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Times mager Unter Strom

Noch denkt der, der nach der richtigen Bahn gefragt wurde, laut nach. Da orientiert sich der Fragende schon um.

Bahnverkehr
Ob das die richtige Bahn ist? Foto: imago

Ja, doch, sagt man, und schon weiß man, dass man sich auf mehr als nur eine Frage eingelassen hat, auch wenn das Doch, dieses „doch“, nicht mal zuversichtlich klingt, eher zögerlich. Ja, doch, denn man kenne sich wohl aus in der Stadt, sagt man, beantwortet die Frage vielleicht wirklich eine Spur zu zögerlich, weil man bereits mit dem Gedanken beschäftigt ist, dass es gar nichts heißt, sich auszukennen in der Stadt, sobald man sich nicht mehr in ihr befindet, sondern unter ihr. Denn in einer U- und S-Bahn-Station ist doch vieles anders als in der Stadt, einige Rolltreppen und etliche Treppenstufen entfernt, ja, eben. Ja, doch, man muss irgendwie ein oder zwei Sekunden Zeit gewinnen, um laut nachzudenken, während man auch noch sagt Moment, und das sagt man nicht nur sich selbst, sondern aus Höflichkeit, um den Fragenden nicht einfach unbeantwortet stehen zu lassen oder wie dumm, sondern um sich über die Antwort klar zu werden, damit auch über die Dimension der Frage, also auch über das Ausmaß einer falschen Antwort, ob denn die folgende S-Bahn auch bis zur Station X fahre, auf ihrer Fahrt Richtung Z.. (Z., um es in Klammern zu sagen, steht nicht für Zwischenstopp, sondern für Zielbahnhof.)

Ja, zweifellos, sagt man und überlegt gewissermaßen laut, und weil es immer gut ist, Gesprächspartner in das Gespräch einzubinden, überlegt man gemeinsam mit der ortsfremden Person, ob denn die S-Bahn wohl auch Richtung X gehe, also fahre, berichtigt man sich, weil die eingebundene ortsfremde Person nun lächelt, etwa spöttisch? Oder weil sie das Vertrauen verloren hat, in die gemeinsamen Überlegungen, in den Befragten, dessen S-Bahn-Kenntnisse, so schießt es einem durch den Kopf. Aber gut, sagt man, und dieses „aber“ ist eine Antwort auf das Lächeln, mit dem man jetzt fertigwerden muss, und wie auch immer das mit dem Wort „aber“ gelingt (das ja nicht nur eine Konjunktion ist, sondern auch einen Einwand signalisiert, was man in dieser Form nicht parat haben muss, um dennoch irritiert zu sein), bleibt mittlerweile doch unabänderlich, dass eine S-Bahn einfährt, in die Station unter der Stadt.

Entschuldigung, sagt der Ortsfremde, und das ist nicht selbstverständlich, möchte er einen doch nicht einfach unverrichteter Dinge stehen lassen, wie man jetzt bei sich denkt, denn der Ortsfremde könnte ja auch unhöflich reagieren oder unwirsch, je nachdem, es gibt da mehrere Möglichkeiten, denkt man, und schaut dem Fremden, eben noch ein Gesprächspartner, hinterher, während er sich an eine weitere Person wendet, vor der sich öffnenden S-Bahn-Tür, um sich zu erkundigen, Sie wissen schon.

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