Lade Inhalte...

Verlust von Park und Schloss Haus Anhalt ringt um Kunstbesitz

Der Besitz des Adelshauses gehört größtenteils zur Beutekunst und befindet sich in der ehemaligen Sowjetunion. Während sich Eduard Prinz von Anhalt um das Erbe kämpft, schaut seine Frau in die Zukunft.

21.07.2008 10:07
Haus Anhalt Askanien ringt um tausende Kunstwerke. Foto: dpa

Wörlitz/Ballenstedt (dpa) - Um rund 10.000 Kunstwerke muss Eduard Prinz von Anhalt noch immer ringen. Der Besitz des Adelshauses Anhalt-Askanien gehört größtenteils zur Beutekunst und befindet sich auch fast zwei Jahrzehnte nach Ende des Kalten Krieges in der ehemaligen Sowjetunion.

"Nachdem Land und Hausbesitz verloren sind, besteht meine Arbeit darin, die Kunstwerke zu finden und als Eigentum nachzuweisen", sagt der 66 Jahre alte Chef des Adelshauses, der ein Cousin von Prinz Charles ist. Während für ihn das Erbe der Vergangenheit ein Vollzeit-Job ist, kümmert sich seine Frau, Prinzessin Corinna, um die Zukunft. Die 46-Jährige will mit der Marke "Made in Anhalt" für das Land ihrer Ahnen werben.

Über Jahrhunderte prägte das bis 1918 regierende Haus Anhalt die Entwicklung des heutigen Landes Sachsen-Anhalt. Leopold I. (1674- 1747) und Prinzessin Sofie Auguste von Anhalt-Zerbst, spätere Zarin Katharina die Große von Russland, stehen für diesen Einfluss. Der letzte regierende Herzog Joachim Ernst (1901-1947) war Gegner des Nationalsozialismus, musste in Rüstungsbetrieben in Dessau Zwangsarbeit leisten und kam 1944 ins Konzentrationslager Dachau.

Auf Druck der Bevölkerung von den Nazis entlassen, wurde er von der sowjetischen Besatzungsmacht im August 1945 erneut inhaftiert. Er starb am 18. Februar 1947 im Sonderlager Buchenwald. Erst 1992 erkannte die russische Generalstaatsanwaltschaft den Herzog wegen erwiesener Unschuld als "Verfolgten politisch sowjetischer Repressionen" an.

Herzog Joachim Ernst konzentrierte nach 1918 sein privates bewegliches Eigentum im 1945 zerstörten Stadtschloss Dessau und in Schloss Ballenstedt am Harz. 2500 Gemälde meist niederländischer Maler überließ er als Leihgabe dem Wörlitzer Schloss, das 1945 geplündert wurde. "200 der Gemälde befinden sich in Museen und Galerien in Deutschland, die anderen in der früheren Sowjetunion - unter anderem in der Eremitage", sagt Prinz Eduard, Sohn des Herzogs.

Knapp 20 bedeutende Gemälde, darunter Ahnenporträts, gehören unterdessen der Kulturstiftung Dessau/Wörlitz. In den vergangenen Jahren gab es mehrere gütliche Einigungen. 2007 überließ das Adelshaus der Stiftung drei Porträts für 310.000 Euro, 2003 hatte es bereits 16 Gemälde für 1,2 Millionen Euro verkauft.

In beiden Fällen kamen die Mittel vom Land und von der Kulturstiftung der Länder und im Gegenzug erhielt das Adelshaus dutzende Werke zurück.

"Die Verhandlungen mit dem Haus Anhalt sind jetzt über die Bühne", sagt Wolfgang Savelsberg, Abteilungsleiter Schlösser/Sammlungen bei der Kulturstiftung Dessau/Wörlitz. Bei Sonderausstellungen etwa in der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau oder im Schloss Wörlitz sei Prinz Eduard ein unkomplizierter Leihgeber.

"Das klappt immer sehr gut, ohne kostspielige Kunsttransporte." Weniger reibungslos verliefen die Verhandlungen um Land und Güter des Hauses Anhalt-Askanien. Die Klage um Rückgabe des mittlerweile zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden Wörlitzer Parks hat der gelernte PR-Kaufmann Prinz Eduard, der vor der Wende mit Prinzessin Corinna und den Töchtern Julia Katharina (27), Julia Eilika (23) und Julia Felicitas (15) in Bayern lebte, in den 90er Jahren verloren.

Jagdschloss Röhrkopf in Ballenstedt mit neun Zimmern auf auf 320 Quadratmetern erwarb er für knapp 400.000 Mark von der Treuhand.Lange hatte allerdings die Harzstadt auf ihr Vorkaufsrecht gepocht, das schließlich gerichtlich abgewiesen wurde. Der Stadt gehört aber das große Schloss. Der Chef des Adelshauses lebt nun samt Familie wechselweise in seinem Geburtsort Ballenstedt und in Berlin.

www.anhalt-askanien.dewww.gartenreich.com

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen