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Probe fahren Tipps für den Kauf eines Gebrauchtwagens

Wer beim Gebrauchtwagenkauf keine böse Überraschung erleben möchte, sollte bei Besichtigung und Probefahrt einige Dinge beachten. Lesen Sie hier, warum es ratsam ist, sich das Wunschauto zunächst nur als Beifahrer anzusehen.

20.05.2014 14:50
Regel Nummer eins: Niemals alleine ein Auto kaufen! Ein Bekannter oder ein Fachmann sollten stets dabei sein. Foto: dpa

Im Internet sind die meisten inserierten Fahrzeuge zu finden. So kann sich der Käufer auch einen Überblick über die Preise verschaffen. Inserate in regionalen Zeitungen oder lokalen Anzeigeblättern sind für Fahrzeuge im unteren Preissegment meist besser. Ein Geheimtipp sind oft Kleinanzeigen in regionalen Internetbörsen.

Der Autohändler vor Ort hat ein großes Interesse daran, Neukunden in seinem Einzugsbereich zu gewinnen. Mit einem guten Wagen kann er Kunden langfristig binden und zudem Werkstattaufträge generieren. Eine gute Adresse also für den Gebrauchtkauf. „500 Kilometer weit für ein günstiges Angebot zu fahren, lohnt sich aber meistens nur für Autos der oberen Klassen, meint TÜV Süd.

Grundsätzlich gilt: Autos sollten niemals allein angeschaut werden. Als erstes muss die Fahrgestellnummer mit den Fahrzeugpapieren verglichen werden. Das zeugt von Sachverstand und erzeugt Respekt. Ehrliche Verkäufer sorgen für klare Verhältnisse.

Alle im Inserat genannten Angaben sollten hinterfragt werden. Beispielsweise die Aussage „alle KD“, was so viel bedeutet wie: Alle Kundendienste sind regelmäßig durchgeführt worden. Hier hilft nur das lückenlos und nachvollziehbar ausgefüllte Serviceheft. Rechnungen der Servicearbeiten sind noch besser. Selbsteinträge sind ohne Belang.

Vorher also nach dem Serviceheft fragen. Das gilt auch für den letzten Prüfbericht, der für die Zulassung benötigt wird. Dort können außerdem geringe Mängel aufgeführt sein.

Zu den nächsten Kontrollpunkten gehört die Außenhaut – am besten bei gutem Wetter und unter freiem Himmel – niemals bei Regen. Um Korrosions-Schäden zu entlarven, sollte man vor allem die Kotflügel, die Kanten und Falze an den Türen, die Türschweller, die Bodenbleche im Innenraum (Teppiche oder Matten hochheben), die oberen Aufhängungen der Federbeine (Domlager) und auch den Unterboden ins Visier nehmen. Dazu gehört ebenfalls die Reserverad-Wanne.

Stark verschlissene Pedalgummis, Lenkrad oder Türgriffe geben meist einen Hinweis auf eine hohe Laufleistung. Ob der Kilometerstand stimmt, ergibt sich auch aus dem Serviceheft. Die Vertragsangabe „abgelesener Km-Stand laut Tacho“ sagt nichts über die „Gesamtfahrleistung“ aus. Besser ist da schon: Gesamtfahrleistung entspricht dem Km-Stand laut Tacho.

Versierte Käufer sollten sich zudem die Technik genauer anschauen. Im Motorraum zählen der Zustand der Schläuche und der Stand der Flüssigkeiten bei Öl, Kühlmittel, Bremse, Servolenkung und Batterie – alle Gradmesser für Pflege und Wartung. Weißer Schaum am Öldeckel oder Ölmessstab deuten auf einen Defekt der Zylinderkopfdichtung hin.

Ebenfalls sollte ein Blick auf die Reifen geworfen werden. Ein unregelmäßig abgefahrenes Profil kann auf Schäden am Fahrwerk hindeuten. Risse und Schrammen in den Felgen zeugen von Randstein-Treffern – ebenfalls dem Fahrwerk nicht zuträglich.

