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Times mager Sessel

Mehrfach wurde uns dieser Tage per Mail ein Chefsessel angeboten. Das ist ermutigend.

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Chef im Ring - ganz ohne Sessel: Hans Stretz (rechts). Foto: imago

In diesen Tagen gilt es, auch einmal „Danke“ zu sagen. Danke, Rainer Gutmann. Danke, Genoveva Fink. Danke, Germanus Wurdack. Sie alle haben in den vergangenen Wochen sehr schöne Mails geschrieben. In allen steht dasselbe drin, und alle sind nicht etwa mit Rainer Gutmann unterzeichnet, nicht mit Genoveva Fink oder mit Germanus Wurdack, sondern mit „Roman Wagner, Verkauf EU“, dem deshalb ein ganz besonderes Dankeschön gilt.

Um es klar zu sagen: Das Times mager ist gegen den Verkauf der EU, vermutet aber, dass es Rainer Gutmann, Genoveva Fink, Germanus Wurdack und Roman Wagner darum auch gar nicht geht. Sie bieten vielmehr einen Chefsessel an, und davon fühlt das Times mager sich dann doch motiviert.

Womöglich ist es ja so, dass der Weg an die Spitze gar nicht so sehr durch fleißiges Arbeiten sowie durch eine ausgewogene Mischung aus Unterwürfig- und Widerspenstigkeit geebnet wird, wie bisher vermutet. Vielleicht ist es vielmehr so, dass der Weg mit dem Sitzen auf dem richtigen Sessel beginnt und alles andere ergibt sich praktisch von selbst. Der Chefsessel, den Rainer Gutmann, Genoveva Fink, Germanus Wurdack und vor allem Roman Wagner anbieten, kostet „statt 399,-* nur 139,- Euro zzgl. 19% MwSt.“, und jetzt raten Sie mal, was das Sternchen hinter „399.-“ bedeutet: „Dieser Preis wird von uns nicht verlangt.“ Aber von den Kunden? Nein, auch das ist anders gemeint, man sollte die Leute nicht absichtlich missverstehen, nur weil sie über sich selbst im Passiv reden, statt zu sagen: „Diesen Preis verlangen wir nicht.“ Das wird schon auch seine Bedeutung haben.

Ohne Rainer Gutmann, Genoveva Fink und Germanus Wurdack zu nahe treten zu wollen, muss ihnen doch vorgehalten werden, dass sie wahrscheinlich nicht existieren. Vielmehr dürfte Roman Wagner irgendwo da draußen in einem Chefsessel sitzen und über eine unüberschaubare Schar von Mailversenderinnen und -versendern gebieten, die es allesamt nicht gibt.

Vielleicht gehört ihm sogar das ganze Unternehmen, obwohl weiter unten zum Teil noch ein Ali Stretz auftaucht, der allerdings wieder verschwindet, wenn man ihn googelt, denn dann erscheinen nur Texte über Boxer, nämlich über den unvergessenen Muhammad Ali und den etwas vergesseneren Mittelgewichts-Champion Hans Stretz (1928-1997). Sollte Ali Stretz dennoch existieren, könnte Roman Wagner als Chef der Abteilung Absender-Erfindung fungieren bzw. fingieren, das ist ja auch schon etwas.

Der Chefsessel wurde übrigens nach der Euronorm ISO 9001 („Mindestanforderungen an ein Qualitätsmanagementsystem“) produziert. Danke auch dafür.

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