Lade Inhalte...

Times mager Servicerot

Die Bahn zieht neue Kleider an, vielmehr die Bahnmitarbeiter. Sie sollen künftig in „Servicerot“ auftreten.

Servicerot
Für diesen zu 100% digital erstellten Farbton wurden garantiert keine Schnecken getötet. Foto: FR-Grafik

Als das Times mager einmal ein Auto verkaufen wollte (das Fabrikat tut hier nichts zur Sache, es handelte sich auch nicht um einen Betrügerdiesel), ein gänzlich unauffälliges Kraftfahrzeug bis auf die Farbe „Signalrot“, da erlebte das Times mager sein kleines frustrotes Wunder: „Signalrot“ war eher unverkäuflich, drückte mindestens den Preis („ja wenn er dunkelblau wäre ... oder schwarz ... oder silbergrau...“) und landete schließlich irgendwo in Osteuropa, möglicherweise bei einem Nostalgiker, der fand, dass hinter dem Eisernen Vorhang nicht alles schlecht gewesen war, jedenfalls nicht die Farbe Rot.

Die Deutsche Bahn, deren Logo, obwohl in vielversprechendem „Verkehrsrot“ (RAL 3020), in diesen Jahren nichts weniger als ein Signal ist, dass bei ihr stets ein zornrotes Ein-Fahrgast-sieht-rot auftreten kann (bei RAL 70 bis RAL 120 Minuten), hat nun einen Rot-Ton, etwas zwischen Wein-, Burgunder-, Purpur-, Braun- mit einem Schuss Tomatenrot, zum „Servicerot“ neuer Bahnmitarbeiterkleidung erkoren. Das Bischofslila wird relativ knapp verfehlt, zum Königsmantelrot hält man gebührend Abstand. Auf keinen Fall möchte die DB ein rotes Tuch sein, wäre auch der Fahrgast so farbenblind wie ein Stier.

Bloß ein Gerücht ist allerdings bisher, dass die Bahn (Motto: „moderner und sympathischer“ in Servicerot) bei längeren Aufenthalten auf offener Strecke serviceroten Rheinwein (anstelle von reinem, eher nüchtern machendem Verspätungswein) kostenlos ausschenken will. Dazu schaltet die Deckenbeleuchtung auf Servicerot um und erklingt servicerote Musik – wir denken da an Helene Fischer, Andreas Gabalier, Andrea Berg, Peter Alexander für die ältere Dame. Aus Bahnkreisen verlautet, man wolle das Risiko in Kauf nehmen, dass nicht alle Fahrgäste das „moderner und sympathischer“ fänden.

Die DB will sich zudem, so erfuhr das Times mager exklusiv, bei der Beschaffung des Purpurfarbstoffes („einer der teuersten Farbstoffe der Welt“, weiß das Internet) nicht an den Mittelmeeranrainern (wo man „die Schnecken zur Farbgewinnung tötete“), sondern an den molluskenfreundlichen Mexikanern orientieren, die die Schnecken einst „molken“ und wieder freiließen.

An dieser Stelle müssen einige Fragen zum Servicerot offen bleiben. Etwa, wie man Schnecken melkt. Wie Donald Trump seine Haarfarbe (Pumpkin? Calypso? Fruity Cocktail? Kotzgelb?) herstellt und ob dafür ebenfalls Weichtiere gemolken werden müssen. Wohl eher wutrote und neidgrüne Trolle – für die Tolle.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen