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Times mager Stefan bauen

So ein Roboter muss vielleicht ganz klein anfangen, mit einem Stuhl von Ikea zum Beispiel, aber wer weiß, was da noch drin ist.

Roboter
Roboter können jetzt auch Ikea-Möbel aufbauen. Foto: rtr

Zu den in der WG wöchentlich, wenn nicht täglich diskutierten Fragen gehörte die des Abwaschs und des Badputzens (neben leichter Lösbarem wie Abrüstung, Gleichberechtigung, Weltfrieden). Erstens: wer ist laut Putzplan dran (siehe Aushang am Garderobenschrank im Flur)? Und hat tatsächlich derjenige, der vergangene Woche dran gewesen wäre, seine Pflichten vernachlässigt? Und ist darum diejenige, die diese Woche dran ist, Badewanne und Toilette zu schrubben, berechtigt, ihre BTP-Leistungen ebenfalls zu kürzen? Also bei der Badewanne den Schmutzrand kurz (!) abzuwischen, aber die verkalkten Armaturen schon nicht mehr? Aber ist das nicht ungerecht Person C gegenüber, die in der kommenden Woche doppelt so dicke Kalkränder beseitigen muss? Denn in München, glauben Sie mir, ist der Kalk ein Teufelskerl, er schlägt schneller seine Ablagerungen auf, als Sie den kindersicheren Verschluss von der Flasche mit dem Kraftreiniger aufkriegen. Und übrigens, fand das WG-Plenum, müsste auch die Kaffeemaschine mal wieder behandelt werden. Gibt es einen/eine Freiwilligen/Freiwillige?

Allerdings wäre der letzte Satz damals noch nicht so formuliert worden. Damals fand sich auf Uni-Formularen und -Zeugnissen noch wahlweise: Herr/Frau/Fräulein. Auch trank man Filterkaffee, liebe Kinder, und George Clooney machte noch keine Werbung für Nespresso. So lange ist das her.

Es ist auch so lange her, dass sich noch alle Augen auf den einzigen Mann in der Runde richteten, wenn es um Reparaturen – der Hahn tropft, die Garderobenschranktür klemmt, der Stuhl von Ikea muss zusammengebaut werden – ging. Allerdings war der Mann in der Runde handwerklich durchaus, nun ja, herausgefordert. Als er einmal versuchte, die Toilettenspülung zu reparieren, musste schleunigst der Hauptwasserhahn abgedreht und ein Profi gerufen werden.

Aber der Fortschritt wäre nicht der Fortschritt, gäbe es nicht auch für mangelndes handwerkliches Geschick inzwischen Lösungsansätze. Ingenieure der Nanyang Technological University in Singapur haben jetzt zwei Roboter – eigentlich nur zwei Arme plus eine 3D-Kamera – darauf trainiert, in zuletzt 20 Minuten und 19 Sekunden Ikea-„Stefan“ (18 Euro) zusammenzubauen. Eine Aufgabe, an der Menschen scheitern können.

Dabei fangen Maschinen quasi viel weiter vorn an: So ein Roboter muss erst die Teile als Stuhlzutaten erkennen. Dann herausfinden, wie er sie aufheben/anfassen/bewegen kann. Bis hier ist der Mensch noch eindeutig im Vorteil, fällt der Maschine auch mal was aus der, ähem, Hand. Dann aber zeigt ein Video, wie flink die zwei Roboterarme schließlich alles zusammenstecken. „Unser Ziel war es“, sagt Forschungsleiter Quang-Cuong Pham, „die Fähigkeiten zusammenzuführen und bis an die Grenze auszureizen.“ Uns fielen da auf der Stelle Putzgrenzen ein, die die Wissenschaftler als nächstes ausreizen könnten.

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