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Studie Geringqualifizierte und Arme bilden sich selten weiter

Alle reden von lebenslangem Lernen. Dafür ist Weiterbildung wichtig. Von ihnen könnten vor allem Geringqualifizierte und Einkommensarme profitieren. Aber gerade sie nehmen selten teil.

25.09.2018 17:02
Finanzierung der Weiterbildung
Laut Bertelsmann-Stiftung gehen die Ausgaben von Bund und Ländern für Weiterbildungsmaßnahmen seit Jahren deutlich zurück. Doch Ärmere könnten sich private Angebote nicht leisten. Foto: Markus Scholz

Die Menschen in Deutschland bilden sich einer Studie zufolge nur selten weiter. Nur etwa jeder Achte ab 25 Jahren hat dem „Weiterbildungsatlas 2018“ zufolge 2015 an einer allgemeinen oder beruflichen Weiterbildung teilgenommen.

Das waren 12,2 Prozent der Bevölkerung ab 25 Jahren aufwärts - und bedeutet eine leicht sinkende Tendenz im Vergleich zu 12,6 Prozent im Jahr 2012, wie die Bertelsmann-Stiftung mitteilte.

Quote bei Geringqualifizierten und Armen besonders niedrig

Auffällig: Der ohnehin schon niedrige Durchschnittswert werde von der Gruppe der Geringqualifizierten mit einer Quote von 5,6 Prozent noch klar unterschritten. Hier bestehe deutschlandweit Handlungsbedarf, betonte die Stiftung in Gütersloh zum Deutschen Weiterbildungstag (26.9.).

Auch die Gruppe der von Armut bedrohten Menschen - sie verfügen über weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltseinkommens - nehme mit einer Quote von 7,7 Prozent nur selten an einer Weiterbildung teil. In beiden Fällen beziehen sich die Zahlen auf eine Altersspanne zwischen 25 und 54 Jahren.

Ausgaben von Bund und Ländern sinken

Frank Frick, Experte der Bertelsmann-Stiftung, sagte, die Politik propagiere lebenslanges Lernen und appelliere immer wieder an die Bevölkerung, sich zu engagieren. „Aber zugleich gehen die Ausgaben von Bund und Ländern dafür seit Jahren deutlich zurück.“ Und zwar in einem zweistelligen Prozentbereich.

Dieser Rückzug gehe zu Lasten der Geringqualifizierten - die also ohne einen berufsbildenden Abschluss sind - und der einkommensschwachen Haushalte. „Die öffentliche Hand hat Weiterbildungsmaßnahmen immer weiter zurückgefahren, und die Menschen investieren selbst privat. Das können sich aber Ärmere oft nicht leisten.“

Stiftungsvorstand Jörg Dräger forderte eine bessere Beratung und eine finanzielle Förderung für ärmere und gering qualifizierte Menschen. Wichtigste Einrichtungen öffentlicher Weiterbildung sind die Volkshochschulen. Auch Betriebe, gewerkschaftliche oder konfessionelle Träger machen Angebote.

Regionale Unterschiede

Bei der Auswertung des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung - auf Datenbasis des aktuellsten Mikrozensus von 2015 - zeigten sich erhebliche regionale Unterschiede mit einer Spannbreite zwischen 7,8 Prozent Weiterbildungsquote für das Schlusslicht Saarland und 15,3 Prozent für den Spitzenreiter Baden-Württemberg. Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen liegen mit gut 13 Prozent im oberen Bereich, das bevölkerungsreichste Bundesland NRW mit 10,7 Prozent klar unter dem Bundesschnitt.

Positive Effekte von Weiterbildungen

Einer aktuellen Umfrage des Deutschen Industie- und Handelskammertags zufolge wirken sich berufliche Weiterbildungen - insbesondere im Bereich der höheren Berufsbildung - unter Umständen als Garanten für Beschäftigung und Karrieremöglichkeiten aus.

65 Prozent der Befragten sprachen von einem positiven Effekt von Weiterbildungen auf den Berufsalltag. In den meisten Fällen mache sich das in einer höheren Position, gestiegener Verantwortung und einem besseren Gehalt bemerkbar. Zugleich mangelt es in Deutschland an Facharbeitern - eine höhere Weiterbildungsquote dürfte auch deshalb im Interesse von Politik und Unternehmen sein.

Schon kleine Weiterbildungen erhöhen Job-Chancen

Menschen ohne Berufsausbildung haben es auf dem Arbeitsmarkt schwer. Durch Weiterbildungen steigern auch sie ihre Job-Chancen. Schon kleine Qualifizierungen seien hilfreich, so Frank Frick von der Bertelsmann-Stiftung.

Ein Gabelstapler-Führerschein kann etwa für die Arbeit in Lagern sinnvoll sein. Doch Einzelscheine haben auch einen Nachteil: Sie helfen mit Blick auf einen Bildungsabschluss kaum weiter, weil sie sich nicht unbedingt zusammenfügen lassen.

Anders ist das bei sogenannten Teilqualifizierungen mit Anschlussoption, wie Frick erklärt. Ein Beispiel: Der Abschluss zum Kfz-Mechatroniker fußt auf sieben Teilqualifizierungen. Wer so einen Baustein absolviert, kann diesen anrechnen lassen. Das kann etwa den Übergang in eine betriebliche Ausbildung erleichtern.

Beratungsangebote

Frick rät zunächst zu einer Weiterbildungsberatung. Was sind sinnvolle Qualifizierungen? Welche Anschlussmöglichkeiten gibt es? Jobcenter und Arbeitsagenturen bieten Beratungen. Sie fördern zudem im Rahmen des Programms WeGebAU auch Geringqualifizierte. Hilfe gibt es auch bei kommunalen Bildungsbüros und durch bundeslandspezifische Förderprogramme. Das Bundesbildungsministerium bietet eine kostenlose Telefon-Hotline zur Weiterbildungsberatung. Sie ist wochentags von 9.00 bis 17.00 Uhr unter 0800/201 79 09 erreichbar.

„Weiterbildung ist die beste Beschäftigungsversicherung“, betont Frick. Das gilt auch unabhängig von Einkommen, Qualifizierung und Position: Etwa durch die Digitalisierung sind viele Berufe im Wandel. Deshalb ist wichtig, stets auf dem neuesten Stand zu sein, so Frick.

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