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Extra Wo passe ich hin? Vor allem, wenn ich über 45 bin?

Was Leserinnen und Leser bei einer Beratungs-Hotline der FR bewegteWieder einmal war die telefonische Bewerberhotline der Frankfurter Rundschau ein voller Erfolg. Viele Leser nutzten die Möglichkeit unseres Telefon-Services und informierten sich umfassend über die Bereiche Bewerbung und Karriere. Im Folgenden berichtet unser Personalberater Jochen Maigatter, der die Hotline gemeinsam mit seiner Kollegin Sigrid Klein bestritten hat, über die wichtigsten Themen, die die Anrufer bewegten.

10.10.2003 00:10

In der Regel schnitt jeder unserer Gesprächspartner gleich mehrere Themen an, wobei die Schwerpunkte in den Bereichen Bewerbungen und Bewerbungsstrategien lag. Auch das Thema Jobs für Ältere war aktuell. Viele Anrufer informierten sich über die Inhalte von Bewerbungsmappen sowie über Strategiethemen, im Sinne von "Wo passe ich hin? Wo und wie bewerbe ich mich am besten?".

"Selbstverwirklichung? Ein Job, der Spaß macht? Ha, ich wäre froh, wenn ich überhaupt einen bekomme!" Diese Argumente hörten wir oft, wenn wir mit den Anrufern über die Möglichkeiten sprachen, eine Arbeit zu finden, die ihnen wirklich liegt und Spaß machen könnte. Viele unzufriedene Berufstätige aber auch Arbeit Suchende klammern sich verzweifelt an die Gründe, warum es nicht anders geht. Anstatt sich nach neuen Möglichkeiten und Chancen im Beruf umzuschauen, sich weiterzubilden und dazuzulernen, erzählen sie sich und anderen lieber, warum es besser ist in dem alten Job zu bleiben bzw. die Bewerbungsstrategien nicht zu ändern, obwohl jeder Tag eine Qual ist.

Zum Thema "Traumjob" lauteten die Killerargumente - und sie zu hören war teilweise schon tragisch:

- Bei der Arbeitsplatzlage bin ich froh, überhaupt einen Job zu haben.

- Ich bin schon froh, wenn ich überhaupt einen Job finde.

- Selbstverwirklichung ist was für Träumer - im Job geht's ums Geldverdienen.

- Es gibt keine Arbeit, die Spaß macht.

- Ich finde keinen anderen Job.

- Ich bin zu alt, zu jung, zu unflexibel.

- Ich habe nicht die richtige Ausbildung.

- Ich bin nicht intelligent genug.

Ist es denn überhaupt möglich, eine Arbeit zu finden, in der der Mensch aufgeht, die Spaß macht, eine Arbeit, bei der morgens gerne aufgestanden wird und diese Tätigkeit an den meisten Tagen gegen nichts anderes eingetauscht werden möchte?

Die Antwort lautet ganz klar: Ja! Ja, es ist möglich, einen Arbeitsplatz zu finden oder sich einen vorhandenen so zu schaffen, dass eine Zufriedenheit entsteht und die Arbeit gerne verrichtet wird. Was zwischen dem Arbeit Suchenden und seinem Traumjob steht, befindet sich vor allem in seinem eigenen Kopf.

Er traut es sich schlicht und einfach nicht zu, einen Job zu bekommen, in dem er sich wohlfühlt. Hier begrenzt ihn weniger die Wirklichkeit als das mangelnde Selbstvertrauen in seine Fähigkeiten.

Das Thema Veränderungen ab 45 war ein der zweite große Themenschwerpunkt. Allein die Überlegung, in dem Alter noch einmal den Arbeitgeber zu wechseln, ist bei dem allseits gepflegten Jugendkult, bei dem sich schon die 30-Jährigen alt fühlen, purer Luxus - birgt doch allein der Gedanke daran das Risiko, feststellen zu müssen, dass man auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr gefragt ist. Ein Jobwechsel mit 45 geschieht heute jedoch meist nicht freiwillig, sondern ist das Ergebnis von Personalabbau.

Viele Stellenanzeigen können schon dazu führen, dass der potenzielle Kandidat über 45 die Zeitung frustriert zur Seite legt. Obwohl in den Annoncen immer seltener Altersangaben gemacht werden, werden sie oft so verstanden: "Mitarbeiter über 45 sind nicht gemeint!" Der Arbeitgeber bevorzugt "frisches Blut", "Young Professionals" mit exzellenter Ausbildung - und selbstverständlich der Erfahrung von 45-Jährigen.

Freunde gießen dann noch Öl ins Feuer: "Du willst doch nicht etwa deinen sicheren Job aufgeben! Wer nimmt dich denn mit 45? In der nächsten Firma fängst du wieder von vorne an!" Veränderungen ab 45? Ein heikles Thema. Die Jahre ab 45 bringen einfach viele Menschen dazu, inne zu halten und Bilanz zu ziehen. Es ist die Zeit im Leben, wo einem die Welt nicht mehr zu Füßen liegt, sondern sich die Optionen verengen. Plötzlich wird die verbleibende Berufszeit als Restzeit verstanden und es wird deutlich, dass der Job vielleicht noch 15, 20 Jahre im Mittelpunkt steht.

Es ist die Stunde der Wahrheit gekommen. Dazu gehören die Eingeständnisse, dass es ein paar Dinge geben wird, die nicht mehr beherrscht werden können oder in denen andere nicht mehr übertroffen werden können. Auf der anderen Seite fühlen sich viele Menschen mit 45 "mitten im Leben": kompetenter, gelassener und selbstbewusster denn je. Das Leben ist einfacher geworden, weil die Lebenserfahrung lehrt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Jetzt gilt es zu erkennen, welcher Schritt in die richtige Veränderung führt: Es muss eine Entscheidung getroffen werden um beispielsweise in die Selbstständigkeit zu gehen, Führungsaufgaben zu übernehmen oder den Radius des Berufsfeldes zu erweitern. Interessanterweise finden Menschen in dieser Zeit oft eine Verbindung zu früheren Interessen oder Visionen wieder, die bislang - berufsbedingt - eher "verschütt" gegangen waren.

Abschließend lässt sich feststellen, dass es einen großen Informationsbedarf in allen Fragen gibt, die mit dem Arbeitsmarkt zu tun haben, und dass die Leser der Frankfurter Rundschau sich über die angebotene Hilfestellung sehr freuten und in großer Zahl auch angenommen haben.

Als Anregung nehmen wir einige aktuelle Themenvorschläge aus den vielen Telefongesprächen für die Rubrik Bewerbungstipps auf, die Sie hier ebenfalls lesen können

Weitere Informationen zum Thema auch im Internet unter: www.bewerbe.de

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