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Vereine Gemeinsam rasch hinein ins Amtsregister

Der Mensch ist weiterhin Vereinsmeier, wie eine eindrucksvolle Schau im Haus der Geschichte in Bonn dokumentiert.

Schalke 04
Schalke-04-Strampelanzug. Foto: FC Schalke 04 e.V.; Foto: Axel Thünker

Max Weber brachte die Sache auf den Punkt: „Der heutige Mensch ist ein Vereinsmensch.“ Das ist 116 Jahre her. Deutschland hat zwei Weltkriege hinter sich, eine Teilung und die Wiedervereinigung. Der Spruch des Erfurter Soziologen aus dem Jahr 1901 gilt nach wie vor.

Der heutige Mensch ist ein Vereinsmeier. Da mag einer wie der Liedermacher Reinhard Mey noch so sehr lästern: „Ich will in keinem Haufen raufen, lass mich mit keinem Verein ein!“ 4300 Vereine gibt es allein im 313.000 Einwohner großen Bonn. Aufgelistet sind sie in feiner Schrift auf einer Tapete im Bonner „Haus der Geschichte“, wo eine liebevoll zusammengestellte Ausstellung Einblick gewährt in das überbordende deutsche Vereinswesen. „Mein Verein“ lautet der schlichte Titel der Schau, hinter dem sich ein ausgefeiltes und optisch überzeugendes Konzept verbirgt.

Die Ausstellung zeige einen Querschnitt durch a) die gesellig orientierten Vereine und b) durch die Vereine des bürgerlichen Engagements, umreißt Projektleiterin Angela Stirken die Bandbreite der Bonner Unternehmung. Die Historikerin steht unter einem zehn Meter hohen Vereinsbaum aus Siddinghausen in Westfalen, der genau das symbolisieren soll, was das deutsche Vereinswesen grundsätzlich ausmacht: das juristisch fixierte Miteinander von Menschen mit gemeinsamen Interessen. Normalerweise prangt der Baum mit den Insignien der 14 Siddinghausener Vereine auf dem Marktplatz des Örtchens, doch die rund 1200 Dorfbewohner trennten sich auf Anfrage bereitwillig vom wohl schönsten und auf jeden Fall größten Exponat dieser Ausstellung. Zum Dank durfte der örtliche Musikverein am Abend der Eröffnung aufspielen.

Rund 300 Objekte – Orden, Uniformen, Fotos, Plakate, Bilder und Bücher – sind zusammengekommen, dazu etwa 200 audiovisuelle Medien: Kurzfilme von Umzügen und Schützenfesten, dazu diverse Statements zum Thema. Das älteste Stück ist die Karikatur eines Unbekannten aus dem Jahr 1819, als das Vereinswesen noch in den Kinderschuhen steckte und deren Vertreter dem preußischen Staat verdächtig waren als Querdenker, Demagogen und potenzielle Revoluzzer.

Vereine konnten allein durch eine Königliche Kabinettsorder zur Rechtsperson erhoben werden. Seit 1900 regelt das Bürgerliche Gesetzbuch die rechtlichen Formalitäten: Ein Verein muss im Amtsregister eingetragen sein. Er muss zudem sieben Gründungsmitglieder, einen Schatzmeister und drei Vorstandsmitglieder haben. Eine sehr deutsche Regelung, wie Angela Stirken bestätigt. In anderen Ländern werde all das ein wenig lässiger gehandhabt.

Mehr als 600.000 Vereine gibt es derzeit in Deutschland, so viele wie nie zuvor. Doch es gilt fein zu unterscheiden zwischen all jenen, denen es vor allem um Traditionspflege und fröhliches Beisammensein geht, und denen, die eher das Wohl der anderen, sprich: die gesellschaftliche Teilhabe im Blick haben.

Dem trägt die Bonner Ausstellung durch eine geschickte Raumaufteilung Rechnung. Drei Bereiche sind den eher geselligen, traditionsbewussten Vereinen gewidmet. Statt auf verwirrende Vielfalt haben die Ausstellungsmacher pro Raum auf je einen Prototypen gesetzt, an dem exemplarisch gezeigt wird, was den Kern eines Schützen-, eines Karnevals- und eines Fußballvereins ausmacht.

So haben – neben dem „Neusser Schützenbürgerverein“ und der Bundesligaverein Schalke 04 – als repräsentative Vertreter ihrer Art die Kölner „Roten Funken“ Eingang gefunden in die Bonner Ausstellung. Die „Kölsche Funke Rut-Wiess vun 1823 e.V“ repräsentieren den traditionellen Karnevalsverein mit all seiner Pracht und seinem Pomp. Man sieht den reich verzierten Schellenbaum. Eine Plastik zeigt zwei Rote Funken Hintern an Hintern beim Stippeföttchen, einer Persiflage auf das preußische Militär.

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