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Times mager Straßen

Was Landstraße heißt, ist gemeinhin nicht nur nicht ländlich, sondern sogar besonders stickig, stinkig und laut.

Friedberger Landstraße
Oft tragen die stinkendsten, stickigsten, lautesten und lärmendsten Ausfallstraßen unserer Städte einen Namen: Landstraße. Foto: Peter Jülich

Es ist ja so, dass Landesstraßen oft auch Landstraßen sind. Das gilt im Übrigen auch umgekehrt, aber nicht immer. Häufiger ist es vielmehr so, dass eine Landesstraße auch eine Landstraße ist, während eine Straße, die „Landstraße“ heißt, meistens gar keine ist.

Wie alle wissen, gibt es eine Landstraße aus amtlicher Sicht gar nicht, beziehungsweise nur, wenn es um städtische Straßennamen geht. Die Landesstraße dagegen hat aus amtlicher Sicht zumindest eine mittlere Relevanz, denn: „Eine Landesstraße ist niederrangiger als eine Bundesstraße, aber höher als eine Kreisstraße eingestuft“ (Wikipedia).

Das Beste: Während noch die schönste „Landstraße“ gar nicht über Land führt, weil die Namensgebung an der Stadtgrenze endet, schlängelt sich die gemeine Landesstraße idyllisch von Ort zu Ort, meistens vorbei an den großen Städten, denn da führen die Bundesstraßen hin.

All das ist für den eigentlichen Inhalt dieses Textes vollkommen ohne Bedeutung, aber da wir gerade dabei sind, soll folgende Information noch angefügt werden: „Die Kurzbezeichnung einer Landesstraße besteht aus dem vorangestellten Großbuchstaben L und einer fortlaufenden Nummer“ (auch Wikipedia), und nur für den Fall, dass Sie das nicht verstehen, erläutert Wikipedia: „(beispielsweise L1, L83, L262 oder L3190)“. Sie können auch jede andere Zahl verwenden!

Wir kommen jetzt zum Thema: Oft tragen die stinkendsten, stickigsten, lautesten und lärmendsten Ausfallstraßen unserer Städte einen Namen, der den Unkundigen und die Unkundige an die Idylle des Dahingleitens zwischen Wäldern und Hügeln erinnert: Landstraße.

Suchen Sie mal mit Ihrem Computer nach Tankstellen, Abschleppdiensten, Gartencentern (immerhin) oder Rekord-Feinstaubwerten: alles Landstraße, um es nur leicht übertrieben zu sagen! In Frankfurt am Main geht es nirgendwo dreckiger zu als in der Friedberger Landstraße, die sich aus der Innenstadt heraus an Tankstellen, Gebrauchtwarenhandel (Abschleppdienst: Homburger Landstraße) und Gartencenter vorbei ins Grüne zieht, um hinter der Stadtgrenze in einer Frankfurter Straße kläglich zu verenden, während sich der Stau der Vilbeler Landstraße bis zurück in die Stadt hinein verlängert.

Aber wissen Sie, was das Allerbeste ist? Das Papier, auf dem steht, wie man den Gestank verringert (was allerdings nicht funktioniert), trägt den Titel „Luftreinhalteplan“. Das ist sehr originell, denn 1) gibt es in diesen Straßen so gut wie keine Luft, 2) ist sie so unrein, dass man nicht einmal die Nase reinhalten sollte, weshalb man sie 3) auch nicht rein halten kann, weil sich die Politik lange rausgehalten hat. Und „Plan“? Urteilen Sie selbst!

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