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In der Fachschaft das Uni-Leben mitgestalten

Kaum jemand engagiert sich an den Hochschulen in den Fachschaftsräten. Ziemlich unverständlich: Sie vertreten die Studenten ...

05.09.2011 09:07
Willkommen ihr Erstsemester! Zu Beginn eines neuen Semesters kümmern sich die Fachschaften um die Hochschul-Neulinge. (Bild: Kasper/dpa/tmn)

Berlin. Kaum jemand engagiert sich an den Hochschulen in den Fachschaftsräten. Ziemlich unverständlich: Sie vertreten die Studenten eines Fachs. Und die, die es machen, gestalten nicht nur das Leben an der Universität mit. Sie profitieren auch persönlich.

Auf den ersten Blick ist Zura Karaulashvili ein Student wie andere auch. Er ist 25 Jahre alt und studiert im vierten Semester Rechtswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Was ihn so besonders macht, ist die Wahl im vergangenen Februar. Damals wurde er zusammen mit sieben weiteren Kommilitonen in den Fachschaftsrat gewählt. Seitdem sitzt er jeden Freitag im Büro der Fachschaft, gibt alte Klausuren aus und beantwortet Fragen rund ums Studium. «Ich mach' alles was anfällt. Von der Erstsemesterfahrt bis zu Visafragen mit den ausländischen Studenten.»

Laut Statistik ist Karaulashvili in der deutschen Studentenschaft die absolute Ausnahme. Denn von allen Hochschülern in Deutschland hatten im Jahr 2010 nur rund drei Prozent in den Fachschaften ein Amt inne. Das geht aus dem Studierendensurvey der AG Hochschulforschung der Universität Konstanz hervor. Immerhin fast ein Drittel (31 Prozent) der Studenten an den Universitäten sagte sogar, die Arbeit der Fachschaft interessiere sie nicht. Noch deutlicher fiel das Ergebnis bei der Befragung an den Fachhochschulen aus. Dort sagten 40 Prozent, die Arbeit der Fachschaften sei ihnen egal.

Studenten können vor allem über die Fachschaften Druck auf die Professorenschaft ausüben und das Leben an der Universität mitgestalten. Als Fachschaft bezeichnete man ursprünglich alle Studenten eines Fachs. Heute wird der Begriff meist auch für den Fachschaftsrat verwendet, also für das Gremium, dass die Studenten nach außen vertritt. Der Fachschaftsrat wird meistens einmal im Jahr von den Studenten des Fachs gewählt. Er ist Ansprechpartner Nummer eins für alle studentischen Belange. Was er daraus macht, hängt von der jeweiligen Fachschaft ab.

Zura Karaulashvilis Fachschaft organisiert zum Beispiel jedes Jahr im Oktober ein Wochenende zum Kennenlernen für die Erstsemester. Sie stellen pro Jahr zwei Jura-Partys auf die Beine und ein Fußballturnier. Und sie unterstützen die ausländischen Studenten bei ihrem Studium, indem sie eine spezielle Sprechstunde für sie anbieten. Karaulashvilis sagt: «Ich mag das einfach, anderen zu helfen.» Und ganz nebenbei hat er eine Menge neuer Leute kennengelernt.

Prof. Ulf Müller von der Fachhochschule Schmalkalden hat das selbst auch so erlebt. Als Jura-Student war er lange Jahre in der Fachschaft in Münster aktiv. Später hat er seine Promotion zum Thema: «Die rechtliche Stellung der Fachschaften» verfasst. Er sagt: «Durch die Fachschaften findet man schnell eine nette Truppe. Außerdem kommt man aus der Anonymität der Massen-Uni heraus.»

Das wohl schlagendste Argument für ein Engagement in der Fachschaft ist für ihn jedoch, dass es eine Möglichkeit ist, das Leben an der Universität mitzugestalten. «Wenn man nicht möchte, dass alles über den eigenen Kopf hinweg entschieden wird, muss man sich in der Fachschaft engagieren.»

Maria-Christina Scherzberg ist noch einen Schritt weiter gegangen als Karaulashvili und Müller. Seit Mai vergangenen Jahres sitzt die 23 Jahre alte Pharmaziestudentin im Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland. Das ist die Fachschaft der Pharmaziestudenten auf Bundesebene. Scherzberg sieht auch, dass ihr Engagement ihr persönlich viel gebracht hat. «Ich habe nicht nur unglaublich viele nette Leute kennengelernt, sondern auch die eigenen Grenzen ausgetestet. Etwa wie belastbar ich neben dem Studium bin.» (dpa/tmn)

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