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USA Die Weltmacht im eigenen Land

California Dreaming: wie sich der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat gegen Donald Trump zur Wehr setzt.

Kalifornien
In Kalifornien ist man bemüht, dieses oder jenes einfach mal vom Kopf auf die Füße zu stellen. Hier eine Momentaufnahme aus dem Kunstbezirk von Los Angeles. Foto: afp

Erst 1850 ist Kalifornien als 31. Staat den USA beigetreten, der Goldrausch und die Eisenbahn schlossen es an die Zentren der jungen Nation an, bevor dann Hollywood, die Luftfahrtindustrie und Silicon Valley den „Sonnenscheinstaat“ von heute schufen. Das aktuelle 2,4-Billionen-Dollar-Bruttoinlandsprodukt macht Kalifornien für sich genommen zum sechsstärksten Industrieland der Welt, und seit 1980 schrumpfte der Anteil der Nichtweißen von 80 Prozent auf die Hälfte, ein großer Teil der 39 Millionen Bewohner spricht (wieder) Spanisch. Genau diese Dynamik und Diversität versammeln in einer Nussschale, was die eine Hälfte Amerikas erhalten will und die andere mit Donald Trump bei seiner Amtseinführung als „American Carnage“, als katastrophales Blutbad der Nation deutet.

Im November 2016 waren zwei Drittel der kalifornischen Stimmen auf Hillary Clinton entfallen, und seither sehen viele den Nachzüglerstaat berufen, die Republik zu retten (oder, im Extremfall, die California Republic abzuspalten oder sich Kanada anschließen). „Nie waren wir so stolz, Kalifornier zu sein“, beteuern die (demokratischen) Fraktionssprecher beider Häuser, und wer in Amerika Elemente einer sozialen Demokratie sucht, findet sie am ehesten in den Staaten an der Westküste.

Gouverneur Brown ist eine Art Gegenpräsident zu Trump

Sie bieten die umfassendsten Krankenversicherungen, treiben am entschiedensten Klima- und Umweltpolitik, zahlen relativ hohe Mindestlöhne, nehmen „illegale“ Einwanderer in großer Zahl auf und stellen ihnen öffentliche Bildungs- und Dienstleistungen zur Verfügung, tolerieren am ehesten Homo- und Intersexuelle und investieren konsequent in das öffentliche Verkehrssystem. Auf allen Gebieten, nun auch mit der Freigabe von Marihuana, hat sich Kalifornien, das ob seiner immensen Schuldenlast und der hitzigen Rassenkrawalle, 1991 auch in der FR, schon als gescheiterter Staat abgeschrieben wurde, als Avantgarde neu erfunden. Und profiliert sich nun als Hauptantagonist des „mental gefestigten Genies“ in Washington. 

Das in Los Angeles ansässige Onlinemagazin „Capital & Main“ leitete eine Porträtserie höchst unterschiedlicher Einwohner, die den kalifornischen Traum träumen, mit den folgenden Sätzen ein: „In einer Ära des Pessimismus, in der Millionen von Amerikanern sich von Donald Trumps dunkler Botschaft des ‚amerikanischen Blutbads‘ angesprochen fühlen, repräsentiert Kalifornien eine Gegenmacht. Es ist ein Ort für Optimismus, ein Licht in dunkler Zeit.“

Das klingt kitschig, entspricht aber dem Kampfgeist, den man in den großen Städten wie im Hinterland, beim Tankwart wie bei der Berkeley-Professorin, bei Queer People wie im Mainstream aufschnappen und im Gespräch vertiefen kann, verbunden mit der unnachahmlich entspannten Freundlichkeit und Gelassenheit, die Kalifornien bis ins Stereotyp hinein prägen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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