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Times mager Total peinlich, für die Zeitumstellung zu sein

Wer die Zeitumstellung in der Tiefe seines Herzens mag, wer es schätzt, wenn Sommer und Winter sich durch eine einzige Nacht deutlich voneinander trennen, der ist so aus der Zeit gefallen, dass er sich schämen sollte.

Schreibtischlampe
Auch wenn die Winterzeit abgeschafft wird, wird es früh morgens kaum ohne ein Lämpchen gehen. Foto: imago

Im Kegellicht der Schreibtischlampe gegen 6 Uhr an einem allerdings etwas trüb geratenen Montagmorgen Anfang September fällt es schwer, dem momentanen Trend zur Abschaffung der Winterzeit ins Auge zu sehen. Es ist halt noch verdammt dunkel. Auch verstrickt man sich zu tranig in Berechnungen darüber, wie sich das im Dezember darstellen wird. Man sieht bloß, dass die locker diskutierte Frage, ob bei einer wahrscheinlichen Abschaffung der Zeitumstellung die Sommer- oder die Winterzeit beibehalten werden soll, etwas geschichtsvergessen erscheinen kann, spricht sie doch nicht aus, dass der zweite Fall ein beiläufiger Wechsel von der MEZ zur  nächsten Zeitzone wäre. Klar kann man das machen. Folgerichtiger wäre es allerdings, künftig im Sommer nach 21.30 Uhr wieder im Dunkeln zu grillen. Folgerichtiger, aber auch trauriger. Kein lebenslustiger Mitteleuropäer hätte das im sonnigsten Sommer fast aller Zeiten begrüßt.

Undenkbar hingegen ist es, angesichts der volkswirtschaftlichen Lage des Landes sowie der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger für eine Fortsetzung der Zeitumstellung zu sein. Wer die Zeitumstellung in der Tiefe seines Herzens mag, wer es schätzt, wenn Sommer und Winter sich durch eine einzige Nacht deutlich voneinander trennen, wer es liebt, im Sommer nach dem Theater den Sonnenuntergang zu betrachten und dennoch im Winter beim Verlassen des Hauses den Tag schon zu ahnen, wer sich womöglich sogar gerne eine Stunde stehlen lässt, um sie ein paar Monate später garantiert wieder zurückzubekommen, der ist so aus der Zeit gefallen, dass er sich schämen sollte. Stattdessen hat sich die pflichtvergessene Person in der Zeitung über den Tod von Hans Beimer informiert und wieder begriffen, dass es eh keine Stabilität auf der Welt gibt. Die Lindenstraße – fast so alt wie die Zeitumstellung – seit geraumer Zeit (ich sag mal: 30 Jahren) nicht mehr selbst zu sehen, heißt ja nicht, dass man sich nicht auf sie und ihre Bewohner verlassen hätte. Es ist doch, als wäre Anna Ziegler gestern erst eingezogen.

Hans Beimer von der Lindenstraße

An Tagen also, an denen die achtziger Jahre auf einmal so unheimlich lange her sind, ist es schön zu lesen, dass Kaugummiautomaten nach wie vor ein Geschäft sind. Jedenfalls eines, mit dem man, ist man nur recht fleißig, sich und seine Familie über Wasser halten kann. Die Deutsche Presse-Agentur hat einen Bericht aus dem Herzen der Branche geschickt, unter anderem erfährt man, dass die Automaten in Kinderhöhe angebracht werden und darum Erwachsenen oft entgehen. Sie funktionieren weiterhin rein mechanisch. Wir werden die Augen offen halten, wenn es nachher einigermaßen hell ist.

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