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Kauf und Verkauf Wie ermittelt man den Wert eines Oldtimers?

Oldtimer sind als Geldanlage immer beliebter. Häufig werden Experten hinzugezogen, um den Wert eines Fahrzeugs zu ermitteln. Doch auch Einsteiger können selbstständig Preise und erste Wertprognosen recherchieren.

06.11.2013 17:05
Oldtimer müssen amtlich begutachtet werden, um ein H-Kennzeichen zu bekommen. Foto: dpa

Ein VW Käfer 1300 der Baujahre 1967 bis 1973 war im Jahr 2012 das Pkw-Modell mit dem größten Wertzuwachs. Noch vor wenigen Jahren gab es Käfer zu Schnäppchenpreisen im dreistelligen Bereich auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Schaut man sich heute die Preise in gängigen Internetportalen an, wird man feststellen, dass Käfer inzwischen den mehrfachen Wert ihres Neupreises erzielen können – sogar fünfstellige Euro-Beträge sind keine Seltenheit.

Wert englischer Oldtimer sinkt gerade

„Dennoch hat sich die Wertentwicklung historischer Kraftfahrzeuge im vergangenen Jahr verlangsamt“, stellt Stefan Röhrig vom Verband der Automobilindustrie (VDA) fest. „Man sollte einen Oldtimer als Kapitalanlage auch nicht überschätzen“, rät der Leiter des Fachreferats Historische Fahrzeuge. Der VDA gibt die durchschnittliche Wertsteigerung von Oldtimern in Deutschland für das Jahr 2012 mit 4,2 Prozent an. Der Deutsche Oldtimer Index, den der VDA jährlich herausgibt, legte in 2011 noch um 9,3 Prozent zu.

„Wir legen schon seit 1999 die Daten der Preisentwicklungen von 88 unterschiedlichen Fahrzeugtypen aus sieben Herstellernationen zugrunde, die den deutschen Oldtimermarkt repräsentieren“, erläutert Stefan Röhrig den Index. „Vorkriegsfahrzeuge spielen dabei keine Rolle, da solche Exoten den Durchschnittswert verfälschen würden.“ Das Mindestalter für Oldtimer hingegen ist fix und liegt bei 30 Jahren. „Die Werte entwickeln sich insgesamt positiv“, so Röhrig, „aber bei englischen Oldtimern ist beispielsweise gerade ein Abfallen des Preisniveaus zu verzeichnen.“

Chevrolet Camaro oder Renault 16 mit guter Wertentwicklung

Deutliche Wertzuwächse gab es laut Röhrig bei einigen Modellen aus Frankreich, Italien und Schweden. „Auffallend ist, dass besonders viele frühere Großserienmodelle deutliche Wertsteigerungen erfahren haben“ - zum Beispiel der Volvo Amazon oder der Renault 16 oder auch der Chevrolet Camaro.

Wo der Wert ihres Traumautos grob einzuordnen ist, erfahren Oldtimer-Fans beispielsweise online. Das Unternehmen Classic-Tax, das die notwendigen Daten zur Ermittlung des Oldtimer Index für den VDA beisteuert, bietet im Internet eine kostenlose Berechnung des Marktwerts an – ein preislicher Rahmen dessen, was das ausgewählte Modell in unterschiedlichem Gebrauchszustand aktuell kostet.

Aktuellen Wert immer an Versicherung melden

„Im Bereich der Oldtimer-Bewertungen wird oft mit fantasievollen, aber rechtlich unbedeutenden Begriffen wie Liebhaberwert, Verkaufswert oder Zeitwert jongliert“, erklärt Frank Wilke, Geschäftsführer von Classic-Tax. „Es gibt aber eigentlich nur drei Werte, die wirklich zählen: Marktwert, Wiederbeschaffungswert und Wiederherstellungswert.“ Die Definitionen sind eindeutig und insbesondere für Versicherungen wichtig. „Der Marktwert ist der Betrag, den der Oldtimer bei einem An- oder Verkauf auf dem Liebhabermarkt zum gegenwärtigen Zeitpunkt erzielt“, erläutert Wilke.

