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Times mager Skandal um Saviano

Italiens Innenminister Salvini droht, dem Mafiakritiker Roberto Saviano den Polizeischutz zu entziehen. Ein Skandal.

Roberto Saviano
Seit zwölf Jahren steht der Journalist Roberto Saviano (Mitte) unter Polizeischutz. Das Foto von 2010 zeigt ihn mit Personenschützern. Foto: afp

Ein „Küsschen“ ist dem Opfer der Camorra bereits als Gruß übermittelt worden, nicht von der Mafia selbst, aber in ihrem Sinne, nach Art der Bosse. Kein Italiener, der nicht Böses dabei denkt, Gehässiges oder Abstoßendes, wenn der neue Innenminister Italiens, Matteo Salvini, dem italienischen Autor und Journalisten Roberto Saviano einen Mafiagruß an den Hals wünscht, nachdem er, der Innenminister, bereits damit gedroht hat, dem Mafiakritiker den Polizeischutz zu entziehen.

Die Empörung darüber ist in Italien nicht ausgeblieben, eine Reaktion, die sich nicht ignorieren ließ, formulierte der Vorgänger, Marco Minniti, der Salvinis Ankündigung sowohl geschmacklos als auch rechtswidrig nannte. Saviano selbst, das Opfer, über das die neapolitanische Mafia seit dessen Buch „Gomorrha“ eine Geiselhaft verhängt hat, nämlich seit zwölf Jahren ein Leben unter Personenschutz rund um die Uhr, nannte Salvini auf Facebook einen „Minister der Unterwelt“. Der Autor machte Italien darauf aufmerksam, dass der Politiker auf einer Kundgebung in Rosarno, Kalabrien, mit den Bossen der einheimischen Mafia, der ’Ndrangheta, und deren Sympathisanten in der „vordersten Reihe“ saß.

Auf die „Nähe“ der italienischen Politik zum organisierten Verbrechen, auf die Gepflogenheiten einer blutigen Bussi-Politik hat Saviano vielfach aufmerksam gemacht, zuletzt auch in seinem Gesprächsbuch „Erklär mir Italien“. Zur Strategie des Rechtspopulismus gehöre eine „sehr grobe, beleidigende Sprache“, insbesondere die Lega Nord, Salvinis Partei, „sonne sich geradezu in ihrer Authentizität, sie benutzen niemals die hochgestochene Sprache des Establishments“.

Nun hat sich insbesondere Salvini schon im Wahlkampf in einer brutalen Sprache gesonnt – so dass Elena Ferrantes Satz, „Salvini habe überzeugend gewirkt“, bis er seine „rassistischen Fäuste“ vorgezeigt habe, nicht ganz so überzeugend wirkt. Es sei denn, es ist bittere Ironie, denn die weltberühmte Anonyme aus Italien, Autorin eines hochverehrten Neapel-Epos, erkennt in Salvini eine Bedrohung – „in einer Linie mit den schlimmsten Traditionen Italiens“, wie sie soeben in ihrer Kolumne für den „Guardian“ schrieb.

Eine Sprache nach Art der Bosse betreibt Salvini allemal, zur Gemengelage des Jargons gehören zudem die nicht verdeckten Anspielungen auf Italiens jüngere Vergangenheit. Die Verbeugung ist offenkundig, die politische Referenz klar. Dass die körperliche Unversehrtheit eines von unverhohlenen Mordabsichten täglich verfolgten Bürgers nicht garantiert wird, ist nicht nur ein italienischer Rechtsbruch, sondern in der EU ein Menetekel. Der zynische Mafiagruß ist ein Putsch in neofaschistischer Manier.

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