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Times mager Salzburg

Eine Stadt und ein FC, die beide starke Emotionen auslösen.

Ausgang in Pfeilrichtung
Salzburger Skandalon 1972: Dramaturgisch wäre im Theater die totale Finsternis nötig gewesen, aber... Foto: imago

Und plötzlich schießt einem, einige Tage vor dem Rückspiel gegen FC alias Red Bull Salzburg nicht nur Red Bull durch den Kopf, was schlimm genug ist, sondern Salzburg, was schlimmer ist, so schlimm, weil es wie das Erzielen eines Gedankens ist, der auf das Problem trifft: Warum nur Salzburg?

Denn wie konnte es sein, dass ein Verein aus Österreich gegen einen aus der Bundesliga gewinnen konnte? Wie konnte eine Stadt, bekannt als Kulturstandort, einen Auswärtssieg landen in einer Stadt, alias einem Fußballstandort? Musste an einem solchen Standort erst ein österreichischer Trainer wirken, so dass eine österreichische Auswärtsmannschaft an der Wirkungsstätte eines Bundesligisten erfolgreich wirken konnte, also siegen?

Salzburg alias Red Bull Stadt, alias Barockstadt, Red Bull Theaterstadt, Red Bull Festspiele-Stadt. Red Bull geliebte Stadt, Red Bull verhasste Stadt. Red Bull Hass-Liebe-Stadt. Hatte nicht der Salzburgkenner Thomas Bernhard schon alles über Salzburg gesagt? Der Intimkenner Bernhard alles Notwendige zum Ausdruck gebracht, ohne groß Mozartstadt zu sagen! Vielmehr verlogene Stadt, verkommene Stadt, das waren des Dichters Worte.

Und war nicht 1972, bei der Uraufführung des Bernhard- schen Dramas „Der Ignorant und der Wahnsinnige“, die Notbeleuchtung eben nicht gelöscht worden, obwohl es aus dramaturgischen Gründen unbedingt notwendig gewesen wäre, die totale Finsternis, so dass es wegen der weiterhin glimmenden Notbeleuchtung während der Premiere zu einem Theatereklat kam. Eine Salzburger Infamie, wie die Theaterwelt seitdem weiß, ein Skandal, vergleichbar mit nichts sonst auf der Welt – also auch nicht mit dem Fußball.

Der spielt auf einem ganz anderen Feld. Dennoch die Frage, was erwartet den Dortmunder, wenn er am kommenden Donnerstag nach Salzburg reist, unter den Salzburgern? Trifft er auf FC-Anhänger, vulgo Red Bull-Salzburger? Haben sie in Salzburg überhaupt ein FC-Stadion, das den Namen verdient so wie die Felsenreitschule eine Spielstätte ist, die nicht nur in Salzburg einen Namen hat, und wie sie in Dortmund eine Arena haben, die wahrhaftig einen Namen hat und nicht nur den eines Sponsors führt, der in Salzburg eben nicht bloß ein Fußballförderer ist, sondern ein Vereinseigentümer, der seinen Besitz nicht nur wie sein Eigentum, vielmehr nach alter Art behandelt, wie sein Dominium. Wie ein fescher Milliardär nach vorgestriger Mittelalterart.

Alibi-Fußballclub-Verhältnisse. Um sich als Dortmunder auf das Rückspiel gegen dieses Salzburg vorzubereiten, muss er dieses nachweislich stockfinstere Salzburg ganz genau studieren.

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