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Witwe von Nobelpreisträger Liu Xia in Berlin eingetroffen

1. UpdateDie Witwe von Nobelpreisträger Liu Xiaobo darf China nach acht Jahren Hausarrest verlassen. Die Geste der chinesischen Regierung kommt nicht zufällig während des Besuchs von Premier Li Keqiang in Berlin.

Liu Xia
Liu Xia bei der Zwischenlandung in Helsinki. Foto: afp

Liu Xia, chinesische Dichterin und Witwe des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo, ist am Dienstag in Deutschland eingetroffen. Liu Xia landete am Nachmittag auf dem Flughafen Berlin-Tegel, wie ein AFP-Fotograf berichtete.

Das jahrelange Ringen um die Freilassung der Künstlerin und Dichterin Liu Xia hat damit ein Ende gefunden: Die Witwe des chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo durfte nach Deutschland ausreisen. Die Geste der chinesischen Regierung kam nicht zufällig während des Besuchs von Premier Li Keqiang in Berlin. Kanzlerin Angela Merkel und die deutsche Diplomatie hatten sich in den vergangenen Monaten für die Freilassung Lius in besonderem Maße stark gemacht.

Die Regierung Merkel hatte auch das Angebot vorgelegt, die 57-Jährige in Deutschland aufzunehmen. Seitdem haben die chinesischen Behörden bereits zweimal grünes Licht für ihre Ausreise gegeben – doch beide Male folgte im letzten Moment eine Enttäuschung. Diesmal klappte es: Liu Xia war am Dienstagmorgen bereits informiert und hatte ihre Koffer gepackt. Unter Bewachung durfte sie das Haus verlassen und zum Flughafen fahren, um dort eine Maschine der Finnair zu besteigen, mit einem Zwischenstopp in Helsinki und dem Ziel Berlin. Erst nachdem sie sicher im Flugzeug saß, wagten sich ihre Unterstützer mit den guten Nachrichten an die Öffentlichkeit.

Ihr Bruder Liu Hui meldete sich als Erster in Sozialmedien zu Wort: Seine Schwester könne nun ein neues Leben beginnen. Auch andere Dissidenten bestätigten, dass Liu frei ist. Der bekannte Hongkonger Journalist Johnny Lau, ein vielzitierter Experte für Chinas Politik, vermutet als Grund für ihre plötzliche Freilassung auch ein herannahendes Kalenderdatum: Die Regierung wolle vor dem Todestag Liu Xiaobos am 13. Juli eine internationale Kampagne für Liu Xia vermeiden. Im chinesische Inland ist der Fall wegen konsequenter Zensur praktisch unbekannt.

Menschenrechtsgruppen äußerten nun Sorge um Lius weitere Verwandtschaft. Es bestehe Gefahr, dass die Regierung sie drangsaliere, um sie auch in Berlin am Reden zu hindern. „Die Behörden haben seit Jahren versucht, sie zum Schweigen zu bringen, doch sie hat sich nicht einschüchtern lassen“, sagt Patrick Poon von Amnesty International in Hongkong. Nach acht Jahren Hausarrest sei ihre Gesundheit jedoch angeschlagen.

Liu Xia durfte ihre Wohnung nicht mehr verlassen, seit ihr Mann 2010 den Friedensnobelpreis zugesprochen bekam. Polizisten bewachten die Tür zu ihrem Haus und verwehrten Besuchern den Zugang. Liu durfte nicht frei telefonieren und kein Internet benutzen; sie musste Spaziergänge anmelden und konnte nicht reisen. Ihren Gatten durfte sie während der Jahre seiner Haft nur wenige Minuten besuchen.

All das gilt auch aus Perspektive der chinesischen Gesetze als Rechtsbruch: Ihr Mann war wegen Untergrabung der Staatsgewalt verurteilt, doch ihr selbst konnte auch die manipulierte chinesische Justiz nichts vorwerfen. „Mein Verbrechen ist es, Liu Xiaobo zu lieben“, hatte sie dem Schriftsteller Liao Yiwu am Telefon gesagt. „Ich bin darauf vorbereitet, unter Hausarrest zu sterben.“ Liao lebt bereits in Berlin im Exil – jetzt folgt ihm Liu Xia.

Liu Xiaobo hatte für China die Einführung eines echten Rechtsstaates, der Meinungsfreiheit und der Gewaltenteilung gefordert. Im Juli 2017 starb er in Haft an Krebs. Während er als Essayist bekannt wurde, ist Liu Xia vor allem als Lyrikerin bekannt. Sie hat sich auch als Malerin und Fotografin betätigt. Das Paar heiratete nach zehnjähriger Beziehung im Jahr 1996. Liu Xiaobo saß damals in einem Arbeitslager ein.

Die chinesische Regierung bestätigte Lius Ausreise am Dienstag. Sie habe China „freiwillig verlassen“, um sich in Deutschland medizinisch behandeln zu lassen. Es handele sich „nicht um einen diplomatischen Vorgang“, behauptete eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums. (mit afp)

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