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Times mager Tropfen

Woher weiß man, ob der Mond zu- oder abnimmt? Und wie viele Tage ein Monat hat? Na?

Zunehmender Mond
Nimmt er nun ab oder zu? Foto: rtr

Die wesentlichen und unwandelbaren Dinge wissen viele von uns womöglich doch von ihren Müttern. Wie man das Haus vom Nikolaus zeichnet. Dass die Erde um die Sonne kreist, und der Mond um die Erde. Dass man an den Handknöcheln abzählen kann, ob ein Monat 30 oder 31 Tage hat. Dass der abnehmende Mond die Form eines A hat, und der zunehmende die Form eines Z. Der zunehmende Mond hat die Form eines Z? Ja, eines Schreibschrift-Z. Der abnehmende Mond hat die Form eines A? Ja, eines Schreibschrift-A. Jede Generation hat neue Fragen, klar.

Andere wesentliche und unwandelbare Dinge blieben rätselhaft. Heute: Warum ist der einzeln aus dem Wasserhahn fallende Tropfen so unverhältnismäßig laut? Denn hierzu gab man uns stets eher wahrnehmungspsychologische Hinweise: Die Stille ringsumher. Die übermäßige Konzentration auf ein an sich läppisches Geräusch. Die Erwartung jenes Geräuschs, das gleichwohl auf sich warten ließ und gerade darum die Aufmerksamkeit ins Unerträgliche steigerte – hier letztlich allein einem Hickser vergleichbar, bei dem es wiederum womöglich doch die Mütter waren, die uns beibrachten, wie er wieder verschwindet (und die uns dafür irrsinnig erschreckten, umso mehr, als es gar nicht Art der meisten Mütter ist, ihre Kinder irrsinnig zu erschrecken).

Nun aber die Erkenntnis britischer Forscher der Universität Cambridge, die mithilfe von Hochgeschwindigkeitskameras und von Unterwassermikrofonen feststellen konnten, dass das unweigerliche Ploppgeräusch aus dem Hahn nicht lediglich durch den Aufprall des Tropfens auf einer Wasseroberfläche entsteht. Vielmehr bildet sich dabei eine winzige Luftblase, die zum betreffenden Ton führe. Bereits eine geringfügige Veränderung der Oberflächenspannung – etwa durch einen Tropfen Spülmittel –, verhindere das, so die Experten.

Nun kann einen das auch gleich wieder nervös machen. Zwar bildet man sich das alles nicht nur ein, dafür platzen aber nun permanent Ballönchen. Mit Vorliebe in Nachbars Garten. Um den Spülmitteltrick auszuprobieren, müsste man jetzt also sofort einen tropfenden Wasserhahn haben. Entsprechende Versuche, leider ohne extrem sensitive Robotergreiffinger, haben ergeben, dass es praktisch unmöglich ist, einen Wasserhahn auf tropfend einzustellen.

Wir bleiben damit im Bereich der wesentlichen und unwandelbaren Dinge, hier der Tücke des Objekts. Zwar hat erst Friedrich Theodor Vischer sie beim Namen genannt, aber gewiss ist sie älter als die Menschheit. Schmackhafte Urkokosnüsse dürften schon verärgerten Dinosauriern auf den Kopf gefallen sein.

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