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Times mager Unfassbar

Wo ein Sieger ist, steht es von vorneherein mindestens 1:0. In diesem Fall für Russland, das Land des ehemaligen Geheimdienstmannes und Geheimagenten der internationalen Politik, Wladimir Putin.

WM
Am Flughafen Samara grüßt ein Bär mit Ball. Foto: afp

Geht es um den Sieger, sieht’s doch in aller Regel so aus, dass sich alle Blicke auf ihn richten. Nein, kein Boykott des Siegers. Wo doch der Sieger ein Objekt ist, zu dem man aufschauen kann, an dem sich der Antisieger, soeben noch zu Tode betrübt, aufrichten kann. Der Sieger ist die Gestalt, an der sich manche Jammergestalt seufzend anlehnen kann. Wo ein Sieger ist, muss sich der Schwächling nicht schämen. Weil er doch himmelhoch jauchzen kann. 

Unfassbar!

Ja, wo ein Sieger ist, steht es von vorneherein mindestens 1:0. Nicht erst bei diesem Stichwort muss man erklären, worum es längst geht – denn wo sonst herrscht eine solche Hingabe wie bei dem Spiel schlechthin, dem Fußballspiel. Weltweit die meisten Stadionbesucher, die unbegreiflichsten Fans, die unfassbarsten TV-Konsumenten. 

So sehen Sieger aus!

Dass es sich bei der Fußballweltmeisterschaft, die in diesen Tagen in Russland angepfiffen wird, um die „beste WM aller Zeiten“ handeln wird, hat der Fifa-Präsident bereits vorab so festgelegt, auch wenn dieser Funktionär, wie man wegen verschiedener Fifa-Affären sagen muss, ein alles andere als glaubwürdiger Mann ist. Ein Unfassbarer? Ein auf jeden Fall undurchschaubarer Mann, dem die unergründlichsten Staatsmänner der Welt unbedingt auf die Schultern klopfen. Denn dieser Siegertyp ist ja nicht nur eine Ausnahmeerscheinung, sondern auf jeden Fall ein Geschäftsmann. Eine Hand wäscht die andere. 

So kommen zwei Sieger raus.

Dass diese Fußball-WM, die Ende der Woche in Russland angepfiffen wird, nicht die letzte WM aller Zeiten sein wird, ist aber heute auch schon irgendwie klar. Schon an dem Tag des Endspiels von Russland ist es ausgemachte Sache, dass man vier Jahre später in Katar weitermacht, Menschenrechte hin oder her, einfach so. Selig wird sich die Fußballwelt 2022, dirigiert von einem unmenschlichen Regime in Katar, choreografiert von einer unsäglichen Fifa, an ein unfassbares Turnier in einem so unvorstellbaren Land wie Russland erinnern. 

Was aber heißt das für den Sieger? Heißt das, dass das Land des ehemaligen Geheimdienstmannes und Geheimagenten der internationalen Politik, Wladimir Putin, dem Geheimfavoritenstatus Russlands gerecht wurde, angefangen mit dem Geheimfavoritenstatus auf Misshandeln der Menschenrechte? Oder wird der krasse Außenseiter Katar bloß krass unterschätzt? Wird es, wo es doch um so unumstößliche Säulen wie Korruption, Misshandlung der Meinungsfreiheit, Willkür über Leib und Leben, am Ende heißen 1:0 für Russland. 

Gegen Katar? So sehen unfassbare Endresultate aus.

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