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USA Trumps Ideologen sitzen in Kalifornien

Stephen Bannon ist in Ungnade gefallen, seine Spießgesellen arbeiten weiter von der Westküste aus. Wie der US-Bundesstaat Kalifornien dem Präsidenten Donald Trump in die Hände spielt.

Apple-Hauptquartier
Ein Apfelbaum? Auf jeden Fall mögen Bäume vor dem neuen Hauptquartier von Apple im kalifornischen Cupertino wachsen. Foto: afp

Kalifornien ist ein Schönwetterland, dennoch malte man uns vor der Reise nicht weniger als sechs unübliche Todesarten aus: Großbrand, Starkregen, Terroranschlag, Schießerei, Little Rocket Man und Big Bang – der Landeskenner Mike Davis hat Los Angeles schon vor zwanzig Jahren als Epizentrum einer Ökologie der Angst ausgemacht. Nicht ganz unerwartet schien in der Stadt der Engel doch die Sonne, und der Golden State setzt als „Herz des Widerstandes“ gegen Donald Trump laufend gute Nachrichten in die Welt.

Fangen wir dennoch mit den schlechten an: Trumps Ideologen sitzen ebenfalls in Kalifornien. Während Stephen K. Bannon auch bei den Sponsoren von „Breitbart News“ in Los Angeles in Ungnade gefallen ist, arbeiten seine Spießgesellen, der Alt-Right-Troll Charles C. Johnson und InfoWars-Verschwörer Mike Cernowich, weiter von der Westküste aus; Trumps Redenschreiber Stephen Miller aus Santa Monica ist im Weißen Haus als Senior Advisor für die (Anti-)Einwanderungspolitik zuständig. Auch bei den konservativen Denkfabriken ist eine Westverschiebung erfolgt; etablierte Think tanks wie die American Heritage Foundation oder das American Enterprise Institute wurden abgelöst durch das Claremont Institute, das in einer der endlosen Suburbs nordöstlich von Los Angeles residiert. 

Amerika nach den Geboten der Heiligen Schrift

Als Gegenstück zum liberalen New Yorker Ostküstenoriginal gibt der piekfein wirkende Laden die Claremont Review of Books heraus, in welcher „Originalisten“ die amerikanische Verfassung so textgetreu auslegen wie christliche Fundamentalisten die Bibel. Zu ihrem Idol haben sie sich den deutsch-jüdischen Emigranten Leo Strauss auserkoren, dessen Kritik am Liberalismus in den USA eine ebenso seltsame Bewunderung erfahren hat wie Carl Schmitt und andere Denker der „Konservativen Revolution“ der 1920er und 30er Jahre. 

Kenner der Szene unterscheiden „Ostküsten-Straussianer“, die unter George W. Bush zu gewissem Einfluss gekommen waren, von den Strauss-Bewunderern an der Westküste, die Trumps erratischem Regierungshandeln ein wenig theoretischen Glanz verleihen wollen, ohne damit wirklich das Ohr der Macht im Weißen Haus zu besitzen.

Gemeinsamer Hauptfeind ist der „administrative state“: Statt der Verschlankung des Wohlfahrtsstaates propagieren sie dessen völlige Zerschlagung, an die Stelle der weltoffenen Einwanderungsgesellschaft tritt die unverblümte Restauration der weißen Vorherrschaft, und Amerika soll in der Welt nur noch als Hüter eigener Interessen auftreten, nicht als Weltgendarm oder Förderer der Demokratie. Diesen Revisionen verleihen sie antike Patina: Das Startsignal für die Kapitulation der Republikaner gab Chefideologe Michel Anton unter dem Pseudonym Publius Decius Mus, nach einem römischen Konsul, der angeblich sein Leben für die Republik opferte.
Der Verfassungshistoriker Thomas G. West will das heutige Amerika außer nach den Geboten der Heiligen Schrift und den Lehren des Aristoteles regiert sehen. In diesem Licht hat niemand das Recht, Bürger eines Landes zu werden, das ihn ablehnt, und Fremde abzuweisen, gilt West als vornehmster Beweis von Freiheit. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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