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Times mager Wommen

Einst kannte man den „zähfließenden Verkehr“ als kleinen Bruder des Staus. Warum wurde er rausgeschmissen?

Berlin Berufsverkehr Stau im Tiergartentunnel Tunnel Verkehr *** Berlin commuter traffic traffi
"Zähfließender Verkehr" oder "streckenweise stockender Verkehr"? Foto: imago

Wrumm! Heute vor 75 Kilometern erfand Ignatius Opel, ein Nachfahre Adams, das Begriffstriumvirat „streckenweise stockender Verkehr“. Nein – gar nicht wahr. Gelogen. Aber interessant wäre es schon zu wissen, wer auf den Zungenbrecher kam, der täglich in den Morgen- und Abendstunden so lang wiederholt wird, bis ganze Radiosprecherherden ausgetauscht werden müssen, die Zungen in Gips.

Einst kannte man den „zähfließenden Verkehr“ als kleinen Bruder des Staus. Warum er rausgeschmissen wurde: mysteriös. Nicht, dass man von Verfehlungen gehört hätte. Zähfließender Verkehr verursachte keine schlimmen Unfälle, jedenfalls nicht annähernd in dem Ausmaß, das Stauenden vorgeworfen werden muss, zumal in schwierigem Gelände: „Vorsicht – das Stauende liegt hinter einer Kuppe!“

Irgendwann glaubte man in den Funkhäusern, die Rettung sei nahe, und begann die Litanei einfach mit der Überschrift: „Stau oder stockender Verkehr auf folgenden Autobahnen“, um anschließend Landstriche herunterzurattern, die es vermutlich nur im Radio kurz nach den Nachrichten gibt. Würzburg-Kist und Randersacker. Wiesloch-Rauenberg. Schwerte-Ergste. Doch dann erwies sich, dass der fahrwütige Mensch offenbar auf Details besteht. Er will unterschieden wissen zwischen Stillstand und Stagnation. Stehst du schon, oder stockst du noch?

Anders als der Stau könnten Zähfließender Verkehr und auch Streckenweise Stockender Verkehr durchaus, wenn wir sie vorne großschreiben, die Namen von Angehörigen amerikanischer Ureinwohnervölker sein, wie sie in Spielfilmen aus den 60er Jahren üblich waren. „Gehe in Frieden, mein Bruder Streckenweise Stockender Straßenverkehr! Und grüß mir bitte Deinen Onkel Spanngurt Auf Der Fahrbahn!“

Denn ein weiteres Mysterium ist bekanntlich die Gefahr, die von verlorenen Spanngurten ausgeht. Kürzlich wurde sogar ein Schuh („Vorsicht!“), der auf irgendeiner Autobahn lag, im Radio öffentlich ausgeschellt. Für wen? Für Motorradfahrer womöglich. Die kann ein herrenloser Schuh bös aus dem Gleichgewicht bringen. Aber haben Motorradhelme heute serienmäßig Verkehrsfunk an Bord? Wünschenswert wär’s.

Köln-Bocklemünd. Haiger-Burbach. Kirchheim (Teck). Ach, Lyrik des Berufsverkehrs. Nach der Maueröffnung war auch die „Anschlussstelle Wommen“ in aller Radiosprecher Munde. Das ließ dann leider nach. Schade. Man konnte so gut einen Song von John Lennon darauf singen. „Wommen – please let me explain/I never meant to cause you sorrow or pain/So let me tell you again and again and again/I love you. Well well. Dududu duduuu.“

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