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Streng geregelt Was bei Kennzeichen alles verboten ist

Nummernschilder sind Pflicht für alle motorisierten Fahrzeuge, die am Verkehr teilnehmen. Form, Farbe, Position und selbst die Buchstaben-Kombinationen sind dabei streng geregelt. Lesen Sie hier, was bei Kennzeichen alles verboten ist.

01.12.2015 15:41
René Kohlenberg
Bei Kennzeichen sind Buchstaben-Kombination, Position, Form und Farbe genau geregelt. Und es gibt mehr Verbote, als die meisten Autofahrer denken. Foto: dpa

Eine Autofahrerin aus Wermelskirchen in NRW hat im November dieses Jahres das Kennzeichen ihres Autos mit Laub beklebt. Damit wollte sie vertuschen, dass ihr Auto nicht mehr fahren durfte. Denn bereits eine Woche zuvor hatte die Polizei die Siegel am Nummernschild entfernt, weil das Auto nicht versichert war.

Die Hobby-Bastlerin bekam eine Anzeige wegen Kennzeichenmissbrauchs und muss mit einer Geldstrafe und einem Fahrverbot rechnen.

Gerichtsverfahren um Klebe-Kennzeichen

Höhere Wellen schlug ein Gerichtsfall aus Coburg: Dort sollte der fränkische Unternehmer Michael Stoschek eine saftige Geldstrafe von 1,65 Millionen Euro zahlen, weil er mit einem Klebekennzeichen an einem Porsche unterwegs war. Die Staatsanwaltschaft Coburg warf ihm daher Kennzeichenmissbrauch und Urkundenfälschung vor. Den Strafbefehl akzeptierte der Mitinhaber des Autozulieferers Brose aber nicht. Das Verfahren wurde schließlich jedoch gegen die Zahlung von 150.000 Euro eingestellt.

Vor Gericht räumt er unumwunden ein, für einen Porsche ein Klebekennzeichen organisiert zu haben. Aus ästhetischen Gründen - weil das amtliche Nummernschild zu groß gewesen sei. Zudem hätte es den Kühler teilweise verdeckt, dies hätte thermische Probleme verursachen können. Dass er damit gegen Gesetze verstoßen haben soll, sei ihm nie bewusst gewesen: „Wir waren sechs Jahre ohne Beanstandung in Coburg und anderen Städten unterwegs.“

Wie Nummernschilder aussehen müssen

Sowohl die bastelnde Dame als auch der klebende Porsche-Fahrer hätten sich besser mal mit Paragraf 10 der Fahrzeugzulassungsverordnung (FZV) beschäftigt. In dieser steht unter anderem, dass Unterscheidungszeichen und Erkennungsnummern (Buchstaben und Zahlen) mit schwarzer Beschriftung auf weißem schwarz gerandeten Grund auf ein Kennzeichenschild aufzubringen sind.

„Diese Schilder dürfen in der Regel nicht spiegeln, verdreckt, verschmutzt oder mit Glas, Folien oder ähnlichen Abdeckungen versehen sein. Form, Größe und Ausgestaltung sind klar definiert. Die Schilder müssen reflektierend sein und an Vorder- und Rückseite des Fahrzeugs angebracht sein“, erklärt Hannes Krämer, Rechtsexperte des Auto Club Europa (ACE).

Wie teuer ist ein dreckiges Kennzeichen?

Autofahrer sollten darauf achten, dass ihr Kennzeichen nicht zu sehr verdreckt. Denn: „Bei schlechter Lesbarkeit, Verschmutzung oder Verdeckung droht ein Bußgeld in Höhe von fünf Euro. Wenn es gänzlich fehlt werden allerdings 60 Euro fällig. Bei Manipulationen (Glas, Folie - oder eben Laub) sind es 65 Euro“, erklärt Krämer.

Im Winter wichtig: Nicht nur Blinker, Rücklichter und Scheinwerfer sondern auch das Kennzeichen muss vor Fahrtantritt von Schnee und Eis befreit werden.

Dürfen Nummernschilder nachlackiert werden?

Doch was ist, wenn das Kennzeichen aufgrund von Sonne und Wettereinflüssen verblasst? Darf man sein Kennzeichen selbst nachlackieren? „Davon ist unbedingt abzuraten, da es unter Umständen den Straftatbestand des Kennzeichenmissbrauchs oder der Urkundenfälschung erfüllen könnte“, so der Rechtsexperte.

