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Times mager Verstrahlt

Besser wäre es, mit dem Aluhut in die Muckibude zu gehen. Sähe aber bekloppt aus.

Chemtrails
Chemtrails tarnen sich als Kondensstreifen hinter Flugzeugen und dienen entweder als Mittel gegen den Treibhauseffekt oder gegen die Bevölkerung, je nach gesellschaftspolitischem Standpunkt. Foto: rtr

Die Großmutter eines Bekannten hatte stets plausible Begründungen für bis dato unerklärte Gemütszustände. Ging es ihr, dem Bekannten oder sonst jemandem schlecht, lag dies daran, dass die Russen ein nicht näher definiertes Gas über die Grenze gesprüht hatten. Und zwar mit Karacho, denn besagte Großmutter lebte im Saarland.

Inzwischen wissen wir von diversen weiteren Bedrohungen unserer Gesundheit, haben aber auch Abwehrmechanismen entwickelt, darunter Aluhüte, abgeschirmte Hundehütten und blinkende Kopfhörer.

Der Aluhut schützt, wie jeder weiß (außer dem Rechtschreibprogramm) vor Chemtrails. Dabei handelt es sich um chemische Substanzen, die man sogar sehen kann: Sie tarnen sich als Kondensstreifen hinter Flugzeugen am Himmel und dienen entweder als Mittel gegen den Treibhauseffekt oder gegen die Bevölkerung, je nach gesellschaftspolitischem Standpunkt. Um sich zu schützen, gibt es zwei Varianten:

1.) Man trägt einen Hut aus Aluminium, den Aluhut, der zwar wirksamer gegen Strahlung erscheint als gegen eine herabsickernde Chemikalienwolke, aber was willst du sonst machen. 2.) Man glaubt den Chemtrails-Kokolores erst gar nicht.

Wo wir gerade bei Strahlung waren: Das Unternehmen Steve Dogs kombiniert seine Verehrung für den Apple-Gründer Steve Jobs und für Hunde in einem Firmennamen. Insofern ist sein aktuelles Produkt ein Vorbild an Konsequenz, denn die strahlungssichere Hundehütte „Bellfugio“ schützt die einen (Vierbeiner) vor den Produkten des anderen (Mobilfunkzeugs etc.).

Wem das alles vollverstrahlt vorkommt, der hat noch nie einen Zeitraum von mehr als zehn Minuten in einem Fitnessstudio verbracht, das mit sehr günstigen Monatstarifen wirbt. Die meisten Menschen sind nach spätestens zehn Minuten für immer aus einer solchen Einrichtung entflohen. Wer bleibt, wird bald das Bedürfnis haben, sich gegen Immissionen zu wappnen, vor allem gegen die Urschreie von Little Rocky und Conan, dem Vorstadtbarbaren, beim Bankdrücken.

Nur womit wappnen? Hier: Aus Dänemark expandiert eine Ladenkette zu uns. Sie bietet stufenlos verstellbaren Schnickschnack zum Kauf an, aber auch Hilfreiches sehr günstig. Es gibt dort Kopfhörer, die sich kabellos mit dem Smartphone verbinden lassen, für ein Smørrebrød und ein Ei. Wer das Gerät beim Sport aufsetzt, hört kaum noch die Barbaren. Gut, man verstrahlt sich halt selbst dabei, und der Kopfhörer blinkt, wenn man zufällig in den Spiegel schaut, wie die Lightshow in der Disco. Aber ein Aluhut in der Muckibude würde ja noch bekloppter aussehen.

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