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Times mager Subjekte

Das Times mager, es ist den Menschen im Radio auf eine Marotte gekommen.

Seehofer
Das aktuelle Times mager, es hat seine Antennen am Puls der Zeit und weiß deshalb Bescheid: Bundesinnenminister Seehofer, der hat nämlich wieder Unsinn geredet. Foto: rtr

Dieses Times mager, es beschäftigt sich mit suspekten Subjekten. Kaum war dieser Satz geschrieben, da musste das Times mager unterbrochen werden, denn es bestand an anderer Stelle Bedarf an einem kurzen Text zum Thema Kolumbien. Kaum war nun wiederum dieser begonnen, meldete sich der Computer, und die Rechtschreibprüfung, sie machte einen interessanten Vorschlag.

Es ging um einen Text, in dem einerseits der neue kolumbianische Präsident Duque vorkommen sollte, der den Frieden mit der ehemaligen Guerilla aufzukündigen gedenkt, und andererseits eben die Guerilla, also die ehemals „revolutionären“ ehemaligen „Streitkräfte“ von der „Farc“. Die Rechtschreibprüfung, die schlug erst vor, aus Duque „Dumme“ zu machen, und dann schlug sie vor, die Farc durch „Farce“ zu ersetzen.

Dieser Gedanke, er war wirklich faszinierend, denn die Rechtschreibprüfung, sie schlug ja nichts anderes vor, als die aktuelle politische Situation Kolumbiens als „Dumme Farce“ zu bezeichnen, was von der Wahrheit nun so weit auch wieder nicht entfernt war. Zumal nicht ganz auszuschließen sein dürfte, dass sowohl im Duque- als auch im Farc-Lager das eine oder andere suspekte Subjekt sein Unwesen treiben dürfte.

Dieser Übergang, er war nun relativ elegant, finden Sie nicht auch? Denn die Grundidee dieses Times mager, sie bestand ja, wie Sie vielleicht schon bemerkt haben, gar nicht in der Behandlung kolumbianischer, sondern grammatikalischer suspekter Subjekte.

Im Radio vor allem hat sich seit Jahren die Marotte eingeschlichen, dem Subjekt eines Satzes ein unmotiviertes Luftholen mit anschließender Wiederholung des Subjekts in veränderter Form folgen zu lassen. Es heißt nun nicht mehr „Der Bundesinnenminister hat wieder Unsinn geredet“, sondern „Der Bundesinnenminister, er hat wieder Unsinn geredet“.

Das Times mager, es nimmt an, dass es sich bei dieser Marotte um eine Fehlentwicklung der sprachlichen Evolution handeln könnte. Nicht ganz unbegründet, aber in womöglich doch übertriebenem Gehorsam gegenüber gesamtgesellschaftlichem Sprachgewuschel, hat sich offenbar die Meinung durchgesetzt, dass die Hörerschaft mit relativ komplexen Sätzen ohne erholsame Kunstpausen heute nicht mehr belästigt bzw. gefordert werden dürfe.

Daraus allerdings muss sich eine Eigendynamik entwickelt haben, die (vorerst) damit endete, dass selbst das Aneinanderreihen von Subjekt („Der Bundesinnenminister“), Prädikat („hat geredet“) und Objekt („Unsinn“) zur Überforderung des Publikums führe, erst recht, wenn das Ganze durch ein „wieder“ noch an Komplexität gewinne.

Ähnliches geschieht übrigens mit Ortsbestimmungen wie „Im Radio“. Um ehrlich zu sein: Im Radio, da wollen wir so etwas eigentlich nicht hören.

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