Hinzu käme, dass spezielle Farben eingesetzt würden, die wohl kaum ein normaler Autofahrer in seiner Garage haben dürfte. „Bei Verwendung anderer Farbe kann es sein, dass die oben genannten Eigenschaften (reflektierend etc.) abhanden gehen.“

Wann ist ein Papp-Schild als Ersatz erlaubt?

Doch was ist, wenn das Kennzeichen verbogen oder derart zerstört ist, dass man es nicht mehr lesen kann? Darf ich dann ein Nummernschild aus Pappe oder anderen Materialien montieren? „Dies ist nur in Ausnahmesituationen möglich, etwa nach einem Unfall oder wenn die Kennzeichen entwendet worden sind. Hier ist schnellstmöglich für Ersatz zu sorgen“, rät der Rechtsexperte.

Krämer warnt zudem vor einem Fehler, den einige Autofahrer immer wieder machen: „Insbesondere darf an einem Fahrradträger am Heck kein Pappschild angebracht werden. Hier muss ein Kennzeichen mit den typischen Eigenschaften angebracht sein, auch wenn es keine Abstempelung benötigt.“

Während Form und Material des Kennzeichens keine Gestaltungsfreiheit bieten, gibt es bei der Beschriftung etwas mehr Spielraum. Bei den Zulassungsstellen kann man sich sein eigenes Wunsch-Kennzeichen geben lassen. Besonders beliebt sind Initialen, Geburtsdaten und Geburtsjahre.

Doch auch hier gibt es Grenzen: Die gewünschte Kombination aus Buchstaben und Ziffern darf unter anderem noch nicht vergeben sein – und es darf sich nicht um ein verbotenes Kennzeichen handeln.

Was in Köln und Mainz verboten ist

Folgende Buchstaben-Kombinationen sind in Deutschland verboten, da sie Abkürzungen für Begriffe darstellen, die an das Nazi-Regime erinnern: SA, SS, HJ, und KZ. Die gesetzliche Grundlage für das Verbot ist der Paragraf 8 Absatz 1 der FZV. Dort heißt es: „Die Zeichenkombination der Erkennungsnummer sowie die Kombination aus Unterscheidungszeichen und Erkennungsnummer dürfen nicht gegen die guten Sitten verstoßen.“

Welche Kombinationen sonst noch gegen die „guten Sitten“ verstoßen, entscheiden die Länder oder auch einzelne Behörden selbst. In Köln beispielsweise wird der alleinige Buchstabe „Z“ nicht ausgegeben – in Kombination mit dem Kölner Kennzeichen ergibt dies das verbotene Kürzel „KZ“.

Potsdam und Mainz verbieten zusätzlich „NS“ (Nationalsozialismus); Nürnberg, das die Ortsmarke „N“ trägt, lässt auch „PD“ (in Kombination dann NPD, kurz für Nationaldemokratische Partei Deutschlands) und „SU“ (in Kombination dann NSU, kurz für Nationalsozialistischer Untergrund) nicht zu.

Diese Zahlen sind verboten

Im Kreis Steinburg darf kein Nummernschild die Buchstabenkombination „AN“ tragen, denn das Ortskürzel des Kreises lautet „IZ“. Ein Kennzeichen mit „IZAN“ bildet demnach das Wort Nazi rückwärts. „HEI“ steht auf den Nummernschildern des Kreises Dithmarschen, weshalb eine Kombination mit dem Buchstaben „L“ dort nicht zulässig ist.

Wer seine Initialen „AH“ oder „HH“ zusammen mit seinem Geburtsjahr 1988 auf sein Auto schrauben möchte, könnte bei der Zulassung ebenfalls Probleme bekommen. Die Zahl 88 beispielsweise steht in rechtsextremen Kreisen laut Verfassungsschutz für den achten Buchstaben des Alphabets, ergibt also „HH“ und sei somit eine Abkürzung für „Heil Hitler“. Die Kombination „HH 88“ beispielsweise ist deshalb Spiegel Online zufolge in Brandenburg, Bayern und Rheinland-Pfalz unzulässig.

Als Reaktion auf Nazi-Zahlencodes werden seit September 2009 von Zulassungsstellen in Brandenburg keine Kennzeichen mehr vergeben, die auf 88, 888, 1888 und 8818 enden, heißt es im Faltblatt „Falsche Kennung“. (mit Material der dpa/mar/rk)

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