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Times mager Zweitmond

Der Plan: mittels eines Licht reflektierenden Mondes spart China Stromkosten.

künstlicher Mond
Ein künstlicher Mond hängt in der Innenstadt von Essen. Die Kunstinstallation soll allerdings nicht für Licht sorgen - im Gegensatz zu dem geplanten chinesischen Projekt. Foto: imago

Andere Länder, andere technische Möglichkeiten. Während Zeitungsredakteure im südlichen Mittelhessen seit Jahren chronisch unterbelesen über der Frage einnicken, wie sie ihre Klemmlampe am für die Klemmspanne um einen Millimeter zu breiten Bettpfosten befestigen, steht China kurz davor, einen zweiten Mond im Weltall zu installieren. Oder sagt man Spannklemme?

Ja, dieser Text hätte auch mit dem Halbsatz anfangen können: Während es andere führende Nationen zum siebten Mal auf ein und denselben Mond drängt, steht China kurz davor, einen zweiten … usw. Aus rein praktischen Erwägungen wird momentan eine anständige Klemmlampe im mittleren Südhessen allerdings dringender benötigt als eine siebte erfolgreiche Apollo-Mission oder ein zweiter Mond in China.

Besser gesagt, irgendwo hoch über China, so dass der zweite Mond nachts mittels Sonnenspiegelung China beleuchtet. Der Plan: Im Orbit hält sich ein Satellit (Fake-Mond) ganz ohne Spannklemme in seiner Position und reflektiert das Licht, das die Sonne nachts sinnlos am größten Teil der Erde vorbeiwirft, auf die Stadt Chengdu. Dort spart man dann Unmengen an Stromkosten.

In Fledermaus-, Eulen-, Katzen- und Nachtfalterkreisen wird das Projekt kontrovers diskutiert. Auch manche Menschen sind skeptisch. Nicht nur, dass sie nachts eine gewisse Lichtknappheit schätzen, sei es, um ihre speziellen Fähigkeiten im Dunkeln zu nutzen (Chinesischer Eichenseidenspinner, Großes Mausohr, andere Glattnasenartige), sei es, um ungestört an der Matratze zu horchen (Mensch). In die Debatte mischen sich auch gewisse Zweifel an der Unfehlbarkeit chinesischer Zukunftstechnologie.

Erst kürzlich gab es eine peinliche Panne im Verfahren, per Gesichtserkennung Leute an den Online-Pranger zu stellen, die bei Rot über die Straße gehen. In Schanghai verwechselte der Computer die landesweite Nummer-1-Geschäftsfrau Dong Minghzu mit einem Bus. Beziehungsweise mit ihrem Konterfei, das auf einem Bus abgebildet war, der gerade eine Straße befuhr, während die Fußgängerampel (wenigstens die funktionierte) Rot zeigte. Zack, war Dong Minghzu überall als Verbrecherin gebrandmarkt.

Anderswo haben sie sympathischere Sorgen. In Neuseeland wurde eine Imbisskette verdonnert, vor Baumärkten erst die Zwiebeln aufs Brötchen zu legen und dann die Wurst. Bei der bisher gängigen Methode (1. Wurst, 2. Zwiebeln) waren zu viele Zwiebeln auf den Boden gefallen, was erhebliche Rutschgefahr sowie Knochenbrüche verursachte. Im mittleren Südhessen empfiehlt man Handkäs, Essig & Öl unter den Zwiebeln, das hält sogar ohne Klemmspanne und bei Vollmond.

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