Zudem zeigt ein Blick auf die Spaltmaße von Türen, Kofferraumklappe und Motorhaube ob der Wagen schon einen Schaden gehabt hat. Sind die Spalte unterschiedlich breit, hat das Auto mit großer Wahrscheinlichkeit einen Unfall gehabt. Unbedingt sollte nach Vorschäden und Unfällen gefragt werden.

Die Formulierungen „Unfallfreiheit“ und „ohne Vorbeschädigungen durch Unfall oder sonstige Beschädigungen“ sind am besten schriftlich im Kaufvertrag festzuhalten. Der Hinweis „ohne erkennbare Unfallschäden“ reicht nicht aus, warnt TÜV Süd. Bei Vorschäden sollte sich der Käufer die Reparaturbelege aushändigen lassen – zur Vorlage beim Wiederverkauf. Weicht der Verkäufer beim Unfallthema schon am Telefon aus, sollte man sich von vorn herein abwenden.

Wird der Verkäufer bei der Frage danach, warum das Fahrzeug verkauft werden soll, nervös oder gibt fadenscheinige Antworten, sollte auch hier Abstand genommen werden. Wichtig ist auch, dass der Anbieter mit dem letzten eingetragenen Vorbesitzer identisch ist – sonst handelt es sich womöglich um einen Händler, der die Gewährleistungspflicht umgehen will. Winterreifen sollten mindestens vier Millimeter Profil haben.

Wichtig! Bestehen Sie auf eine Probefahrt und beachten Sie folgende Punkte:

  • Der potentielle Käufer sollte das Wunschauto zunächst einmal „nur“ als Beifahrer testet. So kann sich der Interessent innen umsehen und ins Fahrzeug „hineinhören“. Als Beifahrer kann auf Unregelmäßigkeiten oder beispielweise Klopfgeräusche geachtet werden. Auch besondere Schaltgeräusche können so besser wahrgenommen werden. Brennen irgendwelche Kontrollleuchten? Funktionieren Tacho und Drehzahlmesser einwandfrei?

  • Danach empfiehlt sich, die Klimaanlage ausprobieren, denn wenn es irgendwie muffig im Auto riecht, könnte das ein Hinweis auf undichte Stellen sein.

  • Nach dem Check als Beifahrer, sollte sich der Kaufinteressent selbst hinter das Steuer setzen und im Standbetrieb sich den Motor anhören. Danach werden alle wichtige Funktionen getestet: Funktionieren Scheibenwischer, Lüftung, Radio und CD-Player? Am besten ist es, alle Schalter in Ruhe im Auto ausprobieren.

  • Bei der eigentlichen Probefahrt sollte beobachtet werden, wie das Lenkrad reagiert und geprüft werden, ob es ungewöhnliche Vibrationen gibt. Der ADAC empfiehlt, auch einmal eine schlechtere Straße für einen Teil der Probefahrt sowie enge Kurven zu wählen. Auf diese Weise kann die Reaktion des Autos gut überprüft werden.

  • Außerhalb der Stadt sollte man kurz auf circa 100 km/h beschleunigen und dann dosiert immer stärker bremsen, dabei aber unbedingt auf den nachfolgenden Verkehr achten. Dabei lässt sich erkennen, ob der Wagen in der Spur bleibt oder sich ungewöhnlich verhält. Das Lenkrad darf nicht flattern und das Bremspedal nicht pulsieren.

  • Auch das Einparken ist ein guter Test: Geräusche, die von den Antriebssträngen des Autos stammen, sind beim langsamen Vor- und Zurückfahren besser zu hören.

Wer beim Gebrauchtwagenkauf auf Nummer sicher gehen will, kann sich fachkundig unterstützen lassen. Die meisten Prüforganisationen bieten einen entsprechenden Check an. Die Fachleute untersuchen das Auto und fertigen einen umfassenden Prüfbericht an. Sträubt sich der Verkäufer gegen den Profi-Check, sollte man die Finger von dem Fahrzeug lassen. (ampnet/dmn/rk)

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