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"Der Staat gegen Fritz Bauer" Auf Mittelmaß geeicht

Der Filmpreis-Gewinner „Der Staat gegen Fritz Bauer“ gilt als Konsensbeitrag, aber das trifft es nicht wirklich. Das "Times Mager" zur Preisverleihung.

Burghart Klaußner in "Der Staat gegen Fritz Bauer": Die Figur, die er verkörpert, wird in dem Film von Regisseur Lars Kraume zur Nebenrolle, und Fritz Bauers Lebensleistung zur Nebensache.

Als vor zwei Wochen die deutsche Regisseurin Maren Ade in Cannes gefeiert wurde – am Ende gewann ihre Tragikomödie „Toni Erdmann“ den internationalen Kritikerpreis – schlug die Stunde der Patrioten. Doch als Triumph für den „deutschen Film“ konnte man diesen ganz persönlichen Erfolg einer Künstlerin wirklich nicht vereinnahmen. Umgekehrt wurde eher ein Schuh daraus. Dieser Film, der keinem anderen gleicht, machte einmal mehr bewusst, warum internationale Festivals kaum im deutschen Kino fündig werden und selbst die letzte Berlinale mit einem einzigen deutschen Beitrag auskommen musste.

Die deutsche Filmakademie hat sich seit ihrer Gründung der Feier des Mittelmaßes verschrieben. Den international gefeierten Christian Petzold ignoriert sie konsequent, zuletzt mit „Phoenix“, dem besten der jüngeren Dramen über den Umgang der Deutschen mit ihrer NS-Vergangenheit.

Christian Petzold hatte seinen Film Fritz Bauer gewidmet, nun gewann ein Drama, das dessen Namen im Titel trägt, die höchste Auszeichnung im deutschen Film. Im Mittelpunkt von „Der Staat gegen Fritz Bauer“ des Regisseurs Lars Kraume steht der – erfundene – Staatsanwalt Karl Angermann, dessen Darsteller Ronald Zehrfeld nun kurioserweise nur für die Nebenrolle prämiert wurde (für die Beste Männliche Hauptrolle wurde Peter Kurth als kranker Ex-Boxer in Thomas Stubers „Herbert“ ausgezeichnet). Die eigentliche Nebenfigur des Films aber ist Fritz Bauer selbst.

Ein belangloser Film

Ebenso gerät seine Lebensleistung, die Aufarbeitung des Holocaust in Deutschland mit juristischen Mitteln, zur Nebensache. Einmal wirft Bauer dem jungen Mann gar Antisemitismus vor, als habe er es nötig gehabt, zu unsachlichen Argumenten zu greifen. Wie soll uns da die Filmfigur Fritz Bauer noch sympathisch werden? Oder gar ein zeitgenössisches Publikum für die Verdienste seines historischen Vorbilds sensibilisieren, das Menschheitsverbrechen des Holocaust auf die bundesdeutsche Agenda gesetzt zu haben?

Man hat „Der Staat gegen Fritz Bauer“ einen Konsensfilm genannt, aber das trifft es nicht wirklich. Es ist vielmehr ein belangloser Film – doch die deutsche Filmakademie hält eben das Mittelmaß für konsensfähiger als das Gewagte. Schon möglich, dass im kommenden Jahr tatsächlich mit Maren Ades „Toni Erdmann“ auch bei den „Lolas“ ein künstlerischer Film geehrt werden wird. Cannes hat hier auch der auf Mittelmaß geeichten deutschen Filmbranche die Augen geöffnet.

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