Lade Inhalte...

Times mager Untergang

Immer wieder gern genommen und vielfältig verwendet wird der Satz: „Das ist der Untergang des Abendlandes“.

Pusteblume
Ist das schon der Untergang des Abendlandes? Foto: imago

Das Abendland hat seit 100 Jahren Karies, und wir wissen alle, was das bedeutet: Es ist nichts mehr zu machen. Sie kennen das vielleicht vom Zahnarzt: Es zwickt unten rechts, der Doktor guckt, und er spricht sie aus, die böse Nachricht: Der ist nicht zu retten. Ende. Aus. Untergang.

Und dann dieser Spätnachmittag an einem der ersten Frühlingstage. Die Menschen saßen im Freien, sie taten sich gütlich an Kaffee und Kuchen und den leicht bekleideten Passantinnen und Passanten jeder Herkunft und Farbe, aber plötzlich tönte es von einem fernen Tisch: „Du musst bedenken, dass der Untergang des Abendlandes sowieso nicht mehr aufzuhalten ist.“

Der Mann hatte eigentlich mit seiner Tischnachbarin gesprochen, aber er redete so laut, dass die Nachricht alle Anwesenden, ja sogar die ahnungslos Vorbeischlendernden erreichte: Der Untergang des Abendlandes ist nicht mehr aufzuhalten.

Ging es mal wieder um Unordnung, Ausländer und schwindende Werte? Oder um Löwenzahn (siehe unten)? So oder so, es war ein Schock. Zwar ist bereits vor 100 Jahren der erste Band von Oswald Spenglers „Der Untergang des Abendlandes“ erschienen, aber wer glaubt schon so was?

Dass Zucker schlecht für die Zähne ist, das weiß man auch schon lange, und trotzdem fallen nicht gleich alle aus, höchstens mal einer oder zwei. Und wenn schon glauben, dann doch wohl eher dem Zahnarzt als den Rettern des Ariertums, bei denen es ohnehin eher chronisch unten rechts zwickt.

Beruhigend allerdings, dass sich die Nachricht vom Untergang des Abendlandes am Morgen danach noch nicht weiter verbreitet hatte als sonst auch. Google informierte über einen Sexualforscher, der eine Zunahme des Pornokonsums bei Jugendlichen bestätigte, aber hinzuzufügen wusste: „Das ist nicht der Untergang des Abendlandes“ (Focus online). Andererseits berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ aus Wartenberg im Landkreis Erding: „Löwenzahn ist je nach Ansicht entweder eine Nektarquelle für Bienen, eine nette Pusteblume für Kinder oder eben gerade deshalb – wegen der weit fliegenden Samen – für viele Gartenbesitzer der Untergang des Abendlandes.“

Das Times mager rät, und zwar aus Sicherheitsgründen sowohl Heranwachsenden als auch Gartenbesitzern: Man hüte sich vor weit fliegenden Samen. Die Umvolkung der Gartenflora steht unmittelbar bevor. Reißen wir dem Löwenzahn die Pusteblumen-Maske vom Gesicht! Von Pornografie ganz zu schweigen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen