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Verdi in der Alten Oper Glockenklare Stimmen zur Geburtstagsgala

Lynette Tapia und John Osborn brillieren bei der Verdi-Nacht in der Alten Oper Frankfurt.

21.10.2013 13:57
Wolfgang Heininger
Auch Szenen aus Nabucco wurden bei der Verdi-Gala in Frankfurt gegeben. Foto: imago stock&people

Es war ein würdiger 200. Geburtstag, auch wenn der Veranstalter ihn um eineinhalb Wochen verpasst hatte. Aber der Jubilar wird sich darüber nicht grämen. Schließlich ist Guiseppe Verdi schon seit mehr als 100 Jahren tot. Anlässlich des „In die Welt geworfen werdens“ des großen Opernkomponisten am 9. oder 10. Oktober 1803 – so ganz sind sich die Chronisten nicht einig - hatte die Opera Classica für Sonntag zur großen Verdi-Nacht in die Frankfurter Alte Oper eingeladen. Nun, es wurde eine rechte Gala daraus.

Mehr als ein halbes Dutzend Arien, vier Duette und das Quartett aus Rigoletto, das kann an einem Abend selbst für den eingefleischten Opernfan anstrengend werden, auch wenn Verdis Kompositionen – oft im Dreiviertel-Takt - selbst in größter Trauer oder Tragik immer noch leicht und eingängig wirken. Wenn aber so Weltstars wie Lynette Tapia oder John Osborn als Interpreten gewonnen werden können, wird dem Zuhörer nicht eine Minute zu lang.

Ohne den beiden anderen Solisten Francesca Patanè (Sopran) oder Marco Chingari (Bariton) zu nahe treten zu wollen, waren Tapia und Osborn bei ihrer Premiere in der Alten Oper eindeutig die Stars dieser Geburtstagsfeier. Beide verzauberten mit ihrer makellosen Stimme. Nie wirkten sie angespannt oder angestrengt. Die Melodien flossen förmlich aus ihnen heraus.

Kein Knödeln oder Pressen

Da war kein Knödeln, kein Pressen, kein Kieksen, das gerade bei einer Koloratursopranistin wie Tapia gern mal das Ohr strapaziert. Kein Wunder dass die junge Frau mit bolivianischen und nordamerikanischen Wurzeln auf den Bühnen weltweit gefragt ist, ebenso wie der 40-jährige John Osborn, der schon in allen großen Operhäusern zu Gast war, darunter an der Met in New York, der Mailänger Scala oder im Covent Garden. Zuletzt wurde er für zwei Jahre als Hauptfigur Alfredo von Verdis La Traviata für die Arena di Verona verpflichtet.

Francesca Patanè und Marco Chingari bemühten sich zwar redlich, aber mit diesen beiden glockenklaren Stimmen konnten sie einfach nicht konkurrieren. Zumal die italienische Sopranistin Pantanè ihre Probleme hatte, in den tieferen Lagen überhaupt gegen das Orchester anzukommen. Das frühere Model, das später als Opernsängerin auch schon mal mehr oder weniger hüllenlos auftrat, sang zwar schon 400 mal die Turandot, aber ihr stimmliches Volumen war zumindest an diesem Sonntag nicht die reine Freude, während der Römer Marco Chingari einen soliden, wenn auch nicht überschwänglichen Eindruck hinterließ.

Orchester als angenehme Begleiterscheinung

Sachlich und den Gesangsstimmen dienlich agierte die Thüringen Philharmonie Gotha unter der Stabführung von Peter Falk. Er ist in Frankfurt kein Unbekannter. Schließlich dirigierte er hier einstmals das Rundfunkorchester. Das Ensemble tat ohne Schnörkel genau das, wozu es Verdi einst ausersah: im Hintergrund agieren, den Gesang hervorheben und dessen dramatischen Ausdruck zu tragen.

Das Verdi-Potpourri mit Liedern und Ouvertüren aus Nabucco, Macbeth, La Traviata, die Macht des Schicksals, Rigoletto und anderen macht dem Meister des Romantischen jedenfalls Ehre. Dazu trug nicht zuletzt Rainer Zagovec mit seiner leichtfüßig-humorvollen Moderation bei.

Die Veranstaltungsreihe der Opera Classica Europa endet am 10. November mit dem Verdi-Requiem in der Abtei Königsmünster in Meschede.

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