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Times mager Zeilen

Nachdenken, Schreiben, Feilen, Hadern, Ändern, Unglücklichsein, Nochmalvonvornbeginnen - ein Times mager ist richtig harte Arbeit.

Grübeln fürs Times mager
Grübeln fürs Times mager... Foto: imago

Viele Menschen haben schon oft ein Times mager gelesen, aber selten eins geschrieben. Kein Wunder. Das ist nämlich gar nicht mal von Pappe.

Man braucht dazu ein Thema, und es soll halbwegs interessant sein. Mitunter macht es einem Autor Spaß, einen Text zu schreiben, aber der Leserin und dem Leser keinen, ihn zu lesen. Dann hätte der Autor auch eine Karotte kauen oder Zeisige zählen können, es läuft auf dasselbe hinaus: ungelesenen Text. Ein anderes Mal macht es dem Autor keinen Spaß, einen Text zu schreiben, aber manchen Leuten gefällt er trotzdem. Ein trauriger Text vielleicht. Das ist auch mal erlaubt. Meist kommt man allerdings mit Spaß beim Schreiben weiter (außer Kafka und Strindberg).

Ist so ein Text fertig, muss er in die Zeitung passen, genau da, wo er hingehört. In unserem Fall beginnt er also irgendwo rechts oben und endet noch weiter rechts oder ganz unten, je nachdem. Das ist ja das Problem. Aber nur das eine Problem. Wir kommen erst einmal zum anderen Problem. (Sollte derweil dieser Text links unten stehen oder nirgends, weil er gegen jede Menge ungeschriebene Regeln verstößt, darunter die Regel, dass das Times mager sich nur ausnahmsweise mit sich selbst beschäftigen und sein Name eigentlich überhaupt nicht genannt werden sollte, dann Pardon.)

Das andere Problem: Damit der Text genau da hinpasst, wo er hinsoll, schreiben ihn manche Leute gern schon mitten in der Nacht direkt auf die Zeitungsseite. Nein, nicht auf das Papier, sondern in den Computer. Da stehen zwei Formate zur Auswahl: ein langes einspaltiges – das klassische Times-mager-Format. Und seit einiger Zeit auch die innovative zwei-, drei- oder gar vierspaltige Version. Welche wähle ich, wenn ich auf die ansonsten leere Seite schreibe und das Layout noch nicht kenne? Ja: Die lange einspaltige, weil da die Zeilenzahl immer dieselbe ist, während sie bei Mehrspaltigkeit variiert, der Text also womöglich gekürzt oder verlängert werden muss, damit er passt. So etwas kann böse enden.

Zurück zu dem einen Problem. Auf das Nachdenken, Schreiben, Feilen, Hadern, Ändern, Unglücklichsein, Nochmalvonvornbeginnen und schließlich nach 17 Stunden knotternd Sichzufriedengeben folgt zuletzt die Überschrift. Man fährt ganz nach oben und registriert zum hundertsten Mal: Ogottnein! Da sind ja zwei Titelzeilen als Standard vorgegeben! Eine Times-mager-Überschrift hat aber nur eine Zeile. Womit folglich eine Titelzeile zu löschen und – Sie ahnen es – der Text, den man dem Teufel in dieser und nur in dieser Version abgerungen hat, zwei Zeilen zu kurz ist.

Also noch zwei Zeilen dranschreiben. Aber woher nehmen?

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