Dementsprechend bemessen Kasko-Versicherer ihre Beiträge. „Kauft jemand also heute einen Käfer, sollte er in zwei Jahren nachschauen, ob sich der Wert weiter erhöht hat, um auch seine Versicherungssumme anzupassen“, empfiehlt Wilke und warnt: „Für die regelmäßige Kontrolle des Wertes und die Benachrichtigung des Versicherers ist allein der Halter verantwortlich. Wer das nicht macht, bekommt im Schadensfall nicht den aktuellen Wert ersetzt.“

Welche Werte gelten in einem Schadensfall?

Tritt ein Schadensfall ein, kommt der Wiederbeschaffungswert ins Spiel. „Er beziffert die Summe, die der Geschädigte im Falle eines Unfalls aufwenden muss, um ein gleichartiges und gleichwertiges Ersatzfahrzeug kurzfristig zu beschaffen“, erläutert Wilke. Der Wiederherstellungswert schließlich ist eine Summe, die sich aus der Anschaffung und der späteren Restaurierung eines Fahrzeugs ergeben hat. „In der Regel liegt dieser Wert immer erheblich über dem Marktwert“, so Wilke. „Wenn ein Verkäufer zu diesem Wert weiter verkaufen möchte, bleibt er damit meistens auf der Strecke.“

Allerdings ist der Wiederherstellungswert für die Versicherung von Bedeutung. „Dieser Wert muss in einem Sachverständigengutachten ermittelt oder durch den Sachverständigen geschätzt werden“, erklärt Thorsten Ruthmann vom Dekra Classic Service. „Der Versicherungsbeitrag wird in diesem Fall zwar höher als bei einer reinen Marktwert- oder Wiederbeschaffungswert-Versicherung, bringt dem Fahrzeugbesitzer aber die Sicherheit, dass er nach einem Schaden trotz unwirtschaftlicher Investitionen bei der Restaurierung ein vergleichbares Fahrzeug wie sein vorheriges bekommt.“ Geld gibt es aber nur dann, wenn ein Auto tatsächlich wieder aufgebaut wird.

Gewährleistung ist bei wertvollen Oldtimern wichtig

Grobe Schätzungen für klassische Fahrzeuge zu erstellen, ist anhand diverser Online-Rechner, der jährlich erscheinenden Preisliste der Fachzeitschrift „Oldtimer Markt“oder des „Marktspiegel“ von Classic Data ein Leichtes. „Doch die üblichen Listen erfassen keine Fahrzeuge mit Liebhaberwerten im ideellen Sinn“, merkt Thorsten Ruthmann an. „Denn der genaue Wert eines Fahrzeuges hängt von vielen Faktoren wie den einzelnen Zustandsnoten der Baugruppen, der Historie oder der Zusatzausstattung ab. Nur eine individuelle Bewertung kann diese Besonderheiten berücksichtigen.“

Grundsätzlich gilt, dass ein Oldtimer bei einem Händler immer teurer ist als bei einem Privatverkäufer. „Ein Händler berechnet im Normalfall den Wiederbeschaffungswert, er hat gegebenenfalls eine Inspektion durchführen lassen und muss eine Marge erwirtschaften“, erläutert Ruthmann. Dafür bietet er allerdings auch Gewährleistung, was gerade bei besonders wertvollen Oldtimern wichtig ist, da Mängel den Besitzer hier wesentlich teurer zu stehen kommen können als bei zeitgenössischen Autos.

Je höherwertig eine Preziose, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, sie auf dem privaten Automarkt zu finden. „Während ein Opel Commodore oder Fiat 500 gerne von einer Privathand in die nächste wechselt, wird die Zahl der privat verkauften Ferrari 250 GT eher gen null gehen“, erklärt Ruthmann. Manch seltene Käfer sind bereits bei den exklusiven Oldtimer-Händlern angekommen. „Gesuchte Sonderversionen wie der berühmte Gelb-Schwarze Renner können locker 15.000 Euro kosten“, sagt Wilke. (dpa)

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