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Times mager Verboten

Liebe ist als Zutat in den Frühstücksflocken eigentlich ungefährlich - oder?

Nashoba Brook Bakery
Frühstücksflocken ohne Liebe - die Nashoba Brook Bakery hat das immer anders gehandhabt. Foto: Imago

Liebe, das hat in diesen Tagen die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) entschieden, kann keine Zutat in Frühstücksflocken sein. Eine Bäckerei in Concord, Massachusetts, wurde verpflichtet, „love“ aus der Liste der Inhaltsstoffe zu nehmen. Jedenfalls aus jener amtlichen, wie sie auf der Granola-Packung abgedruckt ist. Heimlich darf die Nashoba Brook Bakery bestimmt noch die eine oder andere Prise Liebe dazugeben, schließlich behauptet auch die FDA nicht, dass „love“ eine gesundheitsgefährdende Zutat ist. Wo man sich doch sogar, wie schon die Beatles wussten, allein von Liebe ernähren kann. Die FDA formulierte aber: Liebe könne in einer Frühstücksmischung nicht als „intervenierendes Material“ betrachtet werden.

Die Nashoba Brook Bakery versicherte, man werde der Anordnung selbstverständlich nachkommen. Doch finde man sie doch „ein wenig albern“. Denn erstens solle „love“ die Kunden nur zum Lächeln bringen. Zweitens stehe diese, nun ja, ideelle Zutat seit 20 Jahren, seit man die Frühstücksflockenmischung herstelle, auf der Packung. Und noch niemand habe Schaden genommen. (Drittens, hätte die Firma hinzufügen können: Vielen Dank für die kostenlose Werbung!)

Viertens: Hätte nicht gerade die FDA, in deren Namen ja auch die Drugs (Drogen bzw. Medikamente) stehen, einsehen müssen, dass die Liebe eine, wenn nicht die Droge (siehe Roxy Music: „Oh oh can’t you see / Love is the drug for me“) und also durchaus „intervenierend“ sein kann? In mehr als der Hälfte der Werke der Weltliteratur, so eine aktuelle Schätzung, wird sie für Interventionen sogar benötigt.

Odysseus wäre bei Kirke hängengeblieben, hätte er nicht irgendwo immer noch an seine Penelope gedacht. Titania und Oberon hätten die Erde im Streit verwüstet („Leer steht die Hürd auf der ersäuften Flur, / Und Krähen prassen in der siechen Herde“), wären sie nicht nach wie vor scharf gewesen aufeinander. Romeo und Julia könnten noch am Leben sein ... äh, hätten im Kreise ihrer Familien alt werden können, hätte die Liebe nicht in ihrem Leben fatal interveniert. Gleiches gilt für Gretchen, Madame Bovary, Anna Karenina. Dorian Gray musste sich sogar in sich selbst verknallen, um seine Seele verkaufen zu können. Und Tristram Shandy hätte gar nicht erst von seiner Zeugung erzählen können, wenn bei seinen Eltern nicht vorher ebenfalls eine Prise Liebe eingegriffen hätte.

Erschreckend, den Gedanken zu Ende zu denken: Ohne Liebe gäbe es vermutlich heutzutage noch nicht mal eine Food and Drug Administration. Allerdings: erschreckend für wen eigentlich?

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