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Times mager Rutschfasern

Selbst Moschusochsen stoßen jetzt an ihre Grenzen. Was ist geschehen?

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Und der Mensch rennt hinterher. Foto: imago

Der Satz „Selbst Moschusochsen stoßen jetzt an ihre Grenzen“ ist einer jener Sätze, die man gern auf ein T-Shirt gedruckt vor sich hertragen würde. Aber Sie wissen ja, wie das ist: Beim ersten Mal lacht der Betrachter und dann nimmermehr.

Das ließe sich auch mit der Bemerkung „Sie hat wahrscheinlich Rutschfasern zu hören“ durchexerzieren. Im Gegensatz zum Ochsen stammt die Faser aber aus einem völlig anderen Zusammenhang. Der Moschusochse fiel in einer Fernsehdokumentation aus der entlegenen Tundra und drang akustisch ans Ohr des dahindösenden Sonntagsmüßiggängers. Die Rutschfaser dagegen erschien schriftlich auf dem TV-Bildschirm im Fitnessstudio, während der Ausnahmesportler Kilometer auf dem Laufband fraß.

Dort, auf dem stur dahinjagenden Trimmgerät, versucht der Mensch rennend auf der Stelle zu bleiben, was ihm natürlich nie gelingt. Unter dem Menschen und unter dem Laufband jagt ja seinerseits der Erdball sich selbst. Selbst wenn der Mensch draußen auf der Straße in die richtige Richtung liefe, liefe er auf verlorenem Posten. Die Erde hat 1666 Sachen drauf. Da ist es dann auch piepe, ob ich 9,2 oder 11,7 km/h schaffe.

Dann lieber gleich Laufband. Dafür spricht, dass auf mehreren Bildschirmen Fernsehprogramm zu sehen ist, und wenn man Glück hat: mit Live-Untertiteln. „Sie hat wahrscheinlich Rutschfasern zu hören“ stammt etwa aus einem Riesenslalom der Damen, ebenso die dramatischen Sätze: „Jetzt ist der Norwegerin alles zuzutrauen“, „Achtung! Sie hat es unten wieder rausgefahren“ und: „Das Signal heißt: Ich bin da. Ich bin bereit, wenn er patzt.“ (Er? Wieso er?)

Man stellt sich einen gehetzten ZDF-Mitarbeiter an einer Tastatur vor, den Ton des Sportkommentators auf dem Kopfhörer, wie er versucht, möglichst simultan die wichtigsten Sätze für die gehöreingeschränkte oder rennende Menschheit zu retten. „Das gefällt mir sehr gut, was sie zeigt. Das ist top. Die greift an. Wenn sie nicht irgendwo noch was einbaut.“

O.k., man kann alles ins Lächerliche ziehen, indem man es aus dem Zusammenhang reißt und in eine Zeitungsecke schreibt. Das ist ja das Schöne daran. „Der zweite Lauf hat sich gut angeführt.“ (Hihi.) Aber damit nicht die Ski-Damen alles abkriegen, hier noch ein schönes Untertitelzitat aus dem NDR: „Wir haben einige zehn gefunden.“ Es folgen die besten Szenen aus der ersten Fußballhalbzeit.

Die Erde dreht sich weiter. Der Mensch rennt hinterher. Der Ochse stößt an seine Grenzen.

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