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Times mager Zivilisation

„Frederick, wann ist das Ende der Zivilisation erreicht?“, fragt Piggeldy.

Das Ende der Zivilisation
Das Ende der Zivilisation kündigt sich nicht durch UFOs oder Atomschläge an, sondern durch das politische Tagesgeschäft . Foto: imago

Frederick?“ – „Ja, Piggeldy?“
„Frederick, wann ist das Ende der Zivilisation erreicht?“

„Nichts leichter als das. Komm mit. Warum fragst du, Piggeldy?“

„Ich fürchte, es ist schon beinahe so weit, aber ich bin nicht sicher. Man hat ja keine Erfahrung damit. Die Römer kann man nicht mehr fragen, wann ihre Dämmerung begann. Ägypter, Griechen, Altchinesen. Geht ja nicht mehr.“

„Vielleicht hast du recht.“

„Womit?“

„Vielleicht haben wir es schon fast erreicht, das Ende.“

„Wann?“

„Als die Mächtigen begannen, nicht mehr bis in die übernächste Generation zu denken, sondern nur noch an die kommende Wahl. Als das schließlich zur gängigen Methode wurde.“

„Das müsste in den 70er, 80er Jahren angefangen haben, ja?“

„Und Parteien, die damals eigens von Leuten gegründet wurden, denen das auffiel, dass es nicht mehr um die Sache ging, sondern um Pfründe und Erbhöfe: sind heute selbst Teil des Systems.“

„Was für ein System?“

„Einer sagt, was er tun würde, wenn er an die Macht kommt. Wenn er dann an der Macht ist, tut er etwas ganz anderes und begründet das damit, dass die Verhältnisse nicht danach waren.“

„Das hauen ihm die Wähler nicht um die Schweineohren?“

„Die meisten Wähler betrachten Politik inzwischen wie Sportveranstaltungen. Es geht darum, wer gewinnt. Parteien sprechen im Wesentlichen darüber, wie sie mehr Stimmen gewinnen können, und Medien zeigen Tabellen, welche Politiker beliebt sind.“

„Was ist mit Inhalten?“

„Was meinst du damit?“

„Umweltschutz. Bildungspolitik. Dass Leute, die andere Leute pflegen, mehr Geld verdienen sollten als Leute, die anderer Leute Geld verpulvern. Wo sind die, die darüber nachdenken, die sich Konzepte für die Zukunft ausdenken, nicht Konzepte für sich selbst?“

„Die sind überall. Man hört ihnen nicht mehr zu.“

„Überall, nur nicht in den Parlamenten und Regierungen?“

„Doch. Aber dort hat man vereinbart, lieber darüber nachzudenken, wie man sein Territorium vor Leuten schützt, denen es viel schlechter geht. Damit die nicht zu uns kommen können.“

„Wer hat das veranlasst?“

„Leute, die von einer Minderheit bejubelt werden, weil sie Rassisten und Geschichtsfälscher sind. Die sagen, Adolf Hitler und die Nazis seien nur ein Vogelschiss gewesen.“

„Wie begegnet man denen?“

„Am nächsten Abend befragt man sie im wichtigsten deutschen TV-Nachrichtenmagazin ganz neutral und freundlich nach ihrer Meinung zur Flüchtlingspolitik.“

„Oh. Ja, das muss das Ende sein.“

Und Piggeldy ging mit Frederick nach Hause.

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