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Times mager Urlaub

Möwen zählen? Möwenschisse zählen? Statuen zählen? Im Urlaub macht der Mensch seltsame Dinge.

Pula
Das ist einfach: Es handelt sich um genau eine Möwe. Foto: Imago

Der Seinszustand eines Urlaubs kann es mit sich bringen, dass die Urlauberin für eine Weile auf einer Bergspitze sitzt. Durchaus länger auf der Bergspitze sitzt. Dies, obwohl es dort nur Steine, Staub, Wind, Sonne, Wolken gibt. Dies, weil es dort nur Steine, Sonne, Wolken und Wind gibt. Und Letzterer ab und zu den Schrei von Möwen hochträgt.

Der Seinszustand eines Urlaubs kann es mit sich bringen, dass die Urlauberin es einfach nur lustig findet, dass zwischendurch genau das Wetter herrscht, das alle Verwandten und Freunde ihr für ihr Urlaubsziel vorhergesagt hatten. Das Hotel hat für solche Fälle (also dafür, dass das Wetter mal nicht „ungewöhnlich“, „unüblich“, „untypisch“ ist) zwei Trockner. Die Hotelangestellte stopft alles in eine der großen Trommeln und zuckt auch bei den Socken, drei Tage benutzt, mit keiner Wimper.

Es kann außerdem nur an einer speziellen Geistesverfassung liegen, dass die Unterhaltung mit einer US-Amerikanerin – eine Unterhaltung, die von A wie Adler (dieser leibhaftig vorhanden, wenn auch ziemlich weit weg am, na klar, unüblich blauen Himmel) bis zu Z wie Zahnreinigung reicht – vier Tage lang nicht ein einziges Mal auch nur zu einer Erwähnung des Namens T. führt. Am fünften Tag stößt ein Mensch dazu, der nicht im Urlaub ist, und sieben Sekunden später fällt der Name T. Die Amerikanerin schaut in den blauen Himmel („untypisch“) und tut so, als habe sie nichts gehört.

Es kann nur an einer besonderen, besonders angenehmen Art der U-Langeweile liegen, dass die Urlauberin in der fremden Stadt beginnt, eine kleine Statistik darüber aufzustellen, welchen Statuen die Möwen auf den Kopf scheißen dürfen (den meisten) und welche Berühmtheiten (auf dem Pferd, ohne Pferd) Landeplatz-Abwehrstacheln erhalten haben. Allerdings macht ein Stachelbündel auf dem Kopf den Träger nur um weniges distinguierter als weißkalkige Rinnsale.

Allerdings macht auch ein schwarzes, im warmen Wind („ungewöhnlich“) sanft sich bauschendes Cape seinen jungen Träger nicht, äh, geheimnisvoller? Gruseliger? Vampirähnlicher? Obwohl, blass ist der junge Mann. Mithin womöglich hungrig – Vorsicht. Aber er muss doch auch eine seltsam dekorierte Stange die ganze Zeit hochhalten, damit er seine Reisegruppe nicht verliert.

Die Urlauberin sieht ihn später, immer noch eifrig und in der Sonne schwitzend – obwohl, das Schwitzen muss sie sich denken, denn sie ist nun oben auf dem beliebten Aussichtshügel der Stadt. Mitten in der Hügelmitte liegt zwischen Steinen und Staub ein rosa Flip – oder ist es der Flop? Aber wie ist die Trägerin mit nur einem Flip – oder war es der Flop? – hinuntergekommen?

Selbstverständlich denkt eine Urlauberin aus Prinzip keine Sekunde darüber nach, wie diese Flip-(Flop-?)Geschichte verwertet werden könnte.

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