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Times mager Vampire im Schlafzimmer

Vor 120 Jahren kam Bram Stokers Roman „Dracula“ heraus. Aber unangenehmer als der Blutsauger war langfristig doch eigentlich dieser Van Helsing.

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Erlösung durch harte Metzgerarbeit: Peter Cushing als Doktor Van Helsing (rechts) setzt dem vampirischen Treiben ein Ende. Foto: imago

Gefahren, die nachts an die Betten schlafender Bürgerinnen und Bürger herantreten, erscheinen in einem besonders unerquicklichen, nämlich allzu gedämpften Licht. Dazu kommen die kampfungeeignete, nämlich sehr leichte Bekleidung, die schlappe Muskulatur, die lange Leitung, die das erfolgreiche Eintreten der Gefahr begünstigen. Dass überhaupt Licht da ist, verdankt sich der Tatsache, dass es sich hoffentlich bloß um eine Filmaufnahme handelt. In Wirklichkeit ist es noch dunkler. Darum wurde und wird weit mehr über Vampire nachgedacht als beispielsweise über Haushaltsunfälle im Alltag. Wie das Wort Alltag schon sagt, ist es dann hell und jeder muss auf sich selbst aufpassen. Im Dunklen hingegen muss der Vampirjäger beizeiten angereist sein, damit er hellwach hinter der Tür lauert, und zwar nicht mit einem Schießgewehr. Dazu ist der Vampirjäger zu informiert und zu gerissen.

Tatsächlich ist die Art, wie Vampire, äh, umgebracht werden, unschön. Von einer Metzgerarbeit spricht der Namhafteste seiner Zunft, Abraham Van Helsing, der auch einer jungen Dame diesen komplizierten Garaus machen muss. Das sei schrecklich gewesen, versichert er. Von Erlösung ist die Rede, aber der Psychoanalytiker wird daran ebenfalls seine Freude haben.

Ja, das ist auch sehr unangenehm, dass Vampire ansteckend sind. Mit ihren Opfern sind sie häufig längst per Du, so dass es nichts helfen würde, das Schlafzimmer abzuschließen. Vampire müssen nicht durch Mauern gehen, sie sind schon drin. Und legen sich mit Heirat und Tändelei einen kleinen Vorrat an.

Aber wie kommen wir nur auf ein so nervenaufreibendes Thema? Weil am 18. Mai 1897 Bram Stokers Roman „Dracula“ herausgekommen ist, nicht der erste Auftritt eines Vampirs in der Literatur, aber der folgenreichste. Vor allem ist der Ire Stoker der Erfinder des schon erwähnten Van Helsing, der über die Jahrzehnte immer schillernder wurde, der Vampir unterdessen immer – sympathischer. Gewissermaßen folgt er seiner Natur, ist ein Einzelgänger, der auch nur, äh, leben will. Aber nein, nichts darf er, gleich kommt wütendes Volk mit Heugabeln. Und irgendwer ruft schon diesen Typen an, der sich in das Thema total verbissen hat. Mischt sich in abschlächterischer Absicht in Sachen, die ihn nichts angehen.

Man sieht, wie rasch es hier auf schlüpfriges Terrain geht. Wenn auch Vampyre Sie interessieren, lesen Sie bitte in der FR von morgen mehr darüber.

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