holding und in vielen Tochterunternehmen bereits verschiedene Arbeitszeitmodelle von Teilzeit über Jobsharing bis hin zu Zeitwertkonten an. „Bei zunehmend längerer Lebensarbeitszeit ist es für die Mitarbeiter sehr motivierend, mithilfe von Zeitwertkonten eine mehrmonatige Auszeit oder ein früheres Ausscheiden selbst ansparen zu können“, so Baumhauer. Die Sabbaticals wählten die Mitarbeiter aus unterschiedlichsten Motiven: neben Kinderbetreuung und Pflege seien Hausbau, Reisen und „ein Buch schreiben“ die häufigsten Gründe.

Flexible Arbeitszeitmodelle rechnen sich

Das Image als attraktiver, familienfreundlicher und moderner Arbeitgeber ist dabei nur ein Grund für Unternehmen, lebensphasenorientierte Arbeitszeitmodelle anzubieten. Die größere Motivation der Fachkräfte und leichtere Personalsuche sollen sich am Ende vor allem rechnen: „Wir beginnen gerade damit, die ersparten Kosten für Neueinstellungen und gescheiterte Neubesetzungen zum Aufwand der Verwaltung der verschiedenen Arbeitszeitmodelle ins Verhältnis zu setzen“, erzählt Baumhauer. Und sie sei sich sicher, dass der „Return on Investment“ positiv ausfallen werde.

Auch Stefanie Kirschner von „Arbeit und Arbeitsrecht“ glaubt, dass Unternehmen unter dem Strich profitieren, gleichzeitig aber auch noch mehr herausholen könnten. Wenn Arbeitgeber sich weiter für Themen wie Führung in Teilzeit, Home-Office oder Jobsharing öffneten, ließe sich laut Kirschner die Arbeitszeit noch leichter mit Kindern und Familie vereinbaren. „Vielleicht wäre dann die Quotendiskussion über Frauen in Führungspositionen irgendwann obsolet.“

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