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Times mager Urlaubsalltag

Die Erde ist für die kommenden Urlaubstage auf 400 Kilometer Abstand gebracht.

ISS
Man schaut sich um, man schwebt. Im All ist das der Aggregatzustand, der 360-Grad-Blick ist inbegriffen. Foto: afp

Nun denn, ab in den Weltraum, war immer schon ein Traum, nicht als Fototapete an der Wand, sondern als Rundumansicht. Rundumversorgung wäre überhaupt ein Stichwort, geht es doch um die kostbarste Jahreszeit, den Urlaub. Mag sein, dass es damit für die eine oder andere Familie, wenn es denn eine größere ist, doch ein wenig teuer wird. Denn die Preise, die im Raum stehen, sind exorbitant. Völlig losgelöst, 55 Millionen Dollar für zehn Tage, p. P. Ein Traum?

Eine „radikal andere Erfahrung“ verspricht der Reiseveranstalter, der seinen Sitz in Houston hat, und von hier aus die Geschicke lenkt, nämlich die Unterbringung in einem Weltraumhotel. Mit einiger Fantasie, und Fantasie gehört sowieso dazu, muss man sich den Aufenthaltsort als eine Kapsel vorstellen, die an die Weltraumstation ISS angedockt wird. In rund fünf Jahren soll die Sache perfekt gemacht worden sein.

Zur radikal anderen Erfahrung gehört allerdings, dass ein Urlaub in der Schwerelosigkeit richtig aufreibend ist. Urlaub im All ist weniger Urlaub als vielmehr Extremurlaub, dem ein gut zweiwöchiges Training auf Erden vorausgeht. Anschließend erst wird die Beförderung (was man so Beförderung nennt) vorgenommen. Ankunft. Begrüßung, der erste Drink. Wer bekommt welches Zimmer? Zimmer?

Die Erde ist für die kommenden Urlaubstage auf 400 Kilometer Abstand gebracht, Entfernung zum Alltag ist ja wichtig für den Urlaubs-All-Tag. Man schaut sich um, man schwebt. Im All ist das der Aggregatzustand, der 360-Grad-Blick ist inbegriffen. Ein Grand-Hotel-Abgrund-Gefühl über dem blauen Planeten womöglich auch.

Wie vergeht so ein Tag? Sinnvoll, erquickend? Traumhaft? Wie lässt sich die blaue Stunde gestalten? Wird der eine oder andere Weltraumurlauber vielleicht die Seele baumeln lassen, geradewegs zum Panoramafenster hinaus? Gibt es wegen des Fensterplatzes womöglich Streit, weil kein Weltraumeroberer etwas versäumen möchte? Die Seele nähme wahrscheinlich übel, wenn sich das Gefühl einschliche, etwas verpasst zu haben. 55 Millionen Dollar und ein schales Gefühl, ausgerechnet in der Schwerelosigkeit? Mehr, mehr, lautete bereits der Forderungskatalog des „Kleinen Häwelmann“. Mehr, mehr, was heißt das für das innere Gleichgewicht an diesem Ort, das innere Weltraumgleichgewicht?

Der Tag schreitet voran, die Tageszeiten gleiten vorbei, irgendwann müde, geht der Hotelgast zur Ruh’. Hüpft ihm das Betthupferl davon? Um im Schlaf nicht dahinzuschweben, wird der Körper fixiert. Der Schlafende muss im Weltraumurlaub keine Erfahrung missen. Mehr, mehr. Irgendwann ein unruhiger Traum, mehr, ein Weltraumtraum. Schwebend oder – mehr – bleischwer?

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