Lade Inhalte...

Weltweite Solidarität mit Saviano

150 000 Unterschriften für den Schriftsteller

Nach sechs Nobelpreisträgern haben sich nun auch zehn bedeutende Schriftsteller aus aller Welt und weitere 150 000 Unterzeichner in einem Appell für den Autor Roberto Saviano eingesetzt. Ihn droht die Camorra zu ermorden, weil er in seinem Buch "Gomorra" die Methoden der neapolitanischen Verbrecher-Organisation so detailliert wie authentisch dargelegt hat.

In dem Appell "Wir kämpfen für Saviano", von der renommierten italienischen Tageszeitung La Repubblica auf ihrer Internetseite veröffentlicht, fordern die Nobelpreisträger - Dario Fo, Michael Gorbatschow, Günter Grass, Orhan Pamuk, Rita Levi Montalcini und Desmond Tutu -, der Staat müsse "alle Kraft dafür einsetzen", Saviano zu schützen, denn dieser Fall sei nicht nur einer für die Polizei, sondern eine Frage der demokratischen Selbstverständnisses: "Die Freiheit der Sicherheit Savianos betrifft uns alle, als Staatsbürger."

Mit diesem Appell wolle man die Last von dem Autor nehmen und "uns selbst aufbürden - während wir zugleich den Staat an seine Verantwortung erinnern". Denn es sei untragbar, dass all dies im Europa des Jahres 2008 geschehen könne.

Saviano sei ein junger Schriftsteller, heißt es weiter, dessen "Schuld" es nur sei, dass er die organisierte Kriminalität untersucht und dabei deren Methoden und Strukturen offengelegt habe. Nun sei er zu einem Leben im Verborgenen gezwungen, "während die Köpfe der Camorra aus dem Gefängnis weiterhin Todesdrohungen verschicken."

Der Zeitung zufolge sei nach der Veröffentlichung des Aufrufs vorgestern die Zahl der Solidaritäts-Bekundungen Stunde um Stunde gewachsen, jetzt haben sich auch Claudio Magris und Lech Walesa sowie zehn Schriftsteller von internationalem Ruf dem Appell angeschlossen: Martin Amis, Nathan Englander, Hans Magnus Enzensberger, Jonathan Safran Foer, Jonathan Franzen, Jonathan Lethem, Javier Marías, Ian McEwan, José Saramago und Peter Schneider.

Saviano, der schon seit 2006 unter Polizeischutz leben muss, hatte am vergangen Wochenende in Frankfurt am Main den Hessischen Filmpreis für die beste Literaturverfilmung erhalten, Matteo Garrones "Gomorra". Zuvor hatte der 29-Jährige angekündigt, seine Heimat verlassen zu wollen, um nicht ständig unter Todesangst leben zu müssen. Doch im Lande beschwört man ihn zu bleiben - sogar Regierungschef Silvio Berlusconi. Die Stadt Mantua hat ihm die Ehrenbürgerschaft angetragen, und der Sender Fahrenheit liest täglich aus "Gomorra".

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen