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Labertasche, krumme Deals Richtig umgehen mit schwierigen Vorgesetzten

Wenn der Chef alles zerredet, cholerisch ist oder ständig Überstunden fordert, haben es Mitarbeiter schwer. Aber nicht jedem ist es möglich, den Job zu wechseln. Betroffene Arbeitnehmer sollten das Gespräch suchen – und diese Tipps anwenden.

18.06.2015 13:06
Bettina Levecke
Während eines Wutanfalls des Vorgesetzten gehen Arbeitnehmer besser in Deckung. Ihren Chef sollten sie lieber erst danach auf sein unangemessenes Verhalten ansprechen. Foto: dpa-tmn

Ihr Boss flippt in Meetings aus oder kommt nicht auf den Punkt: So etwas kann den Arbeitsalltag mit Vorgesetzten zur Hölle machen. Experten erklären, wie man Veränderungen erreicht, ohne den Arbeitsplatz zu gefährden.

Chef zerredet alles

Laberrhabarberfaselsülz – Besprechungen werden zur echten Geduldsprobe, wenn sie sich endlos ziehen, weil der Chef nicht zum Ende kommt. Am besten ist es in so einer Situation, den Vorgesetzten gemeinsam mit Kollegen auf das Zeitproblem anzusprechen, sagt Karrierecoach Ute Bölke aus Wiesbaden. Dabei gilt die Regel: Erst mal loben! Mitarbeiter können sich etwa beim Chef bedanken, dass er in Meetings immer viel Input gibt.

Im zweiten Schritt weisen sie dann darauf hin, dass die Zeit knapp ist und nicht jeder zu Wort kommt. Das kombinieren Mitarbeiter mit dem Angebot, eine Agenda einzuführen, damit Meetings klarer strukturiert werden. Weiter ernennen sie einen Zeitrichter, der überwacht, dass es feste Redezeiten gibt. Sie gelten dann auch für den Arbeitgeber.

Chef flippt aus

Ein cholerischer Arbeitgeber ist für Angestellte die Pest – besonders, wenn sich die Wut gegen einzelne Personen und ihre Handlungen richtet. Mitarbeiter sollten versuchen, das Verhalten nicht persönlich zu nehmen. „Machen Sie sich klar: Der ist so, und das hat nichts mit mir zu tun“, sagt Michael Rossié, Kommunikationstrainer aus Gräfelfing bei München.

Gelingt das Prinzip „links rein, rechts raus“ nicht, etwa weil der Wutausbruch sehr heftig ist, suchen Arbeitnehmer am besten das Gespräch. Rossié empfiehlt, die Widerworte in ein Hilfsangebot zu verpacken: „Lieber Chef, Sie haben sich gestern furchtbar aufgeregt, das hat mich sehr erschreckt. Kann ich etwas tun, damit so etwas nicht wieder passiert?“

Bei verbalen Totalausfällen ist es wichtig, Grenzen zu ziehen. „Sagen Sie freundlich, dass es bis hierhin okay war, Sie das Gespräch aber nun beenden und morgen weiterreden möchten.“

Chef fordert ständig Überstunden

Noch eine wichtige Akte kurz vor Feierabend, Anrufe am Wochenende oder spät abends: Manche Arbeitgeber verlangen ständige Bereitschaft. „Es hilft nichts. Hier muss man Grenzen setzen – und zwar je früher, desto besser“, erklärt Svenja Hofert, Karriereberaterin aus Hamburg. Sonst wird das Verhalten schnell zur Gewohnheit.

Viele Arbeitgeber testen gezielt aus, wie weit sie gehen können. Wer sich dann freundlich, aber konsequent positioniert und sein Recht auf Freizeit einfordert, kann nicht selten sogar an Ansehen gewinnen: „Oft steigt der Respekt, wenn man Grenzen setzt.“

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Chef macht krumme Deals

Er unterschreibt falsche Abrechnungen oder beschäftigt Schwarzarbeiter: Mauschelt der Chef, kommen Mitarbeiter in eine rechtliche und moralische Grauzone. Kann und will ich das mittragen? „In meinen Augen darf hier niemand solidarisch sein“, findet Rossié. Neben drohenden rechtlichen Konsequenzen schaden Mitarbeiter sich psychisch: „Man kann nicht mehr gut schlafen, verliert die Freude an der Arbeit und das Vertrauen zu den Kollegen.“

Rossié empfiehlt, so früh wie möglich das Gespräch mit dem Vorgesetzten zu suchen – und zwar ohne Anschuldigungen. „Mag sein, dass ich da was missverstanden habe, aber kann es sein, dass...?“ oder „Entschuldigen Sie, mir ist in der Abrechnung ein Fehler aufgefallen“ sind mögliche Ansätze. Stellt der Arbeitgeber auf stur oder blockt ab, ziehen Arbeitnehmer diskret eine dritte Instanz hinzu, um auf Missstände aufmerksam zu machen.

Chef bevorzugt Kollegen

Die Lieblingskollegin darf immer nettere Jobs machen oder sogar früher nach Hause? Wer sich benachteiligt sieht, sollte das Gefühl erst einmal hinterfragen, rät Bölke. Manche Bevorzugungen haben einen guten Grund. „Vielleicht hat die Kollegin ein krankes Kind oder muss häufig zum Arzt.“ Oft sorgen Missverständnisse dafür, dass Neid unter Kollegen entsteht.

Ist eine Bevorzugung ungerechtfertigt, haken Mitarbeiter am besten beim Chef nach – etwa so: „Ich interessiere mich auch für die Tätigkeiten, die Kollegin XY macht. Was kann ich tun, um ebenso in diesem Bereich eingesetzt zu werden?“

Chef erklärt nichts

„Machen Sie mal“ – solche Anweisungen sind für Angestellte nicht immer hilfreich. „Es gibt Chefs, die stoßen einen ins kalte Wasser und erwarten, dass man sich dort zurechtfindet“, erläutert Hofert. Für manche Kollegen ist das kein Problem. Allen anderen rät Hofert, immer wieder nachzufragen und den Chef um Erläuterungen zu bitten. „Fragen Sie zum Beispiel, welche konkrete Erwartung der Chef an das Projekt hat. Oder bitten Sie um eine genaue Anleitung für das weitere Vorgehen.“ (dpa)

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