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Times mager Schönlöcher

Fela Kuti sang: Der Zombie geht nicht, solang du ihm nicht sagst, dass er gehen soll. Ein richtiger Hinweis - das Times Mager.

Rio de Janeiro
„Zombie Walk“ in Rio de Janeiro: Der Zombie denkt nicht, solang du ihm nicht sagst, dass er denken soll. Foto: rtr

Um auf ein etwas unappetitliches Thema zurückzukommen: Wir nennen hier ja keine Namen, jedenfalls nicht immer, aber ein gewisser Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat kürzlich eine ganze Reihe afrikanischer und karibischer Staaten mit einem Begriff belegt, den der Rest der Welt eigentlich längst für ihn selbst reserviert hatte: „Shithole“. Sie erinnern sich.

Seither erweisen sich die Berichterstatter in nicht englischsprachigen Staaten als ausgesprochen geistreich bei der Übersetzung des Begriffs: Drecksloch hat im hiesigen Sprachgebrauch klar die Nase vorn, Sch..ßloch war ebenfalls zu lesen, anderswo entschied man sich für Mistland, Bettlerhöhle, WC im Freien oder: Land, in dem die Vögel keine Eier legen – je nach Höflichkeitsstandard im öffentlichen Umgang. Manche der titulierten Staaten reagierten mit Einladungen in ihre schönsten Dreckslöcher, etwa zum Shithole-Wasserfall in Haiti oder in die namibische Shithole-Wüste.

Der in Shit-, Verzeihung, in Schottland geborene US-Bürger David Byrne, ein Gentleman und Musiker, stellte jüngst eine Liste mit schönen Liedern zusammen, die seine Kolleginnen und Kollegen aus Drecksloch-Staaten gesungen haben. „Pata Pata“ von Miriam Makeba beispielsweise, ein Lied über einen südafrikanischen Tanz. Oder „M’bife“ von Amadou & Mariam, einem blinden Gesangsduo aus Mali. „M’bife“ heißt: Ich liebe dich. Was man in Drecksloch-Staaten halt so zueinander sagt. Nicht diese charmanten Worte, die der aktuelle Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika gewöhnlich für Frauen findet.

David Byrne und seine Band, die Talking Heads, haben stets mit Musikern aus der ganzen Welt zusammengearbeitet. Schon vor fast 30 Jahren gründete er das Label Luaka Bop, um Musik aus allen Erdteilen bekanntzumachen. Seine Playlist „The Beautiful Shitholes“ mit 36 Songs soll das Maß an Kreativität zeigen, das aus den ärmsten Ländern kommt, sagt er. Und dass nicht der aktuelle US-Präsident das Problem sei, sondern die Leute, die ihn stützen.

Hier kommt noch eines von Byrnes schönen Dreckslöchern: Fela Kuti (1938–1997) aus Nigeria mit seinem Song „Zombie“. Textauszug (Übersetzung): Der Zombie geht nicht, solang du ihm nicht sagst, dass er gehen soll. Der Zombie hört nicht auf, solang du ihm nicht sagst, dass er aufhören soll. Der Zombie denkt nicht, solang du ihm nicht sagst, dass er denken soll.

Kuti galt selbst nicht gerade als die Liebenswürdigkeit in Person, aber die Anleitung für den Umgang mit späteren US-Präsidenten, die er uns hinterließ, hatte prophetische Züge